Zwei Oscars, mehrere Golden Globes und Ruhm auf der ganzen Welt: Hollywoodstar Dustin Hoffman zählt zu den erfolgreichsten Schauspielern in Hollywood. Sein Durchbruch durch den Film »Die Reifeprüfung« allerdings war nicht nur glamourös, sondern auch eine schmerzhafte Erfahrung. So hat es Hoffman nun in einem Gastbeitrag für den »New Yorker« berichtet.
Hoffman hatte als junger Mann Schwierigkeiten, Rollen zu finden und überhaupt Geld zu verdienen. Dann trat Mitte der Sechzigerjahre Mike Nichols an seinen Agenten heran, einer der gefragtesten Regisseure seiner Zeit. Er wollte Hoffman für seinen Film »Die Reifeprüfung« als Hauptdarsteller.
Hoffman schreibt nun, er hätte sich damals eigentlich nicht mal für die Rolle bewerben wollen. »Ich hatte den Roman von Charles Webb gelesen, den Mike verfilmte, und es war offensichtlich, dass ich für die Rolle des Benjamin völlig ungeeignet war. Ein Leichtathletikstar und Einser-Schüler, der Leiter des Debattierteams – das war ein wohlhabender, typisch amerikanischer Junge namens Braddock.« Er habe sich als völlig ungeeignet empfunden, so Hoffman. Sein Agent habe ihn aber überzeugt, zum Vorsprechen zu gehen. Mit Erfolg: Nichols entschied sich für Hoffman.
Hoffman erzählt von »schrecklicher Erfahrung«
Jubel? Freude? Davon war dann offenkundig keine Spur am Set. »Ich fühlte mich sofort unwohl und unwürdig. Da stand ich nun und spielte eine Hauptrolle in einem Film von Mike Nichols, dem angesagtesten Regisseur der Zeit. Aber ich hatte das Gefühl, kein Recht zu haben, dort zu sein«, schreibt Hoffman: »Es war eine schreckliche Erfahrung, diesen Film zu drehen, der mein Leben verändert hat.«
Hoffman hatte nach eigener Aussage Angst vor den Launen von Regisseur Nichols. Dieser sei für seine Stimmungsschwankungen bekannt gewesen, oft habe er mürrisch und gereizt reagiert. »Ich hatte oft das Gefühl, gleich gefeuert zu werden. Als wir einige der berühmtesten Sequenzen des Films drehten, dachte ich: ›Verdammt noch mal, ich habe keine Ahnung, was ich da tue‹«, schreibt Hoffman.
Die schwierige Schauspieler-Regisseur-Beziehung zeigte sich dann laut Hoffman auch bei einem bestimmten Dreh. »Es gab eine Szene, in der Katharine Ross mir eine Ohrfeige geben musste, und er ließ uns 27 Takes drehen«, schreibt Hoffman: »In dieser Szene rennt Benjamin, vom Regen klatschnass, in Elaines Zimmer, um ihr zu sagen, dass er eine Affäre mit einer älteren Frau hatte. Innerhalb von Sekunden wird Elaine klar, dass diese Frau ihre Mutter ist. Mike sagte Katharine immer wieder, sie solle mich schlagen, mich härter schlagen.« Sie habe versucht, ihm nicht wehzutun, aber ein paar mal sein Ohr getroffen, so Hoffman. Ihm sei schwindelig gewesen. Am Ende habe die Szene es aber nicht mal in den Film geschafft.
Am nächsten Tag, so Hoffman, habe er eine Unterwasserszene drehen müssen. Als er wieder aufgetaucht sei, habe er aus dem Ohr geblutet. Durch die Ohrfeigen am Vortag und den Wasserdruck beim Dreh, sei sein Trommelfell verletzt worden.
Am 22. Dezember 1967 erschien »Die Reifeprüfung« in den Kinos und wurde ein Erfolg. Hoffman bescherte sie einen Golden Globe als bester Nachwuchsdarsteller. Mike Nichols gewann einen Oscar für die beste Regie.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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