Chemiebranche Evonik sträubt sich gegen Fusion mit BASF
Stand: 03.11.2026 • 15:59 Uhr
Es wäre die größte Fusion in der deutschen Chemiebranche: Wenn BASF und Evonik zusammengingen, entstünde ein Konzern mit einem Jahresumsatz von rund 74 Milliarden Euro. Doch noch sträubt sich Evonik.
In Videobotschaften wenden sich die Chefs der beiden Konzerne an die Öffentlichkeit: Markus Kamieth (BASF) wirbt für den Zusammenschluss, Evoniks Interimschef Claus Rettig zählt auf, warum die Essener das nicht wollen. BASF hat sein Angebot inzwischen auf 24 Euro je Aktie erhöht, das wären insgesamt rund elf Milliarden Euro. Doch auch diese Offerte hat Evonik abgelehnt.
Der Vorstand hält den Konzern allein für besser aufgestellt und ist lediglich zu einem vertraulichen Informationsaustausch mit BASF bereit. In Essen ist die Angst groß, dass man von den viel größeren Ludwigshafenern geschluckt werden soll.
Gute Evonik-Zahlen
Die jetzt vorgestellten Quartalszahlen geben der Evonik-Führung Rückenwind, denn der Umsatz ist so stark gestiegen wie seit vier Jahren nicht mehr: Im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn legte sogar um 40 Prozent auf 629 Millionen Euro zu. Allerdings stand unter dem Strich ein Verlust von 53 Millionen Euro. Grund dafür sind unter anderem Rückstellungen von 313 Millionen Euro für das verlängerte Sparprogramm. Bis 2029 sollen weitere Kosten gesenkt werden, unter anderem durch den Abbau von 3.200 Stellen weltweit.
Für das Gesamtjahr zeigt sich Rettig dennoch zuversichtlicher: Evonik erwartet weiterhin einen bereinigten operativen Gewinn zwischen zwei und 2,2 Milliarden Euro.
Neue Evonik-Anlage in Essen
Evonik versteht sich, anders als BASF, als Spezialchemie-Unternehmen. Was das bedeutet, zeigt ein aktueller Termin am Essener Standort Goldschmidtstraße: Dort hat der Konzern eine neue Anlage für Spezial-Silikone in Betrieb genommen. Rund 52 Millionen Euro kosten die Anlage und ein neues Tanklager. Die Produkte werden unter anderem für Dämmstoffe, Matratzen, Autositze, Klebstoffe, Lacke und Kosmetik benötigt.
Mit der Investition will Evonik seine Produktionskapazitäten ausbauen, Transportwege verkürzen und die Versorgung seiner Kunden zuverlässiger machen. Essen mit rund 2.200 Beschäftigten soll damit als wichtiger Produktions- und Entwicklungsstandort gestärkt werden.
Doch bei der Diskussion über einen Zusammenschluss geht es nicht nur um das Ringen zwischen zwei Konzernen, sondern auch um Politik und um Standorte. Die RAG-Stiftung hält rund 43 Prozent der Evonik-Aktien. Sie muss mit den Erträgen ihres Vermögens die dauerhaften Folgekosten des Steinkohlebergbaus finanzieren, etwa das Abpumpen von Grubenwasser. In ihrem Kuratorium sitzen Politiker aus Bund, die Ministerpräsidenten aus NRW und dem Saarland, aus Kommunen sowie Gewerkschafts- und Wirtschaftsvertreter.
Folgen für die Politik
Die Interessen sind nicht gleichgerichtet: Ein Verkauf oder Tausch der Evonik-Anteile könnte der Stiftung zwar hohe Einnahmen verschaffen und damit die Finanzierung der Bergbaufolgekosten sichern. Eine Fusion könnte allerdings Arbeitsplätze und Standorte kosten - vor allem in Essen. BASF verspricht zwar, bestehende Beschäftigungs- und Standortzusagen einzuhalten. Doch die Sorge vor einem späteren Stellenabbau bleibt.
Für die Politik im Ruhrgebiet steht deshalb mehr auf dem Spiel als der Preis einer Aktie: Es geht um Arbeitsplätze und die Zukunft des wichtigen Industriestandorts im Ruhrgebiet - und das wenige Monate vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen.
Die Position der Landesregierung hat Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Bündnis 90/Grüne) in einer Landtagsdebatte deutlich gemacht: "Wir wollen, dass die Beschäftigten bleiben. Wir stehen zu diesem Standort und damit ist klar, dass wir gegen diese Übernahme sind".
Source: Tagesschau · Michael Heussen
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