Den Rückzug des saudischen Investment-Fonds kann die Golfliga LIV nicht mehr auffangen. Eine Rückkehr der abgewanderten Golfer zu den etablierten Touren sehen einige ihrer Kollegen kritisch.
06.11.2026, 10.48 Uhr
LIV-Golf-Beschilderung in Singapur, 2024
Foto: Lionel Ng / Getty ImagesDie Golf-Serie LIV stellt ihren Spielbetrieb nach knapp fünf Jahren ein. Die 2022 mit Milliardensummen aus Saudi-Arabien gegründete Tour verkündete nun das endgültige Aus.
»LIV Golf hat Spaß gemacht, war anspruchsvoll, inspirierend und zeitweise herausfordernd – aber immer lohnend«, teilte LIV-Geschäftsführer Scott O'Neil mit. Zuvor hatten bereits Golfstars wie Jon Rahm, Sergio García (beide Spanien), Louis Oosthuizen (Südafrika) und Tyrrell Hatton (England) erklärt, dass sie nicht bei einer Neuauflage »LIV 2.0« dabei wären. Auch der zweifache deutsche Major-Sieger Martin Kaymer, 41, spielte auf der LIV-Tour.
Nach dem Rückzug des neuen Hauptsponsors, der der LIV-Tour aus der finanziellen Krise helfen sollte, folgte nun das Aus. BC Partners Credit hatte zuvor angekündigt, bis zu 300 Millionen US-Dollar in die Neuauflage der Tour zu investieren. Die LIV-Pläne sahen vor, mindestens zehn Turniere im Jahr 2027 auszutragen. Die Konkurrenz-Serie der US-amerikanischen PGA Tour und der europäischen DP World Tour ging davon aus, dass bis zu 30 Spieler bereit gewesen wären, in der Liga zu bleiben, doch nach dem Abgang von Rahm und Co. fehlten die prominenten Namen.
Viele bekannte Golfer abgeworben
LIV Golf startete im Jahr 2022 und warb mit bis zu dreistelligen Millionensummen viele bekannte Golfer wie Dustin Johnson, Brooks Koepka, Bryson DeChambeau und Phil Mickelson (alle USA) sowie Rahm und García von der PGA Tour und der DP World Tour ab.
Die Krise von LIV Golf begann im April, als der saudi-arabische Staatsfonds PIF seine Investitionsstrategie änderte und erklärte, dass er LIV Golf nach der Saison 2026 nicht mehr finanzieren werde. Im September stellte LIV Golf dann einen Insolvenzantrag. Der PIF soll die Golf-Serie über die Jahre mit rund fünf Milliarden Dollar unterstützt haben.
Ob die Spieler, die bei LIV Golf an den Start gingen, nun zu den etablierten Touren zurückkehren, ist offen – auch weil viele Profis dies kritisch sehen. Golfstar Rory McIlroy sagte in Richtung von LIV: »Sie haben Spieler genommen, sie haben Sponsoren genommen, sie haben den professionellen Golfsport in ein Wettrüsten verwandelt. Sie liefen herum und erzählten den Leuten, sie wollten die European Tour zerstören.«
Rory McIlroy
Foto: Fadel Senna / AFPDer ehemalige Ryder-Cup-Kapitän Paul McGinley werfe keinem Spieler vor, das saudi-arabische Geld genommen zu haben. Das Problem sei gewesen, wie sich einige Spieler beim Abschied verhalten hätten: »Sie haben die DP World Tour öffentlich in den Schmutz gezogen. Die Spieler, die hiergeblieben sind, haben ein gutes Gedächtnis. Das ist nicht vergessen.«
Der Niederländer Joost Luiten sieht es ähnlich: »Vor vier Jahren war ihnen die DP World Tour scheißegal«, sagte er. Wenn die Tour sie jetzt zurückhole, sei das eine »extrem schwache Entscheidung« und unfair gegenüber den jungen Talenten, die sich über die Qualifying School den »Arsch aufreißen«, um überhaupt eine Chance zu bekommen.
PGA schaffte Rückkehr-Vereinbarung
Die PGA Tour hatte im Januar mit dem »Returning Member Programm« einen Weg zurück von LIV Golf geschaffen, dieser ist jedoch mit hohen Auflagen verbunden. Der US-Amerikaner Brooks Koepka nutzte ihn, musste dafür aber fünf Millionen Dollar für wohltätige Zwecke spenden, wurde für das Equity-Programm der Tour für fünf Jahre ausgeschlossen und muss Einschränkungen bei Sponsoreneinladungen hinnehmen.
Bryson DeChambeau, Jon Rahm und Cameron Smith schlugen diesen Deal mit der PGA aus. Tour-Chef Brian Rolapp machte klar, dass es wohl ein einmaliges Entgegenkommen war: »Wenn die Tür einmal zu ist, gibt es kein Versprechen, dass dieser Weg wieder offensteht.«
luc/dpa
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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