Der Branchenverband GSMA hat Regierungen und Regulierungsbehörden aufgefordert, enger mit Mobilfunkbetreibern zusammenzuarbeiten, um kritische Kommunikationsinfrastrukturen besser vor den wachsenden Risiken durch extreme Wetterereignisse zu schützen.
Bereits jetzt verursachen schwere Stürme und Überschwemmungen den Mobilfunkbetreibern Kosten in Höhe von 1,7 Milliarden US-Dollar jährlich – beispielsweise für Reparaturen von Schäden an Mobilfunkstandorten. Bis zum Jahr 2050 könnten sich angesichts der bis dahin vorhergesagten Klimabedingungen diese Kosten nahezu verdoppeln und auf über drei Milliarden US-Dollar pro Jahr ansteigen. Dies geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der GSMA mit dem Titel „Futureproofing Connectivity: Climate Risk and Resilience in Telecommunications“ hervor. Mit rund einer Milliarde US-Dollar jährlich machen schwere Stürme den größten Teil der genannten Kosten aus. Bis 2050 könnten laut GSMA allein die sturmbedingten Kosten auf etwa 2,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr ansteigen. Zugleich weist der Bericht darauf hin, dass es sich um konservativ geschätzte Zahlen handelt.
Zentrale Schwachstelle: Stromversorgung
Dem Bericht zufolge sind Funkmasten und Anlagen auf Dächern besonders anfällig für Wind, Stürme oder Blitzeinschläge; bei bodennaher Ausrüstung besteht die Gefahr durch Überschwemmungen. Hohe Temperaturen können dazu führen, dass Funktechnik überhitzt; starker Regen kann die Signalstärke beeinträchtigen, und Sturmfluten gefährden Infrastruktur in Küstennähe.
Die Resilienz hänge zunehmend von Infrastrukturen und Dienstleistungen ab, die außerhalb der direkten Kontrolle der Netzbetreiber liegen, warnt die GSMA – insbesondere von der Stromversorgung, Verkehrsnetzen und der Kraftstoffversorgung. Der Bericht identifiziert die Stromversorgung als eine zentrale Schwachstelle: Bei Extremwetterereignissen fallen Mobilfunknetze häufig deshalb aus, weil die Stromversorgung unterbrochen wird – und nicht, weil die Telekommunikationsausrüstung selbst direkt beschädigt wurde. Hinzu kommt ein für die Betreiber zunehmend komplexes regulatorisches Umfeld.
Die GSMA fordert vor diesem Hintergrund „eine koordinierte, risikobasierte und investitionsfreundliche Politik“, um die Kommunikationsinfrastruktur gegenüber extremen Wetterereignissen, Stromausfällen, Naturkatastrophen und geopolitischen Störungen widerstandsfähiger zu machen. Denn gerade im Katastrophenfall seien Regierungen, Rettungsdienste und die Bevölkerung in höchstem Maße auf diese Netze angewiesen, heißt es.
Politische Leitprinzipien für Resilienz
Die GSMAeine weltweite Vereinigung Hunderter Mobilfunkanbieter und Hersteller von Netzwerkinfrastruktur und Mobiltelefonen mit Sitz in Zürich, empfiehlt der Politik und Regulierungsbehörden, Resilienzen in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern zu entwickeln. Eine engere Koordination zwischen Mobilfunkbetreibern, Energie- und Kraftstoffversorgern sowie Rettungsdiensten könne die Aufrechterhaltung kritischer Kommunikationswege bei schwerwiegenden Störungen gewährleisten.
Aus ihrem Bericht leitet der Branchenverband politische Leitprinzipien für eine stärkere Resilienz von Mobilfunknetzen ab. Dazu zählen die Förderung einer ergebnisorientierten Politik, die nachhaltige Investitionen unterstützt, die Integration von Resilienz bereits bei Netzplanung und -investitionen, die Berücksichtigung betrieblicher Realitäten, Resilienzpolitik als sektorübergreifende Aufgabe sowie die Stärkung von Vertrauen durch Klarheit, Transparenz und Kontinuität.
„Mobilfunk ist eine essenzielle Infrastruktur. Ob bei extremen Wetterereignissen, Stromausfällen oder anderen schwerwiegenden Störungen – Menschen, Unternehmen und Rettungsdienste sind in hohem Maße auf Mobilfunknetze angewiesen“, erklärt John Giusti, Präsident der GSMA Foundation, in einer Pressemitteilung. „Der Aufbau von Resilienz erfordert eine koordinierte Anstrengung von Betreibern, Regierungen und dem gesamten Ökosystem.“
(akn)
Source: Heise · Andreas Knobloch
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