Als Elif Eralp am Donnerstagmittag im Berliner Abgeordnetenhaus vor die Kameras trat, kündigte sie an, dass sie sich nicht zur jüngsten Berichterstattung über ihre Person äußern wolle. Der SPIEGEL hatte kurz zuvor enthüllt, dass die Berliner Linkenpolitikerin in einem internen Vermerk Angst vor Terrorsympathisanten in Berlin offenbart hatte. Weil das »private, interne Inhalte« seien, wolle sie dazu nichts sagen, so Eralp.
Am Donnerstagabend nimmt Eralp dann doch ausführlicher Stellung zu der Berichterstattung. Sie veröffentlichte ein knapp zweiminütiges Video auf Instagram, in dem sie ihre vom SPIEGEL wiedergegebenen Äußerungen auf Empfehlungen der Sicherheitsbehörden zurückführt.
»Jetzt hat eine Zeitung interne Notizen von mir veröffentlicht, wie ich mich um die Sicherheit meiner Familie sorge«, sagt Eralp in dem Video, mit »Zeitung« meint sie den SPIEGEL. »Natürlich sorge ich mich um meine Familie. Ich bin Politikerin, aber ich bin auch Mensch und Mutter.«
»Voller Beleidigungen und Bedrohungen«
Insbesondere seit der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September erhalte sie viele Briefe, Mails, Nachrichten und Anrufe, »die voller Beleidigungen und auch Bedrohungen sind«, sagt Eralp. Aus welcher Ecke die Anfeindungen kommen, lässt sie offen. Stattdessen führt Eralp allgemein aus: »Zur aktuellen Bedrohungslage« tausche sie sich mit den Sicherheitsbehörden aus. »Und natürlich nehme ich den professionellen Rat von Behörden sehr ernst und wäge dafür meine Worte genau ab. Diese Abwägung wurde jetzt veröffentlicht.« Damit habe der SPIEGEL die Bitte ihres Teams ignoriert.
In dem internen Dokument, das dem SPIEGEL vorliegt, schreibt Eralp, sie und ihr Mann hätten »Angst vor diesen Leuten«. Sie bezieht diese Aussage auf den Hamas-Sympathisanten Ibrahim Ibrahim, der im September bei der Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln aufgetaucht war. Die Nähe von Teilen ihrer Partei zum radikalen propalästinensischen Milieu problematisiert Eralp in ihrem Instagram-Video nicht.
Bei dem Dokument, aus dem der SPIEGEL berichtet hat, handelt es sich um die von Eralp autorisierte Fassung eines Interviews, das der SPIEGEL zu Beginn der Woche mit ihr geführt hatte. In der schriftlichen Fassung, die Eralps Sprecher an die Redaktion zurücksandte, waren versehentlich noch Kommentare und Anmerkungen enthalten, die Eralp und ihre Leute hinterlassen hatten. So hatte Eralp eine SPIEGEL-Frage und ihre eigene Antwort zum Terrorsympathisanten Ibrahim streichen lassen – und mit einem längeren, offensichtlich für den internen Gebrauch gedachten Text begründet, warum sie nicht namentlich auf ihn eingehen wolle: »Ich kann mich und meine Familie für den Spiegel nicht in Gefahr bringen«, schrieb Eralp in das Dokument. »Was machen wir jetzt? Können wir das ganze Interview stornieren?«
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In der internen, dem SPIEGEL zugesandten Notiz nahm Eralp Bezug auf Sicherheitskreise. Ihre Angst, sich öffentlich zu konkreten Namen wie dem von Ibrahim zu äußern, begründete sie so: Das Landeskriminalamt habe ihr in der Vergangenheit empfohlen, »nie konkrete Namen zu nennen«, schreibt sie. »Damals ging es um OK«, was für Organisierte Kriminalität steht. »Jetzt geht’s um Leute mit Kontakten zur Hamas.« Sie hätte das Interview »niemals zusagen dürfen«, schreibt Eralp. Sie will Regierende Bürgermeisterin in einer Koalition mit Grünen und SPD werden.
Der SPIEGEL entschied sich trotz Eralps Sicherheitsbedenken für eine Veröffentlichung. Die politische Tragweite von Eralps Notiz wiegt aus Sicht der Redaktion schwerer.
In einem internen Vermerk zeigt die Linkenpolitikerin Elif Eralp, dass sie sich vor Terrorsympathisanten mit Kontakten zur Hamas fürchtet. Kann so jemand für die Sicherheit in der Hauptstadt verantwortlich sein? Die SPIEGEL-Titelstory.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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