Seit Wochen gehen junge Europäerinnen und Europäer auf die Straße: In Spanien veranstalteten sie Protestcamps gegen Wohnungsnot, in Frankreich blockierten sie Schulen, in Serbien haben sie mit ihrer »Studentenliste« gar eine Wahl gewonnen. Oft richtet sich der Fokus der Berichterstattung auf die Gewalt, die einige der Proteste begleitet. Dabei demonstrieren viele der jungen Menschen friedlich und rücksichtsvoll.
Was sie fordern, betrifft nicht nur ihre eigene Generation: Sie wollen bessere Bildung, mehr Klimaschutz und günstigeren Wohnraum. Ein Leben, das sie sich leisten können. Es sind wichtige Anliegen, die auch die Älteren teilen und ernst nehmen sollten.
Meine Kollegen José Bautista, Steffen Lüdke, René Pfister und Francesco Collini haben mit jungen Erwachsenen aus drei europäischen Ländern gesprochen. Sie haben ihnen erzählt, was sie in ihrer Heimat bewegt. Die Lage für Berufseinsteiger werde immer schlechter, sagt etwa Inès Belkacem de Lomas, 20, von der Pariser Universität Sciences Po: »Alle Kommilitonen, die ich kenne und die vor mir einen Master gemacht haben, suchen einen Job – zum Teil seit einem Jahr.«
Studentin Inès: Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt
Foto: René Pfister / DER SPIEGELDer französische Staatschef Emmanuel Macron ist für sie zum Symbol einer »ultrahierarchischen« Politik geworden: Ein »abgehobener Präsident«, der demokratische Partizipation abseits der Wahlen nicht gutheiße. Frankreich erlebe einen Aufstand gegen ihn, sagt Inès.
Im italienischen Ascoli Piceno treibt Schülerin Giulia Conti Borbone, 17, die Bildungspolitik auf die Straße. »Ich mache mit, weil ich denke, dass das Recht auf Bildung in Italien nicht vollumfänglich gewährleistet wird«, sagt sie. »Viele Schulen sind marode. Jedes Jahr müssen wir horrende Summen für Schulbücher bezahlen.«
Schülerin Giulia: Hohe Kosten für Bildung
Foto:Privat
Gewalt gebe es auch von der anderen Seite. »Dauernd sehe ich in den sozialen Medien Fotos und Videos von Polizisten, die Demonstranten verprügeln«, sagt Giulia. »Eine Lehrerin warf mir vor, wir hätten ein verzerrtes Bild der Polizeibehörden. Aber unser Bild ergibt sich aus dem, was wir sehen.«
Die Protokolle zeigen, was die Proteste in Europa verbindet – und wie die jungen Menschen dennoch in jedem Land ihre eigene Stimme finden. Hier können Sie sie lesen .
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Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Ausgewandert
Nach 50.000 Kilometern zu Fuß ist der Abenteurer Karl Bushby wieder zu Hause. 28 Jahre lang reiste der Brite ohne Transportmittel durch die Welt, von Punta Arenas im Süden Chiles bis in seine Heimatstadt Hull. Zuletzt durchquerte er schwimmend den Ärmelkanal von Frankreich nach England. Mein Kollege Jonathan Stock hat ihn auf dem letzten Stück Strecke begleitet .
Wir sind die Neuen
Die erste indigene Gouverneurin, ein muslimischer und ein offen schwuler Senator: Die US-amerikanische Politik wird nach den Midtermwahlen diverser. Hier lernen Sie die neuen Gesichter im Kongress kennen.
Demokrat Abdul El-Sayed: Erster muslimischer Senator
Foto:Brian Snyder / REUTERS
Wieder vereint
Er lebte seit Wochen in einem italienischen Flughafen, erinnerte sich nur an seinen Namen und wollte sich nicht helfen lassen: Der Fall des Schweden »Daniel« erinnert an den Hollywoodklassiker »Terminal«. Nun ist es den Behörden gelungen, ihn mit seinen Angehörigen zu verbinden.
