1. Warum Software in der Medizintechnik so streng reguliert ist
  2. Definition eines Medizinprodukts
  3. Risikoklassen und Softwarearten
  4. Umgang mit Softwarefehlern und Bewertungsrelevanz
  5. Usability prüfen, Feedback einbeziehen
  6. KI in der Medizintechnik
  7. Fazit
Artikel in iX 12/2026 lesen

Es könnte alles so einfach sein. Das Rüstzeug guter Softwareentwicklung hat sich über Jahrzehnte etabliert, in der Medizintechnik wie in jeder anderen Branche. Wer ein neues Produkt plant, klärt Nutzerwünsche und Randbedingungen und legt fest, was es abdecken soll. Diese Entscheidungen münden in die Zweckbestimmung: wofür das Produkt bestimmt ist, für wen und unter welchen Bedingungen.

  • Die Entwicklung von Software in der Medizintechnik oder für medizinische Zwecke ist stark reguliert.
  • Ausschlaggebend für die regulativen Pflichten sind die medizinische Zweckbestimmung und die Risikoklassifizierung; Umfang und Tiefe der Nachweise hängen zusätzlich von Komplexität und Art des Produkts ab.
  • Die Rechtsgrundlage bildet die Medical Device Regulation. Normen für Qualitätsmanagement, Risikomanagement und Softwarelebenszyklus sowie Leitfäden konkretisieren ihre praktische Umsetzung.
  • Entwickler müssen zudem strenge Datenschutzvorgaben der DSGVO und zukünftige Gesetze wie die KI-Verordnung einhalten.
  • Durch die Nachweispflichten kann der Dokumentationsaufwand den eigentlichen Programmierprozess um ein Vielfaches übersteigen.

Das Wie ist Sache der Umsetzung – Architektur, Module, Drittkomponenten, Werkzeuge, Test- und Laufzeitumgebungen und ganz profan die Entwicklung selbst. Ist das Produkt im Markt, werden Fehler behoben und ähnliche mithilfe von Erfahrungen aus dem Feld künftig vermieden. Korrekturen und Verbesserungen fließen in neue Releases, und der Reigen beginnt von vorn.

Dr. Rüdiger Berlich

Dr. Rüdiger Berlich beschäftigt sich seit 1994 mit KI. Als Consultant berät er auch zu Themen rund um Product Ownership, Change Management, Requirements- und Softwareengineering.

Wie formal man diesen Softwarelebenszyklus betreibt, hängt vom Einsatzzweck ab. Ein Spieleentwickler kann sich, auf die Gefahr einiger enttäuschter Kunden hin, vielleicht Abkürzungen erlauben. Kann Software aber, wie oft in der Medizintechnik, Menschen gefährden, reicht der Markt als Korrektiv nicht aus. Deshalb sollen Gesetze und Normen Patienten und Anwender schützen. Die dafür nötigen Kontrollmechanismen machen aus der Entwicklung allerdings schnell einen Ritt durch die Paragrafen.

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Source: Heise · Dr. Rüdiger Berlich

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