Rund 150 Freunde, Bekannte, Kollegen und Prominente machten bei dem Streich mit. Sie belogen Wallbridge nicht nur, sondern filmten ihn teilweise mit versteckter Kamera. Angestiftet wurden sie unter anderem von einem engen Freund und Geschäftspartner. Daraus entstand die Fernsehserie »Alle elsker Rasmus« (»Alle lieben Rasmus«), die von TV2 ausgestrahlt wurde. Erst in der letzten Folge erfährt Wallbridge, dass alles nur ein Streich war. Sein Traum platzt.
»Jeder kann sehen, dass es sich hier um Mobbing der übelsten Sorte handelt«, schrieb der Chefredakteur der dänischen Zeitung »Politiken« . Kritiker nennen die Serie »bösartig« und sprechen von »psychischer Gewalt«. Kulturministerin Zenia Stampe sagte dem Fernsehsender DR, TV2 habe auf eine »völlig eklatante und unethische Weise« gehandelt und Wallbridge über Monate zum Narren gehalten. Sogar die dänische Regierungschefin meldete sich zu Wort: »Ich hoffe, dass dieser ganze ziemlich unglückliche Fall bei allen zu einem stärkeren Bewusstsein dafür führt, was man mit welcher moralischen und ethischen Verantwortung veröffentlichen möchte«, sagte Mette Frederiksen.
Immer wieder umstrittene Formate
Der Betroffene selbst äußerte sich zunächst nicht, brach am Wochenende aber auf Instagram sein Schweigen: »Ich sehe, was über mich gesagt und mir geschrieben wird.« Er sei jedoch gerade nicht an einem Punkt, an dem er sich an der Diskussion beteiligen könne. An den Sender TV2 hat er eine Botschaft, falls dieser künftig ähnliche Formate plant: »Ich will sie wirklich dazu auffordern, das sein zu lassen.«
Der dänische Fernsehsender TV2 fällt nicht zum ersten Mal mit einem umstrittenen Format auf. In der Doku »Der schwarze Schwan« hatten Journalisten vor einigen Jahren ebenfalls mit versteckten Kameras und mithilfe einer Maulwürfin Verbindungen zwischen der dänischen Unterwelt und der Elite aufgedeckt. Das Programm hatte vor allem wegen der verdeckten Aufnahmen und der Rolle der Informantin Fragen dazu aufgeworfen, wie weit Journalisten bei der Beschaffung von Informationen gehen dürfen.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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