»Ich lache gerne und bin auch lustig«: Der Graf, Sänger der Band Unheilig, schmunzelt darüber, wie er offenbar in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. In seinen Liedern bleibt es dennoch wohl weiterhin wenig fröhlich.
01.11.2026, 09.22 Uhr
Der Graf, Frontmann von Unheilig
Foto: Hendrik Schmidt / dpaEr steht im schwarzen Anzug mit schwarzer Krawatte auf der Bühne, seine Lieder haben oft viel Pathos. Doch im wahren Leben sei er ganz anders, findet der Graf, Sänger der Band Unheilig. »Ich bin ein ganz normaler Mensch. Ich lache gerne und bin auch lustig«, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.
Das Publikum sehe oft nur die Kunstfigur. »Manche halten mich für einen Trauerliedsänger, der über Weltschmerz nachdenkt.« Das sei ein Irrtum. Er selbst geht davon aus, dass sein Image gar nicht an seinen aktuellen Auftritten liegt, sondern an seinen Anfängen in der Gothic-Szene. »Das Bild ist wohl davon geprägt, wie ich mich in den ersten Jahren präsentiert habe: rüschenverzierter Mantel und Stiefel. Ich habe fast nie gelacht.«
Auch der Bandname Unheilig sei mehr als nur ein düsteres Markenzeichen. »Ich bin ein sehr gläubiger Mensch«, sagte der Sänger. Aber nicht im klassischen Sinn, wie Religionen dies predigten. »Wenn du so glaubst, bist du in den Augen vieler ein Unheiliger. Das fand ich gut!« Im Bandnamen stecke seine Lust am Widerspruch. »Wenn man mir sagt, mach das nicht, mache ich das erst recht. Ein kleiner Revoluzzer.«
»Eine Ausdrucksform für deine Zweifel«
Der Musiker sieht Selbstzweifel als wichtigen Antrieb für sein künstlerisches Schaffen. »Du suchst eine Ausdrucksform für deine Zweifel. Der eine schreibt ein Buch, der andere malt ein Bild. Ich schreibe Lieder.« Manche Songs seien ein Ausdruck dieser Unsicherheit. »Ich brauche die Musik manchmal als Ventil, um mir das Leben zu erklären.« Bei dem aktuellen Album »Liebe, Glaube, Monster« stehe »Monster« für seine Versagensangst und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
2016 hatte der Graf ein vermeintlich letztes Konzert gegeben. Er steht seit dem vergangenen Jahr wieder auf der Bühne. »Das Comeback war schwerer als der Abschied, der war erklärbar«, sagte er. »Ich hatte musikalisch nichts zu sagen, die Kreativität konnte nicht mehr raus, ich wollte mehr Zeit für die Familie.« Als er mit Verdacht auf Herzinfarkt in der Notaufnahme gelegen habe, entschied er sich für ein Comeback. »Ich dachte: Worauf will ich warten? Mach doch einfach.«
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Unheilig tourt ab Mitte November und will sich 2027 nach einigen Sommerfestivals vorübergehend zurückziehen. Er wolle neue Musik schreiben und die vergangenen Jahre verarbeiten, sagte der Graf. Es sei einiges passiert: der Tod seiner Eltern, gesundheitliche Probleme und ein Sturz von der Bühne. »Wie im Hollywoodfilm irgendwie. Ich dachte: Alter Schwede, da ist viel zusammengekommen. Darüber kannst du fast einen Krimi drehen.«
Als »Der Graf« füllte er mit seiner Band Unheilig in den Nullerjahren die großen Stadien, dann verschwand er. Nach rund zehn Jahren kehrte er zurück. Lesen Sie hier ein Interview zum Comeback.
bbr/dpa
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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