Die Welle an Cyberangriffen auf Kühlschränke in Lebensmittelläden hat jetzt auch Deutschland erreicht: In einem Supermarkt im niederbayerischen Reisbach sind die Kühlanlagen in der Nacht zu Montag auf 50 Grad Celsius hochgeheizt worden. Das hat der Betreiber des Edeka-Markts auf Facebook öffentlich gemacht, Unmengen an Lebensmitteln hätten entsorgt werden müssen. „Und das macht uns einfach nur wütend“, ergänzte der Betreiber über einem Foto der Lebensmittel in einem Abfallcontainer. Das Polizeipräsidium Niederbayern ermittelt und will sich mit den Behörden in den anderen betroffenen Ländern absprechen. Dass ein Cyberangriff die Ursache war, hat die Polizei bislang nicht bestätigt. Inzwischen sind auch aus Nordrhein-Westfalen Angriffe auf Supermarkt-Kühltruhen bekannt geworden. Ob die Fälle zusammenhängen und wer dahintersteckt, ist noch unklar.

Kühlanlagen vom Netz genommen

Fast zeitgleich mit dem Edeka im Landkreis Dingolfing-Landau sind seit Sonntag schon Kühlanlagen in Supermärkten verschiedener europäischer Länder attackiert worden, Meldungen gab es unter anderem aus Belgien, Luxemburg und Schweden. Das Vorgehen erinnert an Cyberangriffe auf französische Supermärkte Mitte Oktober. Bei den Angriffen in Frankreich hatten die Täter Sicherheitslücken in älteren, ans Internet angeschlossenen Steuergeräten von Danfoss ausgenutzt, um die Kühlschränke nicht einfach nur auszuschalten, sondern die Temperaturen deutlich hochzuregeln. In der Folge sind die Lebensmittel verdorben. Ob hinter den neuen Fällen dieselbe Masche steckt, ist noch nicht bestätigt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat daraufhin eine Warnung ausgesprochen.

Der Betreiber des Edeka in Reisbach rechtfertigt die Internetanbindung jetzt mit mehreren Argumenten. Die sei heutzutage üblich „und dient vor allem der Lebensmittelsicherheit“. Die Geräte würden dadurch rund um die Uhr überwacht, auch wenn niemand im Markt sei: „Kommt es beispielsweise nachts zu einem Stromausfall, einem Kältemittelverlust oder einer anderen technischen Störung, können automatisch Alarmmeldungen und telefonische Benachrichtigungen ausgelöst werden.“ Man habe dadurch früher schon häufig Defekte frühzeitig erkennen und Ware sichern können. Bei dem Cyberangriff am Wochenende war das jetzt aber augenscheinlich nicht möglich. Die betroffenen Anlagen seien inzwischen „selbstverständlich“ vom Internet getrennt worden und sollen vorerst auch nicht wieder ans Netz gehen.

In seiner Warnung hatte das BSI auf frühere Angriffe in Polen verwiesen: Das seien „rein destruktive Sabotageakte“ gewesen, die „einfach vermeidbar“ gewesen wären. Die Schutzempfehlungen gelten laut BSI unabhängig von konkreten Angriffen. „Der wichtigste und zugleich einfachste Schutz ist es, die Anlagen vom Internet zu trennen“, hieß es damals. VPN-Tunnel, multifaktorgeschützter Zugriff, Blocklisten, Protokollfilter und natürlich Updates würden Angreifern das Vorgehen bereits deutlich erschweren, so die Kernbotschaft der Behörde. Ab Dezember 2027 gelten unter dem Cyber Resilience Act (CRA) für Hersteller vernetzter Geräte zudem verschärfte Sorgfaltspflichten, die bereits im Auslieferungszustand ein hohes Maß an IT-Sicherheit garantieren sollen. Aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwere Sicherheitsvorfälle müssen Hersteller bereits seit dem 11. September 2026 melden.

(mho)

Source: Heise · Martin Holland

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