Szene aus aktueller Krankenhausserie »The Pitt«
Foto: Warrick Page / MAXEin kalifornisches Berufungsgericht hat festgestellt, dass sich die Fernsehserien »Emergency Room – Die Notaufnahme«, kurz »ER« genannt, und »The Pitt« zumindest so sehr ähneln, dass eine Klage der Witwe des »ER«-Schöpfers Michael Crichton weiterverfolgt werden kann. Die Klägerin sieht in »The Pitt« ein nicht autorisiertes Reboot der Erfolgsserie aus den Neunziger- und Nullerjahren.
Der dreiköpfige Senat des Berufungsgerichts entschied einstimmig, dass der erstinstanzliche Richter zurecht den Antrag der Produktionsfirma Warner Bros. Television auf Nichtzulassung der Klage abgewiesen hatte. Warner Bros. Television produzierte ehemals auch »ER«. Das Gericht entließ allerdings Noah Wyle – einer der Hauptdarsteller in beiden Serien und Produzent von »The Pitt« – aus dem Verfahren. Auch er war zunächst belangt worden. In dem Rechtsstreit prallen zwei Serien aufeinander, die zu ihrer Zeit jeweils zu den angesehensten Produktionen im US-Fernsehen zählten und mit zahlreichen Emmy-Awards ausgezeichnet wurden.
Michael Crichton, der Autor von »Jurassic Park« und anderen Romanen, schrieb das Pilotdrehbuch zu »ER«. Die Serie lief von 1994 an beim US-Sender NBC (in Deutschland bei ProSieben) und spielte in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Chicago. Sie definierte das Genre der Arztserie neu und erreichte in ihrer Laufzeit bis 2009 in den USA Zuschauerzahlen in zweistelliger Millionenhöhe.
Szene aus »ER«
Foto: NBC / Getty ImagesDie Klage reichte Sherri Crichton, die Witwe des 2008 verstorbenen Autors, vor zwei Jahren ein – bevor auch nur eine Folge von »The Pitt« gesendet worden war. Die Serie, die auf HBO Max zu sehen ist, zeigt in Echtzeit eine Tagschicht in einer Notaufnahme ins Pittsburgh. Sie gewann für ihre ersten beiden Staffeln jeweils den Emmy für die beste Drama-Serie; Noah Wyle wurde als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
Neben eher technischen Rechtsfragen musste das Berufungsgericht entscheiden, ob die Serien zumindest ein Mindestmaß an Ähnlichkeiten aufweisen, das der Klage genug Substanz gibt, um sie weiterzuverfolgen. Das Gericht folgte der Klägerseite darin, dass »beide Serien das Gesundheitssystem kommentieren; sie konzentrieren sich speziell auf die Notaufnahme und die schwierigen Umstände, unter denen das medizinische Personal darin arbeitet. Beide Serien spielen, mit wenigen Ausnahmen, in den Räumlichkeiten der Notaufnahme.« Das unterscheide sie von anderen Krankenhausserien, die die Patienten weiterverfolgen, wenn sie die Notaufnahme verlassen.
Außerdem führt das Urteil aus, dass beide Serien »ein sehr schnelles Tempo und Reaktionen auf mehrere, sich überschneidende Krisen« aufweisen. Der schnelle Dialog bestehe häufig aus (für Laien) kaum verständlichem Fachjargon und Abkürzungen, was den Eindruck von Unmittelbarkeit und Authentizität erzeuge.
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Warner Bros. Television erklärte in einer Stellungnahme, man halte »weiterhin daran fest, dass ›The Pitt‹ eine völlig eigenständige Serie ist und die Vorwürfe unbegründet sind«. In ihren Schriftsätzen argumentierten die Beklagten, die Serien wiesen lediglich »allgemeine Ähnlichkeiten« auf, wie sie in »jeder dramatischen Geschichte« mit »überarbeiteten Ärzten und Pflegekräften« vorkämen.
Sherri Crichton bezeichnete »The Pitt« in ihrer Klage als umbenannte Version eines »ER«-Reboots, also einer Neufassung der älteren Serie. Eine solche habe sie zuvor ausdrücklich abgelehnt. Ihr Ehemann hatte in seinem Vertrag über die Serie eine Klausel durchgesetzt, die Warner Bros. untersagte, ohne Crichtons Zustimmung Fortsetzungen, Neuverfilmungen, Ableger oder andere von »ER« abgeleitete Produktionen umzusetzen. Dieses Vetorecht war nach Michael Crichtons Tod auf seine Erbin übergegangen.
Nachdem sich die Produktionsfirma nicht mit Sherri Crichton über einen geplanten »ER«-Reboot einigen konnte, entwickelte das Studio der Klage zufolge ohne Erlaubnis eine Serie mit derselben Grundidee.
feb/AP
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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