Besser reisen, intensiver erleben – jeden zweiten Samstag Ausgabe Nr. 43

Mit diesen 23 Tipps wird Ihr Urlaub mit Freunden schön und nicht schrecklich

Sie wollen mit Freunden verreisen? Das kann grandios werden, aber auch ruckelig. Hier sind Fallstricke und Freuden von A bis Z – und eine Hilfe, wenn der Gruppenhonk nervt.
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Habt Ihr Lust, zusammen wegzufahren? Super Idee! Ein gemeinsames Ferienhaus, tolle Ausflüge, fröhliche Tafelrunden. Klingt toll, ist toll. Ein gemeinsamer Urlaub ist aber auch: ein Wagnis. Unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und Charaktere müssen gechannelt und Haushaltsshit erledigt werden. Stichwort: Verantwortungsdiffusion. Wie umgehen mit Pärchenzoff, dem Gruppenhonk und wer bezieht freiwillig das Besenkammer-Schlafzimmer?

Hier sind 23 Tipps für einen gelingenden Urlaub, unter dessen Strich am Ende steht: Das war schön, dass machen wir wieder!

Alpha (m/f)

Das Landhaus im Alentejo ist gefunden, der günstige Mietwagen gebucht, die Route für die Wanderung geplant – Sie haben Glück, wenn es in Ihrer Reisegruppe einen Macher oder eine Kümmerin gibt. Behandeln Sie Ihr Gruppenalpha gut, am besten mit einer urlaubslangen Befreiung von sämtlichem Haushalts-Shit. In ihrer Gruppe gibt es niemanden, der die Dinge gern in die Hand nimmt? Dann: Gutes Gelingen trotz der nun drohenden und leicht zu unterschätzenden Gefahr → der Verantwortungsdiffusion.

Badezimmer

Besetzt! Ab wann Sie energisch klopfen, ist Ihnen überlassen, hier eine Referenzgröße: Frauen verbringen laut einer Umfrage morgens rund 28 Minuten im Bad, Männer 25. Sie befinden sich hinter der verschlossenen Tür? Bitte denken Sie daran: Das Gemeinschaftsbad ist ein Nadelöhr. Verspielen Sie beim Handy-Sudoku auf dem Klo keine Karmapunkte. Die wiederum bekommen alle, die ihre Haare eigenständig aus dem Abfluss fischen und proaktiv zur Klobürste greifen.

Chill-Faktor

Einkaufen, Kochen, Spülmaschine ausräumen, Ordnung halten, verteilt auf alle Mitreisenden (außer das →Alpha) entlastet alle. Der Frühaufsteher deckt den Frühstückstisch, an den sich dankbar die Langschläfer setzen. Von ihnen fährt dafür später eine in den Supermarkt, ein anderer fegt schnell einmal durch. EIGENTLICH ist es ganz einfach und die Füße-hoch-Quote beim gemeinsamen Reisen ist angenehm hoch. Einpreisen: den → Honk ändert man nicht.

Dankbarkeit

Ganz offensichtlich gibt es in Ihrem Leben Menschen, die sich Urlaub mit Ihnen gut vorstellen können – und umgekehrt. Beides ist nicht selbstverständlich. Und umso schöner, weil gemeinsame Zeit mit Freunden im durchgetakteten Alltag so häufig fehlt. Denken Sie daran, wenn es während der gemeinsamen Tage mal ruckelt (→ Krise).

Erwartungen

Yolos vs. Non-Yolos, Big Spender vs. Budget Traveller, Vegetarier vs. Allesesser, Frühstück um 8 vs. kein Wecker: Egal, wie gut man sich im Alltag kennt, im Urlaub können Welten aufeinanderprallen. Ein Interessen- und Bedürfnisabgleich vor Aufbruch ist sinnvoll: Wer hat welche Wünsche an den Urlaub, wem ist was besonders wichtig und wie regeln wir den heiklen → Finanzkram?

