Die US-Raumfahrtbehörde NASA hält an ihrem ambitionierten Zeitplan fest, bald wieder Menschen auf den Mond zu bringen. NASA-Administrator Jared Isaacman betonte am Freitag vor Journalisten, dass sich das einschlägige Artemis-Programm auf dem richtigen Weg befinde. Dies gelte ungeachtet anhaltender Bedenken, dass die für die kommenden Missionen erforderliche Hardware womöglich nicht rechtzeitig fertiggestellt werden könnte.
Erst kürzlich hatte ein internes Memo für Aufsehen gesorgt, in dem Isaacman die Artemis-III-Mission als rund drei Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegend bezeichnet hatte. Gleichzeitig unterstrich der NASA-Chef aber, dass es viele Chancen gebe, die Verzögerung wieder aufzuholen.
Nun gab die Behörde Einblicke in ihre Bemühungen zum Beschleunigen der Mission. Isaacman habe deutlich gemacht, dass das besagte Memo vor allem als zuversichtliche Botschaft verstanden werden müsse, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Auf die Frage, ob es gelingen werde, die verloren gegangenen 90 Tage einzuholen, räumte der NASA-Chef ein, dass es sich um einen dynamischen Prozess handle. In einigen Bereichen könnten die Beteiligten aufholen. Gleichzeitig sei damit zu rechnen, dass im Laufe des Projekts neue Herausforderungen auftauchen werden.
Mondlandung erst mit Artemis IV
Die NASA arbeitet schon seit fast einem Jahrzehnt an dem monumentalen, immer wieder von Rückschlägen geplagten Programm, um nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder Astronauten auf den Mond zu entsenden. Ein wichtiger Meilenstein war im April die Mission Artemis II, bei der eine vierköpfige Crew in einem Testflug um den Mond geschleudert wurde und kritische Erkenntnisse für die anstehende Landung lieferte.
Ursprünglich war geplant, die bemannte Landung im Rahmen der darauffolgenden Mission Artemis III durchzuführen. Im Februar sah sich der NASA-Chef aber veranlasst, das Programm in weiten Teilen umzustrukturieren.
Der modifizierte Plan sieht vor, vier Astronauten zunächst in eine niedrige Erdumlaufbahn zu schicken, wo sie an Lander-Prototypen andocken sollen. Diese werden von den privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX und Blue Origin entwickelt. Ziel ist es, entscheidende Manöver für die spätere Mondlandung im Orbit zu proben. Erst mit Artemis IV soll das Aufsetzen auf der Mondoberfläche geschafft werden – zum ersten Mal seit 1972 auch bemannt.
Funktionieren die Rakete und die Raumanzüge?
Trotz dieser Kursänderung bleibt das Vorhaben anspruchsvoll. In der Raumfahrtbranche herrscht weiter Skepsis, ob die von SpaceX und Blue Origin bereitgestellten Mondfähren rechtzeitig für die Missionen Artemis III und IV einsatzbereit sein werden. Aktuell justiert die NASA auch an anderer Stelle nach. So kündigte sie an, eine leistungsstärkere und weiterentwickelte Version ihrer Space-Launch-Systemrakete durch einen verlängerten oberen Abschnitt zu entwickeln. Als Hersteller ist das Gemeinschaftsunternehmen United Launch Alliance vorgesehen, hinter dem Boeing und Lockheed Martin stehen.
Ferner bestätigte die NASA, dass ihr kommerzieller Partner Axiom Space an einem wesentlich vereinfachten Design für die Raumanzüge der Artemis-IV-Mission arbeite, um den von US-Präsident Donald Trump festgelegten Stichtag im Jahr 2028 einhalten zu können. Noch im April hatte sich das Büro des NASA-Generalinspektors in einem offiziellen Bericht alarmiert gezeigt, dass der ursprüngliche Raumanzug-Entwurf von Axiom im schlimmsten Fall erst 2031 bereitstehen könnte. Mit den nun veranlassten strukturellen Anpassungen, der veränderten Taktung der Flüge, und der engen Einbindung privater Industriepartner versucht die Behörde, technische Hürden bei der Rückkehr der Menschheit zum Erdtrabanten zu umschiffen.
(nie)
Source: Heise · Stefan Krempl
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