Der großflächige Einsatz von künstlicher Intelligenz an US-Schulen stößt bei Lehrern und Eltern zunehmend auf Widerstand. Google reagiert darauf mit strikten neuen Nutzungsregeln.
04.11.2026, 04.06 Uhr
Logo des Google-KI-Assistenten »Gemini«
Foto: Dado Ruvic / REUTERSGoogle zieht gegenüber US-Schulen die Daumenschrauben an. Verbietet eine Einrichtung in ihren Räumen die Nutzung künstlicher Intelligenz, will das Unternehmen den Schülern künftig den Zugriff auf die Google-Suche sperren. Ein Zugriff auf die Suchfunktion sei nur möglich, wenn sich die Schule ausdrücklich für den Einsatz künstlicher Intelligenz entscheide. Das teilte der Technologieriese am Dienstag mit.
Immer mehr Pädagogen, Kinderentwicklungsexperten und Eltern sehen es kritisch, wenn Schüler im Unterricht die neuesten Google-Tools nutzen. Die Skepsis hat sich noch verschärft, seit das Unternehmen im August bekannt gab, dass es seinen KI-Chatbot »Gemini« für viele Schüler in den USA freigeschaltet hat, die die Unterrichtsplattform Google Classroom nutzen.
Am Dienstag erklärte das Unternehmen, Schulverwaltungen würden Googles KI-Funktionen nicht mehr automatisch freigeschaltet bekommen. Stattdessen könnten Schulen jedes Google-Tool einzeln aktivieren oder deaktivieren, darunter den KI-Assistenten Gemini, Gemini Notebook und die Suche. Jedes Tool sei standardmäßig deaktiviert, bis die Administratoren es einschalteten. Da die Suche jedoch in die KI integriert sei, verlören Schulen, die sich vollständig gegen KI entschieden, auch den Zugriff auf die Google-Suche.
Google verspricht lernfreundliche Antworten
»Wir sind der Meinung, dass Schulen die Kontrolle über KI in ihren Klassenzimmern haben sollten und dass wir den Schulverwaltungen Steuerungsmöglichkeiten an die Hand geben müssen, die ihnen bei der Gestaltung ihres Ansatzes helfen«, schrieb Chris Phillips in einem Blogbeitrag . Er leitet als Vice President den Bildungsbereich bei Google.
Das Unternehmen teilte außerdem mit, es aktualisiere seine Suchtools, damit sie »lernfreundlicher« würden. Unter anderem sollen Schüler keine schnellen Antworten auf ihre Schulaufgaben erhalten. Eine vollständige Deaktivierung der KI sei jedoch nicht möglich, wenn Schulen Google-Produkte nutzen wollten.
Google ist der dominierende Anbieter von Bildungssoftware an US-Schulen. Weltweit nutzen laut Unternehmensangaben 150 Millionen Schüler und Lehrer die Plattform »Google Classroom«. Viele Schüler verwenden zudem Chromebooks, die ihre Schule bereitstellt.
Kritik an »Zwang zu KI«
Im August geriet Google in die Kritik, als es seinen Chatbot »Gemini« auch für jüngere Schüler freischaltete. Bis dahin hatte Google die Aktivierung von Gemini nur für Personen ab 18 Jahren zugelassen.
Pädagogen, Pädagoginnen und politische Entscheidungsträger kritisierten die Ankündigung vom Dienstag. »Google nutzt sein Suchmonopol, um Schulen zur Einführung von KI zu zwingen«, schrieb Lina Khan, ehemalige Vorsitzende der Federal Trade Commission auf X.
Dies zeige die Gefahren, wenn man einem unregulierten Monopolisten die Kontrolle über einen systemrelevanten Dienst überlasse. »Während sich die Öffentlichkeit zunehmend gegen den Einsatz von KI in Schulen wehrt, macht Google deutlich, dass es diejenigen bestrafen wird, die sich nicht fügen.«
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New York City und Los Angeles hatten vorübergehende Verbote für generative KI-Tools in Grund- und Mittelschulen erlassen. Sie prüfen den Einsatz und bewerten die Sicherheit von KI und wollen Richtlinien für deren Nutzung entwickeln. Experten hatten zudem Bedenken geäußert, dass der Zugang zu KI der Gehirnentwicklung von Kindern schaden könnte.
Josh Golin von der Kinderrechtsorganisation Fairplay, glaubt, dass Googles Versuch, Schulen zur Nutzung seiner KI zu zwingen, nach hinten losgehe. Seiner Meinung nach gehe es bei Googles Technologie in Schulen nicht um das Lernen, sondern darum, eine »lebenslange Markentreue« für seine Produkte zu entwickeln.
»Da KI für Kinder nicht sicher ist und Bildung sowie kritisches Denken untergräbt, sollten Schulen Googles KI-Tools deaktivieren, sobald diese Option verfügbar ist«, sagte Golin in einer Stellungnahme.
hda/AP
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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