Stand: 01.11.2026 • 20:16 Uhr
Verletzte und geplünderte Geschäfte - die Ausschreitungen nach den Protesten der Gen Z lösen Entsetzen aus. In Köln und Frankfurt wurden die Demos nach Einschätzung der Polizei unterwandert. Innenminister Dobrindt kündigte ein hartes Vorgehen an.
Es begann als friedlicher Protest: Am Samstag sind mehrere Tausend Menschen bundesweit überwiegend friedlich auf die Straße gegangen. Die Initiative "Gen Z regelt" hatte zur Teilnahme aufgerufen. Unter anderem ging es um bessere Bildung und bezahlbaren Wohnraum. Doch vor allem nach Ende der Demonstrationen kam es in mehreren Städten zu Ausschreitungen. In Frankfurt am Main, Köln und Hamburg eskalierte die Situation am Abend und in der Nacht.
Wer steckt dahinter? Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betont, man unterscheide sehr stark zwischen dem demokratischen, friedlichen Demonstrationsgeschehen und den Ausschreitungen. Es habe sich bei den Randalierern nicht um Schüler gehandelt. Stattdessen macht der Minister "gewaltbereite linke Gruppen und migrantische Chaoten" verantwortlich. Diese Menschen würden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. "Und ich erwarte, dass es harte Strafen gibt."
Ungleichheit als Grund für Eskalation
Dass es nach den Protesten zu Gewalt gekommen ist, sei grundsätzlich nicht überraschend, sagt Bildungs- und Protestforscherin Nina Kolleck im Gespräch mit tagesschau24. "Es hat sicher etwas damit zu tun, dass sich die Situation in den letzten Jahren sehr verschärft hat." Die Schere zwischen Arm und Reich habe sich weiter geöffnet und das Klima in der Gesellschaft sei immer angespannter geworden.
"Die Mieten sind immer stärker in die Höhe gegangen und immer mehr Kinder und Jugendliche haben so einen Frust, auch gerade im Studium", sagt Kolleck. Wenn eine Jugend heranwachse, die das Gefühl habe, viel schlechtere Chancen als ein kleiner Prozentsatz mit reichen Eltern zu haben, "bereitet das auch das Pflaster für einzelne Gruppierungen, gegen das System zu arbeiten".
Bis zu 1.500 Gewaltbereite in Frankfurt
Die Lage in den einzelnen Städten war dabei teilweise sehr unterschiedlich. In Frankfurt hatte die Polizei nach eigenen Angaben mit bis zu 1.500 gewaltbereiten Störern zu tun. Viele davon seien aus dem Umland angereist, zum Teil auch aus weiter entfernten Städten.
Die Polizei nahm laut dem hessischen Innenminister, Roman Poseck (CDU), 54 Verdächtige im Alter von 13 bis 29 Jahren fest, die überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und einen Migrationshintergrund haben. Er sprach unter Verweis auf Erkenntnisse der Einsatzkräfte von einer Tätergruppe, die "überwiegend migrantisch geprägt" gewesen sei.
"Für mich ist der gestrige Abend und ist die gestrige Nacht eine Initialzündung für eine härtere Gangart, insbesondere gegen die Tätergruppen, mit denen wir es zu tun hatten", sagte Poseck. Polizisten seien "durchgängig und hemmungslos attackiert" worden. "Ich setze alles darauf, dass sich solche Bilder hier in Frankfurt und in Hessen nicht wiederholen."
Polizei sieht kein politisches Motiv in Frankfurt
Nach Einschätzung der Polizei seien diejenigen, die in der Nacht in Frankfurt randaliert hätten, vor allem junge Männer mit Migrationshintergrund gewesen, die der Polizei bereits bekannt waren. Ein politisches Motiv ist laut Polizeipräsident Stefan Müller bei ihnen nicht erkennbar.
HR-Reporter Jakob Schaumann, der bei der Demonstration in Frankfurt dabei war, rät zur Vorsicht. Zwar habe er den Eindruck, dass es sich bei den Randalierern größtenteils um Menschen mit Migrationshintergrund gehandelt habe, doch noch seien nicht alle Tatverdächtigen ermittelt worden. "Bei 1.000 bis 1.500 Gewaltbereiten kann man bei 54 nicht davon sprechen, dass alle schon gefunden wurden." Die Gewalt hatte "relativ wenig mit der Demo an sich zu tun", sagte Schaumann.
Gezielte Anreise für Straftaten?
Auch in Köln kam es zu schwerer Gewalt. Die weitgehend friedliche Demonstration wurde laut Polizei zunächst wegen "einzelner Störaktionen" vorzeitig von den Veranstaltern beendet. Am Abend eskalierte die Situation dann vor allem rund um den Dom. WDR-Reporter Jochen Hilgers berichtete aus Köln, dass nach den "harmlosen und bunten Protesten von Gen Z" vermutlich "Linksautonome und Pro-Palästinagruppen und auch Alt-Linke" übernommen hätten. Nicht die Gen-Z-Proteste seien eskaliert, es sei "nach Gen Z eskaliert", so Hilgers.
Diese Beobachtungen bestätigte auch Polizeisprecher Sascha Wallmeroth. Er sprach von Gruppen, die gezielt nach Köln gekommen seien, "um Straftaten zu begehen". Einsatzleiter Martin Lotz erklärte, Art und Weise der Angriffe, Vermummung und Bewaffnung deuteten nicht auf eine spontane Eskalation, sondern auf ein gezieltes Vorgehen hin.
Nach Einschätzung von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) seien die Proteste von Linksextremisten und gewaltbereiten Gruppen junger Männer gekapert worden.
Politiker verurteilen Gewalt
Die schwere Gewalt löste bei vielen Bundespolitikerinnen und Bundespolitikern Entsetzen aus. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) verurteile die gewalttätigen Krawalle. Doch die Stimmen derer, die friedlich auf die Straße gegangen seien, müssten gehört werden. Sie betonte: "Die Anliegen der Jugendlichen sind berechtigt und überaus relevant." Der Bildungserfolg in Deutschland hänge noch immer zu sehr von der Herkunft ab.
Auch die Linke-Vorsitzende Ines Schwerdtner warnte davor, die Forderungen der Gen Z jetzt in den Hintergrund rücken zu lassen. "Weder die Bezahlbarkeitskrise noch der Sozialabbau noch der breit getragene Wille zu friedlichem Protest verschwindet, weil kleine Gruppen frustrierter Menschen danach randaliert haben", sagte sie der Rheinischen Post.
AfD-Parteichefin Alice Weidel nahm die Ausschreitungen zum Anlass, um die Politik der CDU zu kritisieren. Sie schrieb auf der Plattform X, die Ausschreitungen seien "Ergebnis insbesondere einer CDU-Politik, die den Linksextremismus jahrelang hofiert und gefördert habe, gepaart mit einer unkontrollierten Migration".
Die Organisatoren der Gen-Z-Demonstration selbst distanzierten sich ausdrücklich von den Ausschreitungen. "Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss", erklärte ein Sprecher der Initiative "Gen Z regelt".
Source: Tagesschau · tagesschau.de
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