Das japanische Raumfahrtunternehmen Astroscale könnte laut einem hochrangigen Manager innerhalb von weniger als drei Jahren einen Satelliten startbereit bekommen, der im Orbit andere Satelliten wie eine Leibwache schützen soll. Das hat Alex Godfrey, der Leiter der Verteidigungssparte der Firma, laut Space.com am Rande einer Konferenz in London behauptet. Die Aussage erfolgte demnach vor dem Hintergrund eines russischen Manövers, bei dem sich mehrere Militärsatelliten seit Monaten einem zivilen westlichen Satelliten nähern. Godfrey schlägt demnach eine Art Bodyguard vor, um solche Annäherungen zu verhindern, dazu sollten sich beispielsweise mehrere europäische Staaten verbünden und gleich eine Flotte von Schutzsatelliten bauen lassen.
Erfahrung mit Satellitenannäherungen
Godfreys Äußerungen fielen dem Bericht zufolge zeitlich mit einem möglichen Antisatellitenangriff zusammen, der sich seit Monaten im Orbit abzeichnet. Publik wurde das vor wenigen Tagen, als der niederländische Satellitenbeobachter Marco Langbroek erklärte, dass sich der russische Satellit Kosmos 2612 dem Satelliten Iceye-X36 auf ein paar hundert Meter oder noch viel weniger angenähert hat. Iceye-X36 ist ein Satellit des finnischen Radarsatellitenherstellers Iceye, der zum Teil mit Spenden aus der Ukraine finanziert wurde. Der Radarsatellit ist in den USA registriert und wird von der Ukraine zu militärischen Zwecken genutzt. Was genau Kosmos 2612 in seiner Nähe unternimmt, ist unklar. Russland bezeichnet den Satelliten als rein friedlich, das US-Außenministerium sieht dagegen ein Verhalten, das zu Waffenoperationen im Orbit passe. Möglicherweise sollen Signale gestört oder Iceye-X36 angegriffen werden.
Astroscale hat sich einen Namen gemacht, als das Unternehmen im Herbst 2024 einen eigenen Satelliten für eine Inspektion bis auf wenige Meter an ein Stück Weltraumschrott heranmanövriert hat. Hier gehe es um größere Distanzen, „in gewisser Weise ist es also einfacher, weil man weiter entfernt ist“, zitiert Space.com Godfrey. Wie genau eine Leibwache aus Satelliten funktionieren würde, hat er demnach aber nicht erklärt. Solche Bodyguards sollen verhindern, dass feindliche Satelliten dem beschützten zu nahe kommen. Die Kosten für solch eine Mission lägen demnach bei etwa einem Prozent des Werts einer militärischen geostationären Kommunikationskonstellation wie der britischen Skynet-Flotte, die 8,4 Milliarden Pfund kostet. Das wären rund 100 Millionen Euro.
Ein Staat wie Großbritannien könnte sich solch einen Satelliten leisten, meint Godfrey demnach. Trotzdem hält er das nicht für zielführend, weil ein Satellit keine Konstellationen schützen könne. Deshalb plädiert er dafür, dass sich Staaten zusammenfinden und eine regelrechte Patrouille für Satelliten ins Leben rufen: „Wenn Frankreich über Satelliten an einem Standort verfügt, der dem des Vereinigten Königreichs und möglicherweise Deutschlands ähnelt, dann ist es sinnvoll, dass ein Raumfahrzeug zwei oder drei verbündete Raumfahrzeuge schützt, während in einer anderen Region ein anderes Land die Verantwortung für den Schutz übernimmt.“ Angeblich werden dazu auch bereits Gespräche geführt, Verträge gibt es aber keine. Wie realistisch das Ansinnen ist, bleibt damit offen.
(mho)
Source: Heise · Martin Holland
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