Auf seiner Karibikreise ist König Charles III. von einem Wolkenbruch überrascht worden. Ein Regenschirm ließ auf sich warten – der Monarch befürchtete, ihm wachse nun »Brunnenkresse auf dem Anzug«.

02.11.2026, 08.42 Uhr

Charles III. pudelnass im Sir Vivian Richards Stadium in Saint George, Antigua and Barbuda: »When it rains, it pours« Charles III. pudelnass im Sir Vivian Richards Stadium in Saint George, Antigua and Barbuda: »When it rains, it pours«

Charles III. pudelnass im Sir Vivian Richards Stadium in Saint George, Antigua and Barbuda: »When it rains, it pours«

Foto: Aaron Chown / REUTERS

In Zeiten von Krieg und globalem Vernunftverlust bieten die kleinen Katastrophen der großen Leute eine seltsam antiquierte, und doch angenehme Art von Alltagsflucht. Deshalb soll hier von Charles III. berichtet werden, dem König des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland sowie von 14 weiteren, souveränen Commonwealth-Staaten – darunter auch Antigua und Barbuda.

Mit seiner Gattin Camilla war der Monarch anlässlich des 45. Jahrestages der Unabhängigkeit Antiguas zu einer Militärzeremonie geladen. Als der Himmel während der Veranstaltung – ausgerechnet zu den Klängen der Nationalhymne – plötzlich seine Schleusen öffnete, blieb der arme König im Regen stehen. Die Entourage schaffte es noch, Camilla einen durchsichtigen Kuppelschirm Schirm zu beschaffen, Charles III. jedoch wurde so nass, dass er später scherzte, auf seinem Anzug würde »bald Brunnenkresse wachsen«.

Zu Beginn des Wolkenbruchs allerdings schien er ein wenig verärgert, als er vergeblich versuchte, sich einen Regenschirm zu besorgen. Doch sein Umfeld schien auf diesen Ernstfall nicht gut vorbereitet. Und so lief der König ein wenig desorientiert hin und her, warf die Hände fragend in die Höhe und wunderte sich. Schließlich wurde auch für Charles ein Schirm aufgetrieben und ihm von seinem Adjutanten Major Ben Rigby gereicht.

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Dem britischen »Telegraph « zufolge war der Grund für die verspätete Regenschirmübergabe die Tatsache, dass nach antiguanischem Brauch jeder während der Nationalhymne stillstehen und schweigen müsse.

Von seinen Pflichten hielt das den König nicht ab: Er lief bei anhaltendem Regen quer durch das Stadion, inspizierte die versammelten Truppen und grüßte Hunderte junge Kadetten, Pfadfinder und Krankenpfleger, die an ihm vorbeimarschierten, um zu salutieren. Die Menge bejubelte den Monarchen.

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Der Regenguss hörte so schnell auf, wie er begonnen hatte. An den Ministerpräsidenten von Antigua und Barbuda, Gaston Browne, gewandt, scherzte Charles dann: »Ich glaube, mir wächst gleich Brunnenkresse auf dem Anzug.« Auch Königin Camilla nahm den Vorfall mit Humor: Nachdem sie sich mit Schirm in der Hand in die königliche Loge im Stadion gerettet hatte, scherzte sie darüber, dass Wind und Regen ihrer Frisur den Garaus gemacht hatten. »Ich habe es aufgegeben«, sagte sie Medienvertretern und zuckte mit den Schultern.

Karibische Staaten fordern von Wiedergutmachung für die Sklaverei

Antigua und Barbuda ist die letzte Station von König Charles III. auf seiner neuntägigen Karibikreise, bei der er auch die Bahamas und Guyana besuchte. Zwar soll die Reise Großbritanniens Verbundenheit mit der Region zeigen. Es gibt aber auch Proteste gegen den Besuch: Karibische Staaten fordern von Großbritannien eine Entschuldigung und Wiedergutmachung für die Sklaverei.

Premierminister Andy Burnham zeigt sich offen für eine offizielle Entschuldigung für die historische Rolle seines Landes beim Sklavenhandel. Finanzielle Entschädigungen allerdings lehne er ab, schrieb Burnham in einem Beitrag für die Zeitung »The Guardian« vor dem am Sonntag beginnenden Commonwealth-Gipfel im karibischen Inselstaat Antigua und Barbuda.

Höhepunkt wird am Dienstag die Rede des Königs beim Gipfeltreffen der 56 Commonwealth-Staaten in St. John's sein. Laut dem Palast wird Charles III. über das anhaltende Leid des Sklavenhandels sprechen, sich aber nicht formal dafür entschuldigen.

ala

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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