In Kerners Talk-Format »Bestbesetzung« sagte Merkel nun auf ihre Zitteranfälle angesprochen, dass sich damals Anspannung entladen habe, »wahrscheinlich durch den Tod meiner Mutter oder auch die Tatsache, dass ich wusste, ich werde aufhören, da setzt der Körper dann einfach Zeichen und das ist ja menschlich etwas sehr, sehr Gutes.« Kerners Frage, ob sie sich damals zu wenig Zeit genommen habe, um den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten, bejaht Merkel: »Wahrscheinlich ja. Ich habe es ja jetzt nicht direkt so empfunden, aber das war eben auch so ein Signal des Körpers: Jetzt mach mal Stopp, und dann muss man das eben auch so machen.«

Merkel, Deutschlands erste und einzige weibliche Bundeskanzlerin, sprach mit Kerner auch über die Personaldebatte über das Bundespräsidentenamt. Ob sie sich eine Frau in dem Amt vorstellen könnte, fragte Kerner. Sie würde es sich wünschen, sagt Merkel: »Es gibt 77 Jahre Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und es gab noch nie eine Frau als Bundespräsidentin. Es gibt ganz gewiss Frauen, auch CDU-Frauen und CSU-Frauen, sagen wir mal Unionsfrauen, die sind geeignet.«

Über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier (SPD) stimmt am 30. Januar die Bundesversammlung ab, in der die Koalition aus Union und SPD eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen hat. Die Entscheidung über die Kandidatur soll in den nächsten Wochen fallen. Im Gespräch bei der Union sind aktuell unter anderem die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und die frühere Parteichefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) ist im Gespräch.

Zur CDU sagte die ehemalige Parteichefin, dass ihr »Maß und Mitte« immer wichtig gewesen seien. Doch beides verschwinde immer mehr. Es sei wichtig, dass die CDU sich von AfD und auch der Linken abgrenze, doch sie müsse auch ihre eigene Identität stärken. »Die CDU muss sagen, was bedeutet CDU. Die SPD muss sagen, was sie bedeutet, und damit die Menschen überzeugen«, sagte Merkel zu Kerner. Zudem sei es wichtig, Brücken zu bauen »zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern und auch zwischen denen, die zu uns zugewandert sind, die eine Migrationsgeschichte haben, und denen, die schon lange bei uns leben, zwischen Stadt und Land«.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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