Finanzkram

Beschließen Sie miteinander, was gemeinschaftliche Ausgaben sind und welche Posten/Extras jeder selbst trägt. Und dann: ein freiwilliger Kassenwart vor, bitte! Er oder sie soll nicht alles bezahlen, verschafft sich aber jeden Abend den Überblick: Wer hat was bezahlt, wer bekommt was von wem erstattet? Eine Riesenhilfe: die Abrechnungs-App Splitwise. Praktisch im Umgang mit Schusseln: die Geldanfordern-Funktion bei Paypal.

Gemächer

Ein riesiges Architekten-Loft in Lissabon, eine Villa mit Pool und Sauna in der Toskana – als Gruppe kann man ziemlich feudal logieren. Schauen Sie mal auf den einschlägigen Buchungsseiten. Lassen Sie sich von 15.000 Euro Miete für einen zweiwöchigen Urlaub nicht abschrecken, umgerechnet auf elf Mitreisende zahlt jeder knapp unter 100 Euro pro Tag. Nicht schlecht für eine Hütte mit Schwimmbad. Auf Fake-Angebote fallen Sie natürlich nicht rein – schließlich haben Sie das hier gelesen.

Honk

Seien Sie urlaubsmilde mit dem- oder derjenigen, die sich gaaanz zufällig nie dort aufhält, wo angepackt werden muss. Tun Sie es auch für sich. Sagen Sie sich: Jeder Mensch hat andere Stärken. Die Stunde des Gruppenhonks wird kommen. Die andere Möglichkeit: eine klare Gefährderansprache. Lieber einmal deutlich werden, als sich tagelang im Stillen ärgern!

Idealbesetzung

Wissen aus der Teamforschung: Je größer ein Team, desto aufwendiger sind Abstimmung und Koordination. Das Konfliktrisiko steigt, eine klare Rollenverteilung wird schwerer (→ die Verantwortungsdiffusion), der Zusammenhalt sinkt mit zunehmender Personenzahl. Fünf bis sieben Personen gelten als Idealbesetzung. Kann man auch zu viert oder zu zwölft einen tollen Urlaub haben? Auf alle Fälle!

Judging, no

Auch, wenn das menschliche Gehirn darauf ausgelegt ist, Situationen und Reize ununterbrochen zu bewerten, suchen Sie den Ausknopf. Die Welt ist bunt, so is your Reisegruppe! Der No-Judging-Spirit hilft besonders, wenn Familien zusammen unterwegs sind. Unterschiedliche Erziehungsstile, andere Cola- und Screentime-Limits. Alle machen es ein wenig anders – und ein Kompromiss lässt sich fast immer leichter finden, als sich echauffieren buchstabieren lässt.

Krise

Der Tag ist vergurkt und stimmungstrüb? Bleiben Sie also entspannt, es ist nur eine Phase! Der US-amerikanische Psychologe Bruce Tuckman hat schon in den Sechzigerjahren beschrieben, welche Stadien Teams in ihrer Entwicklung durchlaufen: Auf die »Findungsphase« (»Forming«) folgt eine Zeit der Auseinandersetzung (»Storming«), bevor der Urlaubshimmel dann wieder herrlich blau wird (»Norming«) und die Reisegruppe zu Bestform aufläuft (»Perfoming«). Versprochen!

Living together apart

Extrovertierte freuen sich über das Alle-unter-einem-Dach-Gewusel. Je nach Ruhe- und Rückzugsbedürfnis sind aber auch zwei Ferienwohnungen genau richtig. Vor allem, wenn Babys und Kleinkinder dabei sind. Nach dem gemeinsamen Tag in die jeweiligen Hotelzimmer abbiegen, ist auch eine gute Möglichkeit.

Meinungsfreude

»Mir wirklich egal, ich mache alles mit.« Mit dem Satz wollen Sie das Gruppengeschehen eigentlich vereinfachen, in Wahrheit ist er aber kontraproduktiv und schiebt Verantwortung weiter an die Entscheidungsfreudigeren in der Gruppe. Bloß: Wie sollen die den »richtigen« Ausflug für alle planen – ohne zu wissen, was eigentlich »richtig« wäre. Daher, Mund auf: Ja/Nein oder Daumen hoch/runter!

