Menschen in Paraguay protestieren gegen die Regierung und die Ueno-Bank.

Millionen Menschen betroffen Bankenpleite stürzt Paraguay in eine Krise

Stand: 05.11.2026 • 11:18 Uhr

Nach dem Kollaps einer Digitalbank fürchten Millionen Paraguayer um ihre Ersparnisse. Konten sind eingefroren, Renten blockiert - im Land wächst der Unmut gegen Präsident Peña.

In Paraguay hat die faktische Insolvenz einer Digitalbank eine finanzielle und politische Krise ausgelöst. In der Hauptstadt Asunción gingen in den vergangenen Tagen Tausende auf die Straße. Videos in den Sozialen Medien zeigen Menschen, die vor geschlossenen Bankfilialen stehen. Im Mittelpunkt steht die Digitalbank Ueno.

Medien in dem südamerikanischen Land berichten über Unregelmäßigkeiten bei der Kreditvergabe. So wurden etwa besonders viele Kredite an Firmen vergeben, die den Besitzern der Bank nahestehen - teils ohne Sicherheiten. Eine Untersuchung der Zentralbank stellte außerdem Liquiditätsengpässe fest. Bei Ueno war zuletzt die Solvenzquote unter die Mindestanforderungen gefallen. Deshalb hat die Zentralbank am Dienstag ein Abwicklungsverfahren eingeleitet und die Konten eingefroren.

Millionen Kunden betroffen

Millionen Bürger fürchten nun um ihre Ersparnisse. Die Ueno-Bank hat nach eigenen Angaben 2,8 Millionen Kundinnen und Kunden - rund 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung des Landes. Es handelt sich um eine der größten Banken Paraguays. Betroffen sind auch viele Rentner. Denn bei der Bank sind über 850 Millionen Dollar an staatlichen Geldern angelegt - darunter auch für die Sozialversicherung.

Staatschef Santiago Peña versuchte per Video, die Bevölkerung zu beruhigen. Er werde ein Gesetz auf den Weg bringen, "das jedem Sparer so schnell wie möglich das zurückgibt, was ihm zusteht". Die Zentralbank plant bis Samstag Auszahlungen von umgerechnet rund 1.300 Euro pro Kunde.

Skandal für Präsident Peña

Besonders heikel: Peña selbst war bis 2025 an der Muttergesellschaft der Digitalbank beteiligt und machte den damaligen Ueno-Chef Carlos Carvallo zum Zentralbankchef. Der Zusammenbruch von Ueno droht nun einen großen Skandal auszulösen. Denn Peña hatte Bedenken wiederholt heruntergespielt.

Die Opposition im Land fordert die Absetzung des Präsidenten wegen Interessenkonflikte und politischer Einflussnahme. Im Kongress haben Abgeordnete ein Amtsenthebungsverfahren gegen Peña eingereicht. Dabei geht es um dessen eigene frühere Geschäftsbeziehungen zur "Grupo Vázquez", zu der die Ueno Bank gehörte. Denn auch zwei Jahre nach Amtsbeginn war Peña noch Geschäftspartner der Gruppe.

Erste Konsequenzen gibt es bereits: Zentralbankchef Carvallo reichte auf Aufforderung von Peña seinen Rücktritt ein. Auch die paraguayische Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen und bereits mehrere Ueno-Manager verhaftet.

Investoren in Sorge

Auf die Lage in Paraguay schauen auch Finanzinvestoren sehr besorgt. Eigentlich lockte das Land in den vergangenen Jahren besonders ausländische Investoren an. Hoffnung gab auch das EU-Mercosur-Abkommen, welches Paraguay einen bessern Zugang zum europäischen Markt erleichtern soll. Dazu kommt: Paraguay hatte sich das Image eines verlässlichen Finanzstandorts erarbeitet. Das dürfte nun ernsthaft beschädigt werden.

Source: Tagesschau · tagesschau.de

At a glance

Topic
World
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira