- Die Kraft der Farben und Kontraste: Die Bilder der Woche 43
Die Bilder aus der c't-Foto-Galerie stehen diese Woche ganz im Zeichen des Gegensatzes – sowohl im Sinne der Zusammenstellung als auch motivisch. Vier Naturfotos werfen ihre Farben den Betrachtenden entgegen. Ihre farbliche Strahlkraft verlängert die Motive. Ob ein schillernder Eisvogel mit Beute im Schnabel, die perfekt getarnte Schlange inmitten des sattgrünen Blätterwalds oder der glühende Himmel des Sonnenuntergangs über dem Wattenmeer: Alles schreit: „Ich lebe!“
Die anderen drei Bilder unserer Auswahl sprechen dagegen mit gedeckten Farben. Ihr Wesen ist die Zurückhaltung. Erst durch bewusste Reduktion gewinnen die Motive an Form: Zwei geometrische Lichtfelder heben sich von einer grauen Wand ab, das Sonnenlicht lässt die Vorhalle eines italienischen Bauwerks plastisch hervortreten und eine leuchtende Galaxie im fernen Weltraum bildet einen Kontrast zur nächtlich ruhenden Erde.
So zeigen uns die Fotografinnen und Fotografen in dieser Woche, wie unterschiedlich und auf eigene Weise kraftvoll Fotografie sein kann.
Streifen von clip81
Streifen
(Bild: clip81)
Dieses Bild teilt sich in zwei klar getrennte Zonen: oben ein glühender Himmel mit einer mächtigen Sonnenscheibe, unten das Watt, dessen feine Rinnen das Licht in horizontalen Streifen spiegeln. Diese parallelen Linien durchziehen die gesamte untere Bildhälfte und erzeugen einen grafischen Rhythmus, der dem Bild seinen Namen gibt. Die kleine Silhouette einer Bake am linken Horizont setzt einen vertikalen Kontrapunkt und verleiht dem weiten Raum einen Maßstab. Durch die konsequente Reduktion auf Orange-, Gold- und Schwarztöne verdichtet sich die Szene zu einer fast abstrakten Farbstudie.
Eisvogel mit Fisch von Pham Nuwem
Eisvogel mit Fisch
(Bild: Pham Nuwem)
Es scheint ein großer Triumph zu sein: Dieser Eisvogel breitet seine Flügel aus, als wolle er dem Fotografen seinen Fang präsentieren. Er hält den kleinen Fisch im Schnabel und balanciert dabei leichtfüßig auf einem Ast. Sein schillerndes Gefieder in Blau und Orange leuchtet vor dem samtigen Grün. Es ist ein Moment voller Energie, Farbe und Wildnis, der in Bruchteilen einer Sekunde festgehalten wurde.
Abstrakte Wildnis von dave-derbis
Abstrakte Wildnis
(Bild: dave-derbis)
Lappland wirkt hier wie gemalt. Von oben betrachtet sieht die schwedische Wildnis aus wie eine Palette, auf der jemand die Farben Gold, Grün und Violett wild verrührt hat – und mittendurch zieht ein tiefblauer Fluss seine eigenwilligen Kurven. Die Drohne fängt den Herbst in seiner ganzen Farbexplosion ein. Abstrakte Kunst, jedoch komplett von der Natur kuratiert.
POSIZIONEI26I01 von rad.O...
POSIZIONEI26I01
(Bild: rad.O...)
Die steile Froschperspektive des Bildes kippt die Säulenhalle in eine Diagonale und verleiht ihr monumentale Wucht. Das harte Sonnenlicht hebt die Säulen plastisch hervor, während der Eingang in tiefem Schwarz versinkt. Der starke Hell-Dunkel-Kontrast – ein Chiaroscuro – trennt die Bildebenen klar. Die Schlagschatten wiederholen die Säulenform auf der Quaderwand. Gedämpfte Ockertöne der Wände verleihen dem Bild Ruhe und Zeitlosigkeit.
Deep Scape: Bergkirche zu Kaubenheim vor der Andromeda-Galaxie von dg9ncc
Deep Scape: Bergkirche zu Kaubenheim vor der Andromeda-Galaxie
(Bild: dg9ncc)
Ein Deep Scape vereint Deep-Sky-Fotografie, also Bilder ferner Himmelsobjekte, mit einer Landschaft. Der tiefe Horizont teilt das quadratische Format in zwei ungleiche Teile: Oben dominiert der Sternenhimmel, unten erhebt sich die Bergkirche von Kaubenheim. Die schräg liegende Andromeda-Galaxie kontrastiert mit der senkrechten Turmspitze. Irdische Architektur und kosmische Weite treten in einen stillen Dialog.
signs von Grabownik
signs
(Bild: Grabownik)
An einer hellgrauen, rauen Putzwand hängt ein Halteverbotsschild. Zwei schmale, schräge Lichtstreifen fallen auf die Wand, das Schild sitzt im oberen. Am unteren Wandende verläuft ein Sockel aus Riffelblech. Davor liegen Bordstein, Asphaltstreifen und eine weitere Bordsteinkante. Erst das Licht verwandelt diese nüchterne Alltagsszene in eine kleine Installation. Das Ergebnis erinnert an konkrete Kunst, eine Kunstrichtung, deren Formen, Farben und Materialien nichts abbilden, sondern für sich selbst stehen.
Vietnamesische Langnasennatter von JensonR
Vietnamesische Langnasennatter
(Bild: JensonR)
Grün in Grün, und doch ist sie der Star. Eine Natter ruht mit ihrem Kopf auf einem dünnen Ast, als hätte sie alle Zeit der Welt. Ihr Erkennungsmerkmal ist ein Horn, das wie eine kleine gelbe Nase nach vorn ragt. Das unscharfe Grün der Blätter ringsum wirkt wie ein Vorhang, der sich gerade für ihren Auftritt öffnet. Perfekt getarnt und dennoch eine große Inszenierung.
(rah)
Source: Heise · Robin Ahrens
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