Die Autoindustrie bremst Deutschlands Fortschritte bei der Vielfalt. Mit Ausnahme des Lkw-Herstellers Daimler Truck hatte zum Stichtag 1. September keiner der großen Autohersteller mehr als eine Frau im Vorstand. Das geht aus einer Studie der deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung hervor. Sie hat die Führungsgremien der 160 Unternehmen untersucht, die in den Börsenindizes Dax, MDax und SDax gelistet sind.

Der Aufsichtsrat des Autokonzerns Volkswagen berief Erika Rasch zum 1. Oktober zur Personalvorständin. Trotzdem bleibe die Autoindustrie »die männlichste, deutscheste und vor allem veränderungsresistenteste Branche«, sagte Allbright-Geschäftsführerin Wiebke Ankersen.

Frauen sitzen fester im Sattel

Grund sei, dass die Industriekrise, also die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, Transformation zur E-Mobilität und Konkurrenz aus China, die Aufmerksamkeit der Unternehmenslenker binde. »In der Branche herrscht offenbar der Glaube, man könne das Thema für eine Weile runterpriorisieren«, sagte Ankersen. »Das ist aber ein Fehlschluss, denn alle diese Themen hängen zusammen und müssen gleichzeitig angegangen werden.« Wie schon beim Dieselskandal verpassten die Autobauer die Chance, Erneuerung mithilfe von Vielfalt an der Spitze voranzutreiben.

Über alle Branchen hinweg ist die Entwicklung dagegen positiv. Nach zwei Jahren Stagnation stieg der Frauenanteil in den Vorständen aller 160 Unternehmen um 0,9 Prozentpunkte auf 20,6 Prozent, im Dax sogar um 2,8 Punkte auf 28,5 Prozent. Hielte der Dax das Tempo des vergangenen Jahres, wäre in acht Jahren Parität erreicht.

Bei den Neuberufungen in die Vorstände von Börsenunternehmen ging weiter nur gut jede fünfte Position an eine Frau. Zugleich verlassen Frauen die Vorstände seltener als Männer. 57 deutsche Börsenunternehmen haben noch immer keine einzige Frau im Vorstand.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

At a glance

Topic
World
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira