Grönlands Parlament hat grünes Licht für ein neues Sicherheits- und Verteidigungsabkommen mit den USA gegeben. Bei einer Abstimmung am Dienstag stimmte der Nachrichtenagentur Ritzau zufolge eine Mehrheit für die Vereinbarung, die US-Präsident Donald Trump, die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen im September am Rande der Uno-Generalversammlung in New York unterzeichnet hatten. Demnach sprachen sich 16 Abgeordnete für das Abkommen aus, sieben enthielten sich. Gegenstimmen gab es nicht.
Nun steht noch die Zustimmung des dänischen Parlaments aus. In Kopenhagen ist ein Votum für den 19. November angesetzt. Wenn die USA auf diplomatischem Weg über die Ergebnisse der beiden Abstimmungen informiert sind, kann das Abkommen endgültig in Kraft treten.
Was steht in dem Abkommen?
Die Vereinbarung modernisiert und ergänzt ein bereits seit 1951 existierendes Verteidigungs-Abkommen Dänemarks mit den USA. Sie setzt einen mindestens vorläufigen Schlussstrich unter den Konflikt um die Arktisinsel, den der US-Präsident angezettelt hatte. Trump hatte in der Vergangenheit mehrfach mit der Annexion Grönlands gedroht und sein Vorgehen mit Sicherheitsinteressen begründet. Nach der Unterzeichnung der Vereinbarung hatten sich alle drei Parteien als Sieger gefeiert. Aus dänischer und grönländischer Sicht sind die Zugeständnisse ein geringer Preis. Die Souveränität wird nicht angetastet.
Durch ein Abkommen aus dem Jahr 1951 haben die USA ohnehin schon recht großen militärischen Spielraum auf der Arktisinsel. Aktuell unterhält das US-Militär dort aber nur noch eine Militärbasis, die für Raketenabwehr und Radarüberwachung wichtige Pituffik Space Base im Nordwesten Grönlands. Der Deal erlaubt den Amerikanern, diese zu modernisieren und ihre Aktivitäten dort zu erweitern. Außerdem sollen die USA zunächst zwei weitere Verteidigungsstandorte aufbauen dürfen.
Was hat Trump davon?
Zudem räumen Dänemark und Grönland den US-Streitkräften große Bewegungsfreiheit auf der und um die Arktisinsel ein. Dagegen soll kein Nicht-Nato-Staat ohne die Genehmigung der drei Parteien Militäranlagen in Grönland errichten dürfen. Auch bei Investitionen begrenzt der Deal den Einfluss von Staaten - oder Investoren aus Staaten -, die weder Nato-Mitglieder oder -Partner noch EU-Mitglieder sind. Das kommt Trumps Wunsch entgegen, Chinas und Russlands Einfluss in der Region einzuschränken.
Unmittelbar nach Unterzeichnung des Abkommens kündigte der US-Präsident außerdem an, dass die USA nun die Öl-, Gas- und Mineralvorkommen Grönlands erschließen wollten. Dies stehe kurz bevor, teilte Trump Mitte Oktober auf seiner Onlineplattform Truth Social mit. Details zu den Plänen nannte er nicht. Es gebe Experten, die davon ausgingen, dass die Menge an leicht verfügbarem Öl weitaus größer sei als in fast jedem anderen Land der Welt, erklärte er. Die Insel bezeichnete er in seiner Nachricht »unser neues und wunderschönes Grönland«.
Die grönländische Regierung hat den Aussagen Trumps prompt widersprochen. Jørgen Hammeken-Holm, ein ranghoher Vertreter des grönländischen Wirtschaftsministeriums, sagte in einem Interview mit dem US-Sender CNN, dass es zwar Aktivitäten von US-Unternehmen gebe, doch »von einer ›umfangreichen‹ Exploration« sei man noch sehr weit entfernt.
Die USA wollen mit aller Macht mehr Einfluss in Grönland. Recherchen zeigen nun die Umweltschäden, die das Land an früheren Militärbasen auf der Insel hinterlassen hat. Die Hintergründe lesen Sie hier .
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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