Weltverbesserer
Zum 13. Mal hat der SPIEGEL den Social Design Award vergeben. Der Preis ging in diesem Jahr an Projekte, die verbinden, statt zu spalten. Sie setzen sich für Bildungsgerechtigkeit ein, fördern übersehene Talente und helfen Obdachlosen. Erfahren Sie hier mehr über die Gewinner.
Was gut ist – für Sie:
Schöner schimpfen
Blödmann, Vollpfosten, dumme Kuh – das muss doch kreativer gehen! Im Museum Bayerisches Vogtland eröffnet im Herbst eine Ausstellung über das Fluchen und Schimpfen. Dort können Sie ein paar neue Beleidigungen lernen, etwa »Bierdimpfl« und »Trutschala«. Wie Sie die richtig verwenden, lesen Sie im Interview mit der Museumsdirektorin .
Ferienverlängerung
2027 fallen nur knapp die Hälfte der Feiertage auf Wochentage. Aber wer Brückentage geschickt nutzt, kann das Maximale aus dem Urlaub herausholen. Hier finden Sie heraus, wie Sie richtig planen .
Urlaub im Warmen: Mehr frei mit Brückentagen
Foto: Fiordaliso / Moment / Getty ImagesGaming-Bildungsurlaub
Wo wir schon beim Thema Urlaub sind: Spielen Sie zufällig gern Videospiele? Dann könnte der Kurs von Carlo Drechsel etwas für Sie sein. Zum Release von »GTA 6« am 19. November bietet der Darmstädter eine Weiterbildung an, die in elf Bundesländern als Bildungsurlaub gilt. Warum es dabei um mehr geht als nur ums Zocken, lesen Sie hier .
Besser laufen mit Krafttraining
Krafttraining macht langsam und schwer: Dieser Mythos hält sich unter Ausdauersportlern hartnäckig. Tatsächlich können Kniebeugen und Kreuzheben dabei helfen, dass Sie auf der Straße oder dem Laufband schneller werden. Welche Übungen ein Sportwissenschaftler für Hobbyathleten empfiehlt und wie Sie Ihr Training am besten strukturieren, erfahren Sie hier .
Training im Sportpark: Squats und Box-Jumps für schnellere Beine
Foto: Oleg Breslavtsev / Moment / Getty ImagesUnd sonst?
Möchte ich mit Ihnen wieder an den Anfang zurückkehren: zu den Protesten in Europa. Vor allem in Frankreich waren diese von teils heftigen Krawallen gezeichnet. Einer, der dabei immer die Ruhe bewahrt, ist der Pariser Würstchenverkäufer Alain.
Mein Kollege und SPIEGEL-Korrespondent Leo Klimm hat ihm in seiner Stadtkolumne ein kleines Porträt gewidmet . Alain sei für ihn Pariser Lebensphilosophie in Reinform, schreibt Leo: Widerstand durch Genuss. Dabei müsse es nicht immer Champagner sein, manchmal reiche eben auch eine Wurst. »Mir imponiert diese Fähigkeit, mit Savoir-vivre der Widrigkeit zu trotzen«, schreibt er.
Wurstverkäufer Alain: Widerstand durch Genuss
Foto:Leo Klimm / DER SPIEGEL
Auch an diesem Wochenende, wenn unter anderem die Gelbwesten wieder Proteste planen, wird Alain wohl auf der Place de la République stehen. Unbeeindruckt vom Geschehen und trotzdem mittendrin. So hält er das Motto der Stadt Paris hoch: »Fluctuat nec mergitur«. Sie schwankt, aber geht nicht unter. Davon können wir uns doch alle eine Scheibe abschneiden.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.
Herzliche Grüße
Ihre Elisa Schwarze, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL
Source: Der Spiegel · Elisa Schwarze
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