Nörgeln

Doof Gelaufenes ansprechen – klar, aber bitte nicht ständig herumnörgeln und damit Gruppengift verspritzen. Nörgeln ist ansteckend. Negative Gefühle übertragen sich leichter als positive. Noch schlimmer: → Oh nein, Pärchenzoff.

Oh nein, Pärchenzoff

Wenn er schon sein muss, dann bitte nur so: Rausgehen, Klären, Wiederkommen! Und auf keinen Fall jemanden reinziehen in den Konflikt!

Quitt

In den meisten Ferienhäusern ist es so: Es gibt das eine, besonders tolle Schlafzimmer. Stellen Sie nicht sofort Ihren eigenen Koffer rein! Falls sich die Zimmerverteilung nicht natürlich ergibt, schlagen Sie vor, zu losen. Wer die Luxussuite bezieht, zahlt einen fairen Aufpreis; wer die »Besenkammer« nimmt, bekommt mildernde Umstände.

Restaurant

Es war köstlich, nun liegt die Rechnung auf dem Tisch und in der Luft ein Fragezeichen. Wie soll es nun mit der Rechnung laufen? Vorab haben Sie sich leider nicht abgesprochen (→ Erwartungen), noch dazu preislich ziemlich unterschiedlich getafelt? Dann: Lassen Sie sich nicht vom genervten Blick des Kellners beirren, bleiben Sie bei der Bitte um eine separate Abrechnung. Den teuren Alkohol teilen sich die, die ihn getrunken haben.

Souvenir

Eine besonders schöne Art, den anderen zu zeigen, wie gern man miteinander unterwegs war, ist ein Fotobuch. Damit das Vorhaben angesichts der Bilderflut nicht scheitert: Markieren Sie jeden Abend die Foto-Favoriten des Tages. Lesen Sie hier, wie Sie gute Reisefotos machen und lassen Sie sich hier von einem Profi erklären, wie Sie gute Fotobücher machen. Apropos Fotos und Videos: Hochladen auf Social-Media nur mit Zustimmung aller, die darauf zu sehen sind!

Timing

Wie soll der nächste Tag laufen? Wer hat worauf Lust? Was sind die Ideen? Wann starten wir (die Wecker-um-7.30-Fraktion hält sich bitte zurück)? Wenn die wichtigsten paar Eckdaten am Vorabend besprochen sind, starten am Morgen alle entspannt, ohne Fragezeichen und Koordinationsstress. Und: Immer mit Puffer planen! Zeitstress ist ein Urlaubslaunen-Killer. Psychologisch erwiesen: die Tendenz, wie viel Zeit für zukünftige »Aufgaben« benötigt wird, zu unterschätzen.

Unter uns

Ihre Reisegruppe freut sich von Herzen, dass Sie einen neuen Partner oder eine Partnerin haben. Will die Reisegruppe deswegen spontan die Gruppe erweitern? Ganz ehrlich: Nein! Bitte verkneifen Sie sich die Frage.

Verantwortungsdiffusion

Ein sozialpsychologisches Phänomen, das leider gern mit auf Gruppenreise geht: Je größer die Reisemannschaft ist, desto weniger fühlt sich der Einzelne zuständig. Es sind ja schließlich viele da, die sich kümmern könnten. Bestes Gegenmittel: Aufgaben explizit zuweisen, feste Zuständigkeiten benennen und transparente Kommunikation.

Warterei

Ja klar, es ist Urlaub, niemand will sich stressen, trotzdem ist es richtig, dass Sie Ihre Reisegruppe nicht warten lassen. Pünktlichkeit ist gelebte Rücksicht. Hoffentlich sind auch die anderen pünktlich am ausgemachten Treffpunkt. Auf Trödler warten müssen, schlägt auf die Stimmung.

X,Y oder Z

Schön war’s, gern wieder. Ob die nächste Gruppenreise nach x, y oder z führt, ist fast egal. Hauptsache zusammen! Ah, Moment, da pingt schon das→ Alpha in den Chat mit ein paar Vorschlägen. Litauen, Languedoc oder Liparische Inseln? Leute, bitte einmal abstimmen!

9 Min

Source: Der Spiegel · Eva Lehnen

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