Fußball-Zweitligist Hannover 96 hat sich nach nur fünf Monaten von Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt getrennt. Der langjährige Vorstand des Hamburger SV ist damit nach Jörg Schmadtke bereits der zweite namhafte Fußballmanager, der den Club in diesem Kalenderjahr nach nur kurzer Zeit wieder verlässt.
»Der für die Bestellung der Geschäftsführung zuständige Aufsichtsrat der Hannover 96 Management GmbH hat sich einstimmig auf die Abberufung Boldts verständigt. Die Entscheidung gilt mit sofortiger Wirkung«, hieß es in der kurzen Mitteilung der Niedersachsen. Damit ist Henning Bindzus alleiniger Geschäftsführer der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA.
Boldt hatte bei Amtsantritt vor nicht einmal einem halben Jahr einen Vertrag bis Ende Mai 2029 unterschrieben. Die »Bild«-Zeitung hatte bereits nach der Derby-Niederlage bei Eintracht Braunschweig (0:2) darüber berichtet, dass sich vor allem der Aufsichtsratschef und langjährige Clubboss Martin Kind frühzeitig von Boldt abwendete.
Ex-Sportchef Boldt und Trainer Wagner
Foto: Michael Taeger / Jan Huebner / IMAGOZudem missfiel der Führungsebene laut der »Neuen Presse« und der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«, dass Boldt vor dem Derby bei einem Hyrox-Event auf einem Kreuzfahrtschiff war. Dafür soll er sich freigenommen haben, doch Kind und Co. waren mit Boldts Abwesenheit vor dem wichtigen Spiel nicht einverstanden.
Nach fünf Jahren beim HSV hatte der 44-jährige Boldt seinen Job in Hannover erst im Juni mit dem klaren Ziel angetreten, Hannover in die Bundesliga zurückzuführen. Dass der Aufstiegskandidat nach neun Spieltagen mit acht Punkten nur auf Platz 16 der Tabelle liegt und auch im DFB-Pokal schon in der zweiten Runde ausschied, fällt in die Verantwortung des Sport-Geschäftsführers.
Streit mit Titz über Transfers
Schon früh in der Sommervorbereitung überwarf sich Boldt mit dem damaligen Trainer Christian Titz. Bei der Kaderplanung, Kadergröße und bei ihren Wunschtransfers vertraten beide sehr unterschiedliche Positionen.
Nach einem enttäuschenden Start in die neue Saison kam es schon nach dem fünften Spieltag im September zur Trennung von Titz. Boldt verpflichtete Sandro Wagner als Nachfolger. Das Problem: Seitdem läuft es nicht besser. Aus den ersten drei Ligaspielen unter Wagner holte 96 einen Punkt, zudem flog man gegen Kaiserslautern aus dem DFB-Pokal und spielerisch war ein Rückschritt im Vergleich zu Titz zu erkennen.
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Angekreidet wird dem früheren Sportdirektor von Bayer Leverkusen auch die Transferpolitik. Im Sommer verlor Hannover mit Noel Aseko (Eintracht Frankfurt), Enzo Leopold (Borussia Mönchengladbach) und Daisuke Yokota (Glasgow Rangers) drei ambitionierte Spieler an Erstliga-Clubs. Als Ersatz kamen Marcel Hartel und Berat Sahiti, die aber bislang weder sportlich überzeugten noch einen großen Weiterverkaufswert haben. Der Streit zwischen Boldt und Titz blockierte im Sommer zahlreiche Transferideen.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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