Die hohen Energiepreise haben die Inflation im Euroraum auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren getrieben. Die ​Verbraucherpreise stiegen im Oktober um 4,0 Prozent, nach 3,8 Prozent im September, wie das EU-Statistikamt auf Basis vorläufiger Daten mitteilt.

Eine Vier vor dem Komma bei der Inflationsrate hatte es zuletzt im September 2023 gegeben, als sich insbesondere Lebensmittel stark verteuerten. Derzeit ist Energie der Preistreiber Nummer eins: Sie verteuerte sich gegenüber dem ​Vorjahresmonat um 20,8 Prozent. Im September hatte die Steigerungsrate bei 18,9 Prozent gelegen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) warnte ⁠jüngst ⁠vor steigender Inflationsgefahr im Zusammenhang mit dem andauernden Ölpreisschock infolge des Irankriegs. Nachdem sie zuletzt eine Zinspause eingelegt hat, dürfte sie sich im Dezember mit der dritten Erhöhung ‌im laufenden Jahr gegen den Preisauftrieb stemmen.

Signale in diese Richtung ​kamen jüngst auch ‌von Bundesbankchef Joachim Nagel. Er nannte eine Zinserhöhung im Dezember »aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich notwendig«. Das EZB-Ratsmitglied betonte, der Inflationsausblick habe sich zuletzt verschlechtert.

Inflation liegt deutlich über Zielwert

Die EZB strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an – ein Wert, von dem sie ‌nun weit entfernt ist. Sie hatte bereits im Juni und September auf den Teuerungsschub infolge des Irankriegs reagiert und den Leitzins auf ‌aktuell 2,50 Prozent angehoben.

Die Zentralbank will ​vermeiden, dass der Ölpreisschock einen breiten ‌Preisauftrieb auslöst: Mit anhaltend hohen Energiekosten für Verbraucher und ‌Firmen steigt das ​Risiko, dass sich Löhne und Preise hochschaukeln.

Die EZB achtet dabei insbesondere auf die Dynamik der zugrunde liegenden ​Inflation, bei der die schwankungsanfälligen Preise ⁠für Energie und Nahrungsmittel außen ​vor ​bleiben. Diese sogenannte Kernrate stabilisierte sich im Oktober: Sie wies wie im Vormonat 2,5 Prozent auf.

Zu viele demokratische Staaten bekommen ihre Finanzen nicht in den Griff. Lesen Sie hier mehr  über das Krisensymptom, das auf tiefere Fehlfunktionen des Systems hinweist.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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