Der Künstler Anselm Kiefer, 81, hat sich einem Interview mit der »Stuttgarter Zeitung«  zu einigen aktuellen Themen geäußert: KI, Erreichbarkeit, die Rolle der Kunst und auch des Faschismus in der Gesellschaft.

»Vor einer KI-Zukunft habe ich tatsächlich Furcht«, sagte Kiefer der »Stuttgarter Zeitung« . Die Geschwindigkeit, mit der heute kommuniziert werde, sei erschreckend. »Diese ständige digitale Verfügbarkeit ist eine kulturelle Verarmung.« Früher habe man oft tagelang warten müssen, bis man etwa auf einen Brief eine Antwort bekommen habe. »Wartezeit ist wichtig«, betonte der Künstler. Sie sei für das Denken unverzichtbar.

Optimistisch äußerte sich Kiefer hingegen über die Rolle der Kunst: »Was aber bleibt, das ist die Kunst, sie ist etwas Ewiges, in ihr steckt mehr Wahrheit als in irgendetwas.« Mit Blick auf die aktuellen Wahlerfolge der AfD sagte Kiefer, nach dem Zweiten Weltkrieg seien rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft verdeckt und verdrängt worden. »Aber es war immer da.« Dass sie nun wieder aufkämen, überrasche ihn nicht. Er habe schon früh gesagt, »dass der Sumpf nicht ausgetrocknet ist«. Nun brodele es. »Diese faschistischen Züge verschwinden nicht einfach.« Man müsse sich damit auseinandersetzen, dagegen kämpfen.

Kiefer zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern. Seine Werke sind unter anderem im Louvre und im Pariser Pantheon ausgestellt. Der im deutschen Donaueschingen geborene Kiefer setzt sich häufig mit Kriegserfahrungen und der deutschen Geschichte auseinander. Er hat sich von Dichterinnen und Dichtern wie Ingeborg Bachmann und Paul Celan inspirieren lassen, aber auch von jüdischer Mystik. Neben Blei verarbeitet er oft verbranntes Holz, getrocknete Pflanzen, Asche und Stofffetzen.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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