Die Deutsche Bahn prüft offenbar, inwiefern sich mit einer Reduzierung des Zugverkehrs die Pünktlichkeit verbessern lässt. Der Konzern habe dafür eine unabhängige Expertenkommission beauftragt, berichtete der Berliner »Tagesspiegel« unter Verweis auf eine DB-Mitteilung an Mitglieder des Verkehrsausschusses des Bundestages.
»Mit der Kommission wollen wir den Menschen die Wahrheit sagen: Angesichts des Zustands fahren auf unseren Gleisen viel zu viele Züge«, sagte Enak Ferlemann dem »Tagesspiegel«. Der frühere Bahnbeauftragte der Bundesregierung wird Mitglied der Kommission sein.
Man werde sich nun den Ist-Zustand anschauen und ermitteln, welche Kapazität das Netz besitzt, kündigte Ferlemann sinngemäß an, der im Aufsichtsrat der für das Schienennetz zuständigen Bahntochter DB InfraGO sitzt. Man werde Vorschläge machen, wie man mit weniger Zugverkehr die Pünktlichkeit verbessern könne. »Ein Beispiel könnte sein, dass zwischen Berlin und Hamburg nur noch einmal pro Stunde ein Fernzug fährt statt alle 30 Minuten, die Züge dafür aber zuverlässig unterwegs sind.«
Die hohe Verlässlichkeit pries Ferlemann als einen der Vorteile der Bahn. Durch die Überlastung des Netzes aber sei dieser Vorteil verloren gegangen. Dabei sei es den Menschen lieber, »wenn weniger Züge unterwegs sind, diese aber pünktlich fahren«.
In der Nachricht an die Bundestagsabgeordneten untermauert die Bahn die Überlastung des Schienennetzes mit Zahlen. Im Jahr 2025 verkehrten mehr als zehn Prozent der Züge auf Strecken mit einer Auslastung von über 115 Prozent, heißt es darin. In der Folge sei der Stau auf deutschen Schienen immer weiter angewachsen. In den vergangenen zehn Jahren hätten Stau-Verspätungen um 150 Prozent zugenommen. Im September waren zuletzt nur 52,4 Prozent aller Fernzüge pünktlich ans Ziel gekommen.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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