Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt liegt das amtierende Staatsoberhaupt Iliana Jotowa ersten Prognosen zufolge vorn:
Zwei Nachwahlbefragungen, die nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend veröffentlicht wurden, ergaben für Jotowa rund 51 Prozent.
Ihr Konkurrent, der frühere Interimsregierungschef Andrej Gjurow, kam auf 43 bis 45 Prozent.
Die 61-jährige Jotowa gehört dem Lager des als russlandfreundlich geltenden Regierungschefs Rumen Radew an. Gjurow hingegen wird von prowestlichen und reformorientierten Parteien unterstützt. Im ersten Wahlgang vor einer Woche mit 27 Kandidaten hatte Jotowa zwar die meisten Stimmen erhalten, die absolute Mehrheit bei einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung jedoch verfehlt. Mit einem offiziellen Ergebnis der Stichwahl wird am Montag gerechnet.
Laut den Nachwahlbefragungen lag die Wahlbeteiligung nun bei etwa 27 bis 29 Prozent und damit etwas höher als bei der ersten Runde am 25. Oktober, bei der die Wahlbeteiligung mit 23 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht hatte.
Die Wahl zu dem weitgehend repräsentativen Amt findet vor dem Hintergrund von Drohnenangriffen vor der bulgarischen Küste statt. Dort waren in den vergangenen Wochen Behördenangaben zufolge mindestens sechs Handelsschiffe von Drohnen attackiert worden. Dies schürte Sorgen in dem EU- und Nato-Land vor einer Ausweitung des Ukrainekriegs. Die Ukraine macht Russland für die Angriffe verantwortlich. Auch Radew erklärte, die Attacken schienen für Russland von Vorteil zu sein. Moskau wies eine Verantwortung jedoch zurück. Jotowa und Gjurow verurteilten die Angriffe und forderten ein diplomatisches Ende des Krieges.
Sollte Jotowa die Wahl gewinnen, wäre sie die erste direkt gewählte Präsidentin Bulgariens. Sie hatte das Amt im Januar kommissarisch übernommen, nachdem Radew zurückgetreten war, um bei der Parlamentswahl im April anzutreten, die er mit einem russlandfreundlichen Programm gewann. Radew lehnt militärische Unterstützung für die Ukraine ab und warb für bessere Beziehungen zu Moskau sowie die Wiederaufnahme russischer Öl- und Erdgaslieferungen. Er sicherte aber nach seiner Wahl eine proeuropäische Politik zu. Der 50-jährige Gjurow, der in diesem Jahr als Übergangsministerpräsident amtierte, gilt als Unterstützer der Ukraine und hatte während seiner Amtszeit ein Sicherheitsabkommen mit der Regierung in Kyjiw unterzeichnet. Auch mehrere konservative und rechtsgerichtete Politiker wie Ex-Ministerpräsident Bojko Borissow sprachen sich für Gjurow aus.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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