Nach der mutmaßlichen Brandstiftung am Rathaus von Limoges in Frankreich ist ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Der 66-Jährige sei am Donnerstagmorgen im benachbarten Departement Creuse gefasst worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Am Dienstag war bereits ein Mann im Departement Haute-Vienne festgenommen worden. Ihm wird mittlerweile versuchter Mord an Polizisten vorgeworfen, die sich am Samstag bei Ausbruch des Feuers im Rathaus von Limoges aufhielten.

Der Polizeigewahrsam des ersten Gefassten sei um 48 Stunden verlängert worden, erklärte Staatsanwältin Émilie Abrantes. Die Ermittlungen seien unter anderem nach der Befragung der 13 Polizisten und der Auswertung von Drohnenbildern ausgeweitet worden. Der zweite Verdächtige befinde sich wegen Sachbeschädigung in einer Gruppe unter Verwendung eines für Menschen gefährlichen Mittels in Gewahrsam, hieß es. Der Mann wurde demnach mithilfe von Beamten des Polizei-Sondereinsatzkommandos Raid gefasst.

Am Samstag hatten Randalierer am Rande von Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten in Limoges das Rathaus in Brand gesetzt. Der historische Gebäudeteil aus dem 19. Jahrhundert brannte ab, der Glockenturm stürzte brennend ein. Landesweit und international wurde das brennende Rathaus zu einem Sinnbild der Gewalttaten.

Bei den Ausschreitungen in Frankreich waren landesweit Tausende Geschäfte geplündert worden. Rathäuser und Polizeistationen wurden angegriffen und mehrere Gebäude in Brand gesetzt. Als Reaktion darauf wurden in mehreren Großstädten nächtliche Ausgangssperren verhängt. Die Demonstrationen richteten sich gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem.

Strenge Vorschriften für neuen Protest

Im ostfranzösischen Lyon untersagten die Behörden derweil für den kommenden Samstag »alle Proteste« in Frankreichs drittgrößter Stadt. Landesweit sind an diesem Tag neue Kundgebungen geplant. Die Präfektur des Departements Rhône erklärte, dass »angesichts der Ereignisse« sämtliche Demonstrationen in Lyon verboten seien. Auch in Lyon war es zu Ausschreitungen und Plünderungen gekommen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Regierungschef Sébastien Lecornu kommen heute wegen der gewalttätigen Proteste mit Ministern und Geheimdienstvertretern in der Hauptstadt Paris zusammen. Dabei soll nach Angaben Macrons eine »detaillierte Bestandsaufnahme« der Ereignisse erstellt werden. Macron warf »ultralinken« Gruppen einen versuchten Umsturz vor. Sie hätten »aufrührerische Handlungen« von »äußerster Gefährlichkeit« begangen und versuchten, »die Republik zu Fall zu bringen«, so der französische Staatschef in Paris. Straftaten müssten mit »größter Härte« geahndet werden.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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