In der dunklen Jahreszeit versuchen viele Menschen, sich und ihre Kinder im Straßenverkehr mit reflektierender Kleidung zu schützen. Eine aktuelle Stichprobe des ADAC legt allerdings nahe, dass das nicht immer hilfreich ist.

Reflektierende Jacken und Hosen bringen nämlich teilweise Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung aus dem Konzept, wenn es dunkel ist. Ausgerechnet bei Kindern mit reflektierender Kleidung und Schulranzen schnitten die Autos am schlechtesten ab, wie der Automobilclub mitteilte.

Überprüft wurde demnach, wie Autos verschiedener Hersteller mit unterschiedlicher Sensorik nachts auf Dummys reagierten. »Die Ergebnisse können nicht von einem Fahrzeug auf das andere übertragen werden«, sagte ADAC-Pressesprecher Fabian Faehrmann auf Anfrage – jedoch liege der Verdacht nahe, dass auch andere Fahrzeuge mit gleichen Systemen vor ähnlichen Problemen stehen könnten. Das gelte insbesondere für andere Modelle im jeweiligen Konzern, die einheitliche Assistenzsysteme verwenden.

Bremsen die Autos rechtzeitig?

In der Stichprobe wurde unter anderem getestet, ob Autos rechtzeitig bremsen können. Trug die erwachsene Attrappe laut ADAC eine handelsübliche Warnweste, hielten alle Fahrzeuge rechtzeitig an. Ganz anders sah es bei genormter Arbeitskleidung aus, wie sie etwa Rettungskräfte, die Polizei, Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter tragen: Fast alle Systeme erkannten die Person nicht oder zu spät.

Ein Straßenwachtfahrer würde in seiner Kleidung von einem Notbremsassistenten in der Nacht übersehen werden

Ein Straßenwachtfahrer würde in seiner Kleidung von einem Notbremsassistenten in der Nacht übersehen werden

Foto: ADAC / obs

Der ADAC testete zudem, wie die Autos sich beim Aufeinandertreffen mit Kindern verhielten: Ein Kind in dunklem Outfit erkannten alle Fahrzeuge, während fast jedes System bei Kindern mit reflektierender Kleidung versagte. »Die Vermutung unserer Experten ist, dass Reflexionsstreifen nah über dem Boden die Systeme durcheinanderbringen«, sagte Faehrmann dazu. Diese seien beispielsweise auf einer Arbeitshose oder der Kleidung eines Kindes auf einem Fahrrad zu finden.

Notbremsassistenten sind seit Juli Pflicht für Neuzulassungen

Laut ADAC liegt das Problem weniger an Kamera oder Sensoren als an der Software, die Verkehrsteilnehmende einordnet. Nur eines der getesteten Autos erkannte ein Kind in Reflexkleidung, das hinter einem parkenden Wagen auf die Straße lief.

Der ADAC fordert nun schnelle Nachbesserungen. »Die Hersteller sind gefordert, die Systeme zu optimieren«, teilte der Sprecher mit. Das könne, wo möglich, auch mittels Updates geschehen.

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Seit Juli 2026 ist der Notbremsassistent mit Fußgängererkennung für alle Neuzulassungen vorgeschrieben. Allerdings handle es sich bei diesem Szenario nicht um eine gesetzliche Verpflichtung. »Die Anforderungen in dieser Studie gehen bewusst über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, um Verbesserungspotenziale aufzuzeigen.«

Eltern sollten Kinder dennoch weiter mit Warnkleidung ausstatten

Der Club rät Autofahrerinnen und Autofahrern, sich nicht auf Assistenzsysteme zu verlassen. Wer am Steuer sitzt, trägt die Verantwortung und sollte im Zweifel selbst bremsen.

Eltern sollten ihre Kinder darüber hinaus trotzdem weiter mit Warnkleidung zur Schule schicken: Laut ADAC bringt die bessere Sichtbarkeit deutlich mehr Sicherheit als das Risiko durch einen versagenden Assistenten.

Die Ergebnisse der einzelnen Autos lassen sich laut ADAC nicht direkt vergleichen, weil für jedes Fahrzeug eine andere Testgeschwindigkeit galt.

Wenn Kinder nicht allein im Straßenverkehr unterwegs sein sollen, gibt es Alternativen: Lastenrad, Anhänger, Fahrradsitz. Welche Variante ist am sichersten? Das lesen Sie hier. 

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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