Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Rafael Grossi geht davon aus, dass sich die installierte Kapazität der Kernenergie in einem Hochszenario bis 2060 mehr als verdreifachen könnte.

Grossi erklärte bei der Vorstellung des Jahresberichts seiner Organisation an die Uno-Generalversammlung, dass der Trend vorangetrieben werde durch

  • die Elektrifizierung,

  • durch mit künstlicher Intelligenz betriebene Rechenzentren

  • sowie durch den »Bedarf der Technologieunternehmen an zuverlässiger, CO₂-freier Energie«.

Kernenergie werde von einer wachsenden Zahl von Ländern als Schlüssel zur Verbesserung ihrer Energiesicherheit angesehen, sagte der Atomkraft-Lobbyist.

»Im Jahr 2025 erzeugten mehr als 400 in Betrieb befindliche Reaktoren in über 30 Ländern zehn Prozent des weltweiten Stroms und ein Viertel des CO₂-armen Stroms«, sagte Grossi. »Mehr als 60 neue Reaktoren befinden sich im Bau, und die Prognosen für die künftige Kernkraftkapazität haben sich drastisch nach oben verschoben.«

Bis 2050 könnten die Kapazitäten im Vergleich zu 2024 laut Jahresbericht in einem Basisszenario um 50 Prozent steigen, in einem höheren Szenario sogar um mehr als das zweieinhalbfache.

Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge würde der Anteil von Atomstrom an der weltweiten Stromproduktion dennoch sinken oder maximal gleich bleiben – weil die Erzeugung vor allem aus erneuerbaren Quellen noch schneller wächst.

Mini-Atomkraftwerke bisher nicht marktfähig

Die IAEA rechnet dennoch schon seit Längerem mit einem Comeback des Atomstroms, darüber sind Debatten entbrannt. Atomkraftbefürworter setzen etwa auf kleine Kernkraftwerke, sogenannte Small Modular Reactors (SMRs). Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht in den Anlagen Potenzial.

Ihre eigenen Fachleute widersprachen ihr nach SPIEGEL-Informationen jedoch zuletzt: »Global gesehen sind SMRs derzeit noch nicht marktfähig«, heißt es in einer vertraulichen Unterrichtung, die dem SPIEGEL vorliegt .

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IAEA-Leiter Grossi betonte in der Vorstellung des Jahresberichts die Sicherheit von Kernkraft-Anlagen. Gleichzeitig sprach er an anderer Stelle über das Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine, Europas größtes Kernkraftwerk. Durch den russischen Angriffskrieg befände es sich weiterhin »in einer prekären Lage« mit häufigen Stromausfällen, begrenzten Dieselreserven für den Notfall »und militärischen Aktivitäten, die das Kraftwerk und die dort arbeitenden Menschen bedrohen«, so Grossi. Der Krieg in der Ukraine sei eine »beispiellose Bedrohung für die nukleare Sicherheit«.

Kommt die Atomkraft in Form von Minireaktoren nach Deutschland zurück? EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat der Union bereits im Frühjahr eine Debatte darüber beschert. Lesen Sie hier , warum das Kernkraft-Comeback wohl ausfallen wird.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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