Donald Trump umgibt sich nur äußerst ungern mit Verlierern. Das gilt auch und erst recht, wenn er diese im Vorfeld selbst unterstützt hat. Im Fall von Flávio Bolsonaro betonte der US-Präsident wohl auch deshalb, dass kein gemeinsames Treffen geplant sei. Immerhin: Der rechte Politiker darf nach seiner Flucht aus Brasilien in den USA bleiben »solang er will«, wie Trump am Samstag (Ortszeit) erklärte.

Trotz eines Verbots im Rahmen von Ermittlungen wegen Geldwäsche war Bolsonaro nach seiner Wahlniederlage heimlich nach Miami ausgereist. Er überquerte mit seiner Familie am vergangenen Dienstagabend die Grenze nach Argentinien, nutzte dort laut Medien seinen italienischen Reisepass, den er neben dem brasilianischen besitzt, und flog anschließend über Ecuador nach Miami.

Zuvor war Bolsonaro einer Anordnung des Obersten Gerichts in Brasilien nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Bolsonaro weist ein Fehlverhalten zurück und spricht von politischer Verfolgung.

Den US-Tageszeitungen »Wall Street Journal« und »New York Times«  zufolge wurde das Flugzeug für Bolsonaros Flucht von Jason Miller, einem Berater von US-Präsident Trump, gechartert. Das Weiße Haus äußerte sich dazu nicht.

Brief mit Vorwürfen zu angeblichem Wahlbetrug

Bolsonaro hatte nach seiner Wahlniederlage gegen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er die Wahl als »abscheulichen Wahlbetrug« bezeichnete und sich zunächst zum »wahren« und »gewählten Präsidenten« des größten und wirtschaftsstärksten Landes in Lateinamerika erklärte. Später änderte er die Formulierung in »Anführer« Brasiliens, hielt aber an seinen Vorwürfen fest. Belege für Wahlbetrug legte er nicht vor. Die Wahlbehörde bestätigte Lulas Sieg mit 51,8 Prozent der Stimmen gegen 48,2 Prozent für Bolsonaro.

Die US-Regierung will sich Insidern zufolge nicht dem Anspruch des unterlegenen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten auf die Führung seines Landes anschließen. Präsident ​Trump habe derzeit nicht vor, Bolsonaros politische Ambitionen zu unterstützen, sagten zwei Insider am Donnerstag laut der Nachrichtenagentur Reuters. Trump könne seine Haltung ‌aber noch ändern. Danach sieht es nach seinen jüngsten Aussagen aber eher weniger aus.

Mehr zu den Folgen der Wahl in Brasilien: Wahlverlierer Flávio Bolsonaro hat sich wohl ins Ausland abgesetzt. Seine überhastete Flucht ist ein Geschenk für den wiedergewählten Präsidenten Lula da Silva: Sie schwächt den Bolsonaro-Clan und spaltet Brasiliens Rechte. 

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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