Bei den Grünen wächst der Ärger über die zögerliche Bekanntgabe einer Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl im kommenden Januar. »Mit jedem weiteren Tag wird der Vorgang um die Benennung einer Bundespräsidentschafts-Kandidatin unwürdiger«, sagte Grünenfraktionschefin Britta Haßelmann nun dem SPIEGEL.

»Offenbar hat Friedrich Merz keine Kontrolle über den Prozess«, so Haßelmann. Sie kritisierte damit, dass Merz sich mittlerweile zwar öffentlich darauf festgelegt hat, dass die Union eine Frau nominieren werde, allerdings weiterhin keinen konkreten Namen nennt.

Mehrere führende Unionspolitiker hatten sich dagegen zuletzt bereits offen für die CSU-Politikerin und bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Kandidatin ausgesprochen.

»Was reitet die Union eigentlich, ihren Findungsprozess derart öffentlich auszutragen, anstatt sich zu verständigen und bei anderen demokratischen Kräften für breite demokratische Unterstützung zu werben«, sagte Dröge nun.

Hoffnung, dass auch eine andere Unionsfrau auf Unterstützung der Grünen zählen kann, dürfen sich CDU und CSU nach dem Zaudern des Kanzlers wohl eher nicht mehr machen. Die zuletzt gelegentlich ebenfalls für das Amt der Bundespräsidentin diskutierte CDU-Politikerin und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner könne nicht mit Unterstützung rechnen, heißt es aus grünen Fraktionskreisen.

Rechnerisch nötig sind die Stimmen der Grünen in der Bundesversammlung nicht, sofern die Kandidatin von Union und SPD gestützt wird. Eine über weitere Parteien getragene Unterstützung hätte für das künftige Staatsoberhaupt allerdings viel Symbolkraft.

Die Grünen hatten sich zur Kandidatenfrage für das höchste Amt der Bundesrepublik zuletzt zurückgehalten. In den vergangenen Wochen hatte sich etwa Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir dafür ausgesprochen, erstmals eine Frau in das höchste Amt im Staat zu bringen. Einen konkreten Namen nennen allerdings auch die Grünen bislang nicht.

Den CDU-Herrenclub gibt es so nicht mehr: Der Kanzler will nun nach 77 Jahren auch erstmals eine Frau an der Spitze des Staates. Wie es zu seiner historischen Entscheidung kommen konnte, lesen Sie hier.  

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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