Polizisten arbeiten an einer Einsatzstelle in Trappes, nahe Paris, Frankreich

Tödlicher Angriff auf Passanten Anti-Terror-Behörde ermittelt nach Schüssen bei Paris

Stand: 23.10.2026 • 19:05 Uhr

Ein Toter, vier Schwerverletzte - darunter ein Kind: Nach den Schüssen eines Autofahrers auf Passanten südwestlich von Paris ermittelt die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft. Sie prüft auch, ob es einen rassistischen Hintergrund gibt.

Carolin Dylla

Die beiden Kleinstädte Trappes und La Verrière südwestlich von Paris stehen unter Schock. Am späten Vormittag hatte ein Mann dort aus einem Auto auf Passanten geschossen. Innenminister Laurent Nuñez bestätigte, dass ein 39-jähriger Tatverdächtiger festgenommen wurde. Außerdem habe die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Es handle sich um einen Terrorakt, sagte Nuñez.

Laut einer Pressemitteilung der Antiterror-Staatsanwaltschaft wird unter anderem wegen "Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben" ermittelt - in Zusammenhang mit der "tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit zu einer bestimmten (…) Ethnie, Nation oder Religion". Das könnte auf ein rassistisches Motiv hindeuten.

Was diese Einordnung betrifft, zeigt sich Aurore Bergé aber zurückhaltend. Sie ist als Ministerin zuständig für den Kampf gegen Diskriminierung und war am Nachmittag ebenfalls vor Ort. "Sollte sich der rassistische Charakter bestätigen, dann hoffe ich natürlich, dass die gesamte Nation sich hinter die Bewohner und die Opfer stellt", sagte sie. "Wir können in der französischen Republik keine auch noch so kleine rassistische oder diskriminierende Äußerung dulden. Wir wissen, dass Worte Gewalt nach sich ziehen können."

Bürgermeister: "Rassistisches Attentat"

Ali Rabeh, der Bürgermeister von Trappes, wählt deutlichere Worte. Er sprach von einem "rassistischen und wahrscheinlich islamfeindlichen Attentat". Laut Rabeh wurde ein Mann mit afrikanischen Wurzeln erschossen, einer der Verletzten stammt aus dem Maghreb. Bei der Festnahme seien eine Maschinenpistole sowie Tränengasgranaten sichergestellt worden, heißt es aus Polizeikreisen. Der Tatverdächtige sei vorbestraft, den Geheimdiensten bisher aber unbekannt.

In einem kurzen Pressestatement ging der Bürgermeister von der linken Partei Générations auch auf die zunehmend polarisierte Debatte in Frankreich ein.

Uns muss allen klar sein: Auch die Sprache und der Diskurs, die das ideologische Rüstzeug für solche Täter liefern, sind kriminell – und das müssen wir so benennen. Wer als Minister, Abgeordneter oder Präsidentschaftskandidat erklärt, dass alle Probleme dieser Gesellschaft die Schuld von Arabern und Muslimen sind: dem muss klar sein, dass dieser Diskurs für Tote sorgt.

Ein weiteres Symptom für die Spaltung?

Die Schießerei in Trappes könnte die ohnehin angespannte Sicherheitslage in Frankreich weiter verschärfen. Nach den gewaltsamen Ausschreitungen in der vergangenen Woche ist für morgen ein neuer Protesttag angekündigt.

Laut Innenministerium werden rund um die Demonstrationen 70.000 Polizisten im Einsatz sein, darunter auch Spezialeinheiten der Polizei. In der ohnehin aufgeheizten politischen Atmosphäre könnte Trappes zu einem weiteren Symptom für die tiefe Spaltung der französischen Gesellschaft werden.

Source: Tagesschau · Carolin Dylla

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