Die Leitung der Cornell-Universität gerät nach dem Missbrauchsskandal  stärker unter Druck. Mitglieder der Fakultät der Elitehochschule im US-Bundesstaat New York haben ihr Misstrauen ausgesprochen. Die Fakultät habe »kein Vertrauen in die Fähigkeit der zentralen Verwaltung, die anhaltende Krise im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen an der Cornell University wirksam anzugehen«, heißt es in einer Entschließung, über die mehrere Medien berichten.

Der Fakultätssenat beschloss die Resolution mit 75 zu 50 Stimme, fünf Mitglieder enthielten sich. Die Entschließung ist nicht bindend, hat jedoch eine hohe symbolische Bedeutung. Die Abstimmung folgte auf wochenlange Debatten, inwiefern die Universitätsleitung angemessen auf die Vorwürfe reagiert hatte. Befürworter der Resolution hoffen laut dem »Guardian« , Druck auf das Kuratorium auszuüben. Rücktritte fordern sie aber nicht explizit.

Das Kuratorium, der Hochschulrat aus externen und internen Persönlichkeiten, teilte nach der Veröffentlichung der Entschließung mit, die Resolution des Fakultätssenats spiegele die tiefe Empörung auf dem Campus wider und sende ein klares Signal. Dennoch unterstütze man die Universitätsleitung um Präsident Michael Kotlikoff.

Vorwürfe aus dem Oktober 2024

In dem Missbrauchsskandal geht es um Vorwürfe einer früheren Studentin der Universität. Sie berichtete, im Oktober 2024 von Mitgliedern der Studierendenverbindung Chi Phi zur Einnahme des Narkosemittels Ketamin gedrängt und von sieben Männern sexuell missbraucht und vergewaltigt worden zu sein.

Der Fall sorgte auch wegen schockierender Nachrichten für Aufsehen, die Verbindungsmitglieder in ihrer Snapchat-Gruppe teilten. In einer Nachricht verbreitete ein Student, der das Opfer zuvor vergewaltigt haben soll, in dem Gebäudetrakt gebe es »kostenlose Muschi«. Kurz darauf hätten weitere Verbindungsmitglieder den Raum betreten. Die Männer weisen die Vorwürfe zurück. Sie behaupten entweder, der Sex sei einvernehmlich gewesen, oder gar nicht beteiligt gewesen zu sein.

Die zuständige Staatsanwaltschaft entschied damals, die Verdächtigen nicht vor Gericht zu stellen . Die Universität verbot die Verbindung, verwies aber nur einige der Beteiligten der Hochschule. Das Opfer wirft der Universität vor, sie nicht ausreichend geschützt zu haben. Kritiker werfen der Führung der renommierten Hochschule darüber hinaus vor, nach dem Vorfall zu nachsichtig mit den Verdächtigen umgegangen zu sein. Der Fall hatte im vergangenen Monat zu Demonstrationen in mehreren US-Städten geführt.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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