Marktbericht
Stand: 03.11.2026 • 14:33 Uhr
Die Zwischenwahlen in den USA leiten oft eine starke Börsenphase ein. Diesmal bergen sie aber eine Reihe von Stolpersteinen.
Seit Wochen sind die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten an der Börse in aller Munde. Was bedeuten die Midterms für den Börsenverlauf? Eigentlich leiten diese Zwischenwahlen in der Regel eine sehr gute Börsenphase ein. Meist steigen die Kurse in den zwölf Monaten danach überdurchschnittlich.
So folgt auf die Midterms das dritte Jahr im amerikanischen Präsidentschaftszyklus, das meist ein gutes Börsenjahr ist. Mit Blick auf die nächste Präsidentschaftswahl ist die herrschende Partei hier oft bemüht, die Wirtschaft zusätzlich anzukurbeln und sich mit unpopulären Steuererhöhungen und Regulierungen zurückzuhalten.
Das war übrigens auch nach den Midterms in der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump so. In den zwölf Monaten nach der Wahl im November 2018, in der die Demokraten das Repräsentantenhaus eroberten, stieg der marktbreite S&P 500 Index um fast zwölf Prozent.
Sorge vor Eskalation im Iran-Krieg
Diesmal könnte es aber ein paar mehr Stolpersteine für dieses Szenario geben als üblich. Vor allem geht an den Märkten die Sorge um, dass US-Präsident Trump nach den Wahlen einen Großangriff auf Iran plant, um doch noch eine militärische Lösung des Konflikts zu versuchen - obwohl Trump dies dementiert. Das würde erneut die Ölpreise antreiben und die Inflationssorgen verschärfen.
In kurzfristiger Perspektive droht eine Phase politischer Unsicherheit, da es manchmal Tage dauert, bis die Mehrheitsverhältnisse im Kongress feststehen. Diesmal könnte das vor allem in Senat der Fall sein, wo das Rennen als besonders eng gilt. Trump selbst könnte für zusätzliche Verunsicherung sorgen, indem er die Wahlergebnisse einmal mehr anzweifelt und anficht.
Machtverschiebung könnte Tech-Branche belasten
Was die Ergebnisse der Wahl angeht, wird die oft zu beobachtende Schwächung des Präsidenten an den Märkten meist positiv aufgenommen. "Eine geteilte Regierung könnte die Aussicht auf größere politische Veränderungen verringern und damit auch die politische Unsicherheit für die Finanzmärkte", sagte Tim Murray, Kapitalmarktstratege bei T. Rowe Price.
Gleichzeitig warnte Murray aber, dass eine Machtverschiebung hin zu "progessiveren Politikern" der Demokraten, die für Vermögenssteuern und andere Umverteilungsmaßnahmen eintreten, bei den Anlegern Besorgnis auslösen könnte.
Sollten die Demokraten die erwartet das Repräsentantenhaus und möglicherweise auch den Senat wieder erobern, fürchten Investoren zudem, dass die Technologiebranche vielleicht doch stärker reguliert wird als zuvor. Das wäre ein weiterer Schlag gegen die gerade wackelnde Technologiebörse Nasdaq. Ähnliches gilt für den boomenden Öl- und Energiesektor.
Auch über Folgen für den KI-Boom auf der Ebene der Einzelstaaten wird diskutiert. "Wir sehen durchaus ein Risiko für den Ausbau der KI-Infrastruktur, insbesondere in Form von Rechenzentren", sagte US-Politikexpertin Libby Cantrill vom US-Vermögensverwalter PIMCO. "Gerade unter den Gouverneurskandidaten machen viele gezielt Wahlkampf gegen Rechenzentren und fordern ein vollständiges Moratorium. Ob es tatsächlich so weit kommt, bleibt abzuwarten." Wegen des hohen Wasser- und Energieverbrauchs sind die Bauvorhaben der Branche vielerorts umstritten.
DAX fällt leicht zurück
Diese Unsicherheiten belasten am Wahltag auch den deutschen Aktienmarkt. Dem DAX machen aber vor allem der neue Schlagabtausch im Persischen Golf und ein enttäuscht aufgenommener Ausblick des Tech-Giganten Apple zu schaffen. Bis zum frühen Nachmittag hat der deutsche Leitindex seinen Verlust aber auf ein halbes Prozent auf 25.850 Punkte eingegrenzt.
Source: Tagesschau · Detlev Landmesser
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