Ausgebranntes Kehlsteinhaus am Obersalzberg: Fast vollständig zerstört Ausgebranntes Kehlsteinhaus am Obersalzberg: Fast vollständig zerstört

Ausgebranntes Kehlsteinhaus am Obersalzberg: Fast vollständig zerstört

Foto: Kerstin Joensson / AFP

Das einst für Adolf Hitler gebaute Kehlsteinhaus im früheren »Führersperrgebiet« Obersalzberg ist in Flammen aufgegangen. Die Löscharbeiten in Berchtesgaden dauerten am Samstagvormittag an, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim mitteilte. Verletzt wurde den Angaben zufolge niemand, eine »verdächtige Person« wurde festgenommen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung.

Ein Motorradfahrer, der den Einsatzkräften auf dem Weg zu dem auf einer Anhöhe gelegenen Brandort entgegenkam, sei festgenommen worden, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Nachrichtenagentur dpa. Die aus der Region kommende Person sei verletzt worden und befinde sich zunächst im Krankenhaus. Die Ermittlungen haben Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei in Traunstein übernommen.

Brennendes Kehlsteinhaus: Schwer zu erreichen

Brennendes Kehlsteinhaus: Schwer zu erreichen

Foto: AFP

Nach Angaben der Polizei löste ein Rauchmelder des Kehlsteinhauses am Freitagabend gegen 21.50 Uhr den Brandalarm aus. Die Feuerwehr sah bei der Anfahrt hoch aufschlagende Flammen, vor Ort wurde dann »der Vollbrand des Gebäudes feststellt«. Die Anfahrt zu dem in 1834 Meter Höhe befindlichen Gasthaus gestaltete sich wegen Schnee und Regen ebenso schwierig wie danach die Löscharbeiten, sagte Polizeisprecherin Lisa Maier: »Man kann nur mit schwerem Atemschutz in das Gebäude hinein.«

Das Gebiet wurde am Samstag weiträumig abgesperrt.

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Das Haus am Obersalzberg unweit der Grenze zu Österreich ist schwer zu erreichen. Die zahlreichen Touristen aus dem In- und Ausland, die jedes Jahr in die historische Stätte kommen, werden mit Bahnbussen der sogenannten Kehlsteinlinie zum Haus befördert. Laut Deutscher Bahn dauert die Auffahrt 20 Minuten und verläuft durch fünf Tunnel. Die letzten 100 Höhenmeter müssen per Lift durch den Berg oder über einen Fußweg überwunden werden.

In den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts war das Kehlsteinhaus von den Nationalsozialisten als Teil des von Reichskanzler Adolf Hitler genutzten Gebäude-Komplexes am Obersalzberg erbaut worden. Es wird seit 1951 als frei zugängliche Berggaststätte genutzt.

International ist das Ausflugsziel als »Eagle's Nest« bekannt, was mit »Adlernest« oder auch »Adlerhorst« übersetzt werden kann. Letzteres ist allerdings irreführend, denn im deutschsprachigen Raum wird so das ehemalige »Führerhauptquartier« in Hessen bezeichnet, eine frühere Bunkeranlage der Nazis im Taunus.

Das Gebäude wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem damals abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung. Neben Adolf Hitler, der unweit des Kehlsteinhauses einen Berghof als Sommerresidenz bewohnte, hatten auch NS-Größen wie Martin Bormann und Hermann Göring sowie ranghohe SS-Mitglieder und ihre Familien Gutshöfe und Häuser in dem als »Führersperrgebiet« bezeichneten Areal. Eine Ausstellung im Kehlsteinhaus widmet sich der NS-Geschichte des Gebäudes.

Ehemaliges NS-»Teehaus« vor dem Brand: Rund 350.000 Touristen jährlich

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Foto: Barbara Gindl / AFP

Laut einer Beschreibung des für die historische Dokumentation zuständigen Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden diente das damals sogenannte »Teehaus« den Nationalsozialisten als »politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit«. Tatsächlich sei die Bedeutung des Hauses jedoch gering geblieben. Häufig sei das Haus von der am Obersalzberg versammelten Nazi-Entourage zur Erholung und für private Feiern genutzt worden. Adolf Hitler soll im Gegensatz zu seiner späteren Ehefrau Eva Braun nur selten im Kehlsteinhaus zu Gast gewesen sein.

Mit alljährlich rund 350.000 Besuchern ist das Kehlsteinhaus eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Bayerns. Laut dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann soll die historische Stätte wieder aufgebaut werden. »Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können«, sagte der CSU-Politiker, in dessen Zuständigkeit das Gebäude fällt.

Die Höhe des Sachschadens ist wegen der unklaren Situation am Brandort noch nicht bezifferbar. »Der Schaden geht sicher in die Millionen«, sagte der Vorsitzende des Zweckverbands, Bartl Wimmer. Nach Angaben von Innenminister Herrmann müssten nun Brandsachverständige den genauen Schaden feststellen. Wegen des historisch schwierigen Bezuges sollen auch Historiker in den Wiederaufbau einbezogen werden.

bor/dpa/AFP

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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