Die französische Wirtschaft ist im dritten Quartal überraschend geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt ging im Vergleich ​zum Vorquartal um 0,1 Prozent zurück, wie die Statistikbehörde Insee am Freitag auf Basis ‌vorläufiger Daten mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Im zweiten Quartal hatte die französische Wirtschaft noch stagniert.

Die Exporte aus der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der EU gingen im dritten Quartal um 1,7 ​Prozent zurück. Vor allem der Bereich Luft- und Raumfahrt schwächelte, nachdem dieser im zweiten ⁠Quartal ⁠noch sehr deutlich zugelegt hatte. Außerdem sanken die Bruttoanlageinvestitionen im dritten Quartal um 0,6 Prozent. Ein Lichtblick war der private Konsum. Hier erhöhten ‌sich die Ausgaben um 0,4 Prozent. Der Energieverbrauch ​stieg um ‌1,2 Prozent.

Das dürfte allerdings auch mit den gestiegenen Preisen für Kraftstoffe und Gas zusammenhängen, die die Inflation in Frankreich auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren getrieben haben. Die für europäische Vergleichszwecke berechneten Verbraucherpreise (HVPI) legten im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent zu, wie das Statistikamt Insee am Freitag in Paris nach einer ersten Schätzung mitteilte. Stärker war die Teuerung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone zuletzt im Dezember 2023.

Im September hatte die Inflationsrate bei 3,4 Prozent gelegen. Experten hatten damit gerechnet, dass die Teuerung deutlich anzieht, hatten aber im Schnitt nur mit einem Anstieg um 3,6 Prozent gerechnet.

Der mit Abstand stärkste Preistreiber im Oktober waren Kosten für Energie. Hier meldet das Statistikamt im Jahresvergleich einen Anstieg um 24,1 Prozent. Die Energiepreise hätten bereits den vierten Monat in Folge zugelegt, angetrieben von den Preisen für Gas und Erdölprodukte, heißt es in der Mitteilung.

Gewalttätige Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten hatten die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone zuletzt erschüttert und für zusätzliche Unsicherheit gesorgt. Im September hatte die Regierung in Paris bereits ihre Wachstumsprognose für ‌das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr von 0,7 auf 0,5 Prozent gesenkt. Das Ziel, das Haushaltsdefizit auf 5,0 Prozent der Wirtschaftsleistung ‌zu drücken, sei keine Option ​mehr, so die Regierung. ‌Am Kapitalmarkt ist es wegen des hohen Haushaltsdefizits schon ‌deutlich ​teurer geworden, neue Schulden aufzunehmen. Eigentlich gilt in der EU eine Obergrenze von drei Prozent ​für das Haushaltsdefizit, die ⁠Frankreich aber immer wieder reißt.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

At a glance

Topic
World
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira