Das Softwareunternehmen SUSE kündigt einen umfassenden Stellenabbau an. In einem Schreiben an die Belegschaft erklärt der CEO des Unternehmens, Automatisierung und KI machten die „schmerzhafte Entscheidung“ notwendig. Die US-Tageszeitung New York Times und andere US-Blätter verklagen das IT-Unternehmen Brave Software wegen Urheberrechtsverletzungen und unerlaubtem KI-Training. Und Bundeskanzler Friedrich Merz stellt auf dem Digitalgipfel US-Clouddiensten gewissermaßen einen Blankoscheck aus – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
Noch im März gab es Verkaufsgerüchte um den Linux-Spezialisten SUSE. Experten sahen das Open-Source-Softwareunternehmen als potenziellen Profiteur des KI-Booms, da die Nachfrage nach zuverlässiger Basissoftware für Unternehmen mit der Entwicklung und dem Einsatz weiterer KI-Anwendungen steigen dürfte. Nun steht bei SUSE ein Zehntel der Mitarbeitenden vor der Entlassung. In einer internen E-Mail an die Beschäftigten kündigte die Geschäftsführung des Unternehmens umfassende Stellenkürzungen an und verwies zur Begründung auf „Automatisierung und KI“. Einzelheiten nannte SUSE-CEO Dirk-Peter van Leeuwen nicht. „Automatisierung und KI“: SUSE streicht jede zehnte Stelle
Bereits seit Ende 2023 führt die New York Times einen möglicherweise wegweisenden Rechtsstreit gegen OpenAI und Microsoft wegen unerlaubter Verwendung von Texten fürs KI-Training. Im Kern des Verfahrens geht es um die Frage, ob OpenAI und Microsoft urheberrechtlich geschützte Zeitungsartikel ohne Erlaubnis zum Training ihrer KI-Modelle ChatGPT und Copilot verwendet haben. Am Montag reichte eine Gruppe von US-Tageszeitungen, darunter die Times, vor einem Bundesgericht in Manhattan Klage gegen das IT-Unternehmen Brave Software ein. Sie werfen dem Entwickler des Webbrowsers Brave vor, Artikel ohne Erlaubnis für das Training von KI-Modellen verwendet und es Brave-Nutzern ermöglicht zu haben, Bezahlschranken unrechtmäßig zu umgehen. Urheberrechtsverletzungen: New York Times verklagt Brave Software
Deutschland und Europa hinken Ländern wie den Vereinigten Staaten oder China bei der Digitalisierung hinterher. Geht es nach Bundeskanzler Friedrich Merz lässt sich der Rückstand aber aufholen. Nötig sei dafür vor allem ein energischer, strategischer Aufbau der eigenen Fähigkeiten. Von der Hard- bis zur Software müsse selbstbestimmt produziert und gesteuert werden, sagte Merz in seiner Rede beim Digitalgipfel. Angesprochen die Pläne der deutschen Nachrichtendienste, die ihre neue Offline-Cloudlösung offenbar mit Google als Projektpartner umsetzen wollen, hält Merz „europäische Souveränität mit einem amerikanischen Anbieter“ für möglich. Merz: Google-Cloud ausreichend souverän für Nachrichtendienste
Es ist nur wenige Wochen her, da haben Unbekannte mit einem Cyberangriff die Kühlsysteme Hunderter Supermärkte in Frankreich außer Betrieb gesetzt. Aufgrund des Temperaturanstiegs in zahlreichen Kühl- und Gefrierschränken verdarben Lebensmitteln und in mehreren Filialen kam es zu Bränden. „Dieser Angriff hätte jedes Land treffen können und kann auch jetzt jederzeit Nachahmer finden“, sagte die Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, damals. Nun ist Lebensmittelläden in mehreren europäischen Ländern wie Belgien, Luxemburg und Schweden tatsächlich Ähnliches widerfahren. Kühlschränke in Lebensmittelläden weiterer Länder geknackt
In zehn US-Bundesstaaten sowie England, Schottland und Wales Gesetze für Steckersolargeräte, sogenannte Balkonkraftwerke, verabschiedet. Zuletzt hat Westaustralien Ende Oktober einen Entwurf zur Konsultation gestellt, der Steckersolargeräte als gewöhnliche Haushaltsgeräte einstufen soll. Grundlage dafür ist eine deutsche Produktnorm, angepasst an australische Stecker und Windlasten. Was in anderen Ländern inzwischen als Vorlage dient, wurde in Deutschland erst nach jahrelangem Ringen um Leistungsgrenzen, Stecker und Mieterrechte geregelt. Balkonkraftwerk als Exportschlager: Die Welt übernimmt deutsche Regeln
Auch noch wichtig:
- Notebooksbilliger und Tele Columbus (Pÿur) haben am Montagabend Kundinnen und Kunden in E-Mails über Datenabflüsse nach IT-Angriffen informiert. Cyberangriffe auf notebooksbilliger.de und Pÿur
- Die KI-Firma Anthropic ließ in ihrem Börsenprospekt zunächst die Zahlen für das dritte Quartal aus. Aus einem Nachtrag geht hervor: Es gab tiefrote Zahlen. Börsenprospekt: 104 Milliarden Verlust bei Anthropic
- Laut Bloomberg-Reporter Mark Gurman sollen 2027 iPad, iPad Air und iPad Pro aktualisiert werden – mit OLED-Display, Vapor Chamber und mehr Leistung. Bericht: Apple plant 2027 drei neue iPad-Modelle
- Google will ab 2027 ein anbieterübergreifendes IETF-Token fürs KI-Training in der robots.txt auswerten. Google-Extended bleibt für Ausnahmen erhalten. robots.txt auf Diät: Ein einziger Befehl soll alle KI-Trainer stoppen
- Laut Nvidia verschwindet die Grafikkarte RTX 5090 doch nicht – dennoch steigt der Preis auch für das kleinere Modell, dessen 24-GByte-Version wohl nicht im Plan liegt. Nach der RTX 5090 wird auch die 5080 deutlich teurer
- Ursa AG baut in der kanadischen Provinz Alberta weitgehend elektronikfreie Traktoren, die Eigenreparaturen nicht aktiv verhindern. Die Nachfrage übersteigt die Produktion deutlich. Der Traktor, den Landwirte selbst reparieren können, wird zum Verkaufserfolg
- Der Luftfahrtingenieur und Youtuber Michael Rechtin hat den Schub eines EDF-Triebwerks mit einem 3D-gedruckten Nachbrenner nahezu verdoppeln können. Youtuber 3D-druckt kleinen propanbetriebenen EDF-Afterburner
- Apple verhandelte einst hart um die günstigsten NAND-Tarife. Doch mittlerweile hat der Konzern dank des KI-Booms nicht mehr die Oberhand, so ein Bericht. NAND-Hersteller: „Rache“ an Apple genommen?
- C++26 wurde von den National Bodies (NB) bei der DIS-Wahl abgelehnt. Was das bedeutet und wie es weitergehen kann, beschreibt heise-Autor Andreas Fertig. Analyse: Bei C++ ist das Undenkbare geschehen – C++26 wurde abgelehnt
- Der Absturz des Weltraumteleskops Swift steht unmittelbar bevor. Das Gerät wird größtenteils verglühen. Teile könnten aber die Erdoberfläche erreichen. Nach gescheiterter Rettung: Weltraumteleskop Swift wird diese Woche abstürzen
- Zu viel Bürokratie? Damit haben nicht nur wir Menschen zu kämpfen, wie ein aktueller Versuch zeigt. KI-Agenten bauen Zivilisation in Minecraft auf und verlieren sich in Bürokratie
- KI-Werkzeuge erleichtern den Nachbau von Spielen und Software. Anthropic reagiert mit neuen Regeln für Claude Code, die laut einigen Entwicklern zu weit gehen. Claude Code: Anthropic verschärft Regeln gegen Spieleklone
(akn)
Source: Heise · Andreas Knobloch
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