Caroline Darian und Gisèle Pelicot beim Vergewaltigungsprozess im September 2024: »Enger verbunden als zuvor«
Foto: Guillaume Horcajuelo / EPAGisèle Pelicot und ihre Tochter Caroline Darian pflegen wieder engen Kontakt zueinander. Das sagten beide dem US-Magazin »The Cut« am Rande einer Preisverleihung der Frauenrechtsorganisation Equality Now. Dort wurden sie gemeinsam mit dem »Trailblazer Award« ausgezeichnet.
Der Prozess gegen Pelicots Ex-Mann Dominique hatte die einst enge Beziehung belastet. »Wir brauchten beide Zeit, um das Leid zu verarbeiten«, sagt Darian über die Pause. Sie habe den Kontakt abgebrochen, um ihren »eigenen Weg zu gehen«. Es sei »keine fehlende Liebe« gewesen, sondern ein unterschiedlicher Gemütszustand: »Meine Mutter war in der positiven Phase des Wiederaufbaus. Ich steckte noch in der Phase der Wut.«
Gisèle Pelicot (links) und Caroline Darian (rechts) mit Schauspielerin Mariska Hargitay: »Wir brauchten beide Zeit«
Foto: Craig Barritt / Equality Now / Getty ImagesGisèle Pelicot war von ihrem damaligen Mann Dominique über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden. 2024 wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt.
Im Verlauf des Strafverfahrens wurde Gisèle Pelicot zu einer feministischen Kultfigur, einer Kämpferin für Frauenrechte und sexuelle Selbstbestimmung. Ihr Satz »Die Scham muss die Seiten wechseln« ging um die Welt.
Pelicots Tochter Caroline Darian vermutet, dass auch sie betäubt und missbraucht wurde. Anders als im Fall ihrer Mutter gibt es dafür aber keine eindeutigen Beweise. Die Polizei hatte auf dem Computer von Dominique Pelicot zwei Fotos gefunden, die Darian schlafend und halbnackt zeigen, in einer Unterhose, die nicht ihre ist.
Es stehe »außer Frage«, dass ihr Vater auch sie betäubt habe, sagte Darian im Januar 2025 im Gespräch mit dem SPIEGEL. Damals sagte sie über ihre Mutter: »Der Gedanke, dass auch ich ein Opfer war, ist sicher nur schwer zu ertragen für sie. Für mich ist das sehr schmerzhaft, ich kann es nicht anders sagen.«
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Ein halbes Jahr später erzählte Darian dem britischen »Telegraph«, dass die beiden keinen Kontakt mehr hätten. »Die Wahrheit ist, dass meine Mutter und ich nicht mehr miteinander sprechen«, sagte sie damals. Ihre Mutter sei die Einzige gewesen, die ihren Mann hätte überzeugen können, die Wahrheit darüber preiszugeben: »In diesem Gerichtssaal sollte sie mir helfen.« Dass sie das nicht getan habe, könne Darian ihr »niemals verzeihen. Niemals.«
Heute sei das Verhältnis jedoch wieder »wie vor dem Tsunami«, sagt Darian nun. Sie seien »enger verbunden als zuvor«. Sie lebe in Paris, ihre Mutter reise um die Welt. Wir telefonieren fast jeden Tag oder jeden zweiten Tag.« Ihre Mutter versuche, sie zu überzeugen, nach vorn zu schauen. Gisèle Pelicot sage ihr: »Du wirst nicht alle Antworten bekommen. So ist das Leben, Caroline. Geh weiter.«
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Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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