Der in Essen bei einem Arztbesuch gewaltsam befreite Häftling trug Fußfesseln, die sich mit einem im Internet erhältlichen Schlüssel öffnen ließen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa informierte der nordrhein-westfälische Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) den Rechtsausschuss des Landtags vertraulich, dass die Fesseln kein individuelles Schloss hatten. Stattdessen habe ein Universalschlüssel gepasst, der auch bei baugleichen Modellen funktioniert. Solche Schlüssel gebe es online für unter 10 Euro zu kaufen.

Bereits im Februar wurde das Problem bekannt, als ein Festgenommener in Bayern seine Handschellen mit einem frei erhältlichen Schlüssel öffnete. Damals stellte sich heraus, dass die Polizei in NRW dasselbe Modell nutzt.

Mitte Oktober hatten zwei JVA-Mitarbeiter den mehrfach vorbestraften, an den Füßen gefesselten 34-Jährigen aus der JVA Essen zu einem Arzttermin in der Innenstadt begleitet. Im Treppenhaus überwältigten zwei maskierte Männer die Beamten, anschließend flohen sie gemeinsam mit dem Häftling.

Schon im April hatte die Landesregierung auf eine FDP-Anfrage im Landtag eingeräumt, dass die Justiz zwar keine Handschellen mit Universalschloss, aber »ein vergleichbares Fesselsystem als Fußfessel« nutzt. Solche Fesseln trug der Untersuchungshäftling bei seiner Befreiung. Ob die Helfer den Schlüssel selbst im Internet besorgten oder ein Gefängnis-Mitarbeiter sie unterstützte, wird noch untersucht. Bei einem JVA-Beamten, der wegen Korruptionsverdachts verhaftet wurde, fand man zu Hause keine nachgemachten Schlüssel, teilte das Ministerium mit.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

At a glance

Topic
World
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira