Zwei Jahre Haft zusätzlich: auch beim vierten Mal glaubt das Gericht René Benko nicht
Das Landesgericht Innsbruck spricht den Signa-Gründer schuldig, die Stiftung seines einstigen Förderers Hans Peter Haselsteiner um fünf Millionen Euro gebracht zu haben. Vom Vorwurf, ein Jagdgewehr vor den Gläubigern versteckt zu haben, wird er freigesprochen.
Georg Renner, Wien05.11.2026, 18.50 Uhr
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Wieder einmal schuldig: Der gefallene Signa-Gründer René Benko.
Angelika Warmuth/Reuters
Nach knapp zwei Stunden Beratung verkündet Richter Norbert Hofer das Urteil: René Benko ist wieder einmal – schuldig. Diesmal wegen schweren Betrugs zum Nachteil der Haselsteiner-Familienstiftung. Zwei Jahre Haft erhält Benko diesmal, die zu jenen 30 Monaten hinzugerechnet werden, zu denen er schon im September rechtskräftig verurteilt worden war. Viereinhalb Jahre sind es also insgesamt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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Es geht um 5 Millionen Euro
Im Zentrum des zweitägigen Prozesses stand eine notariell beglaubigte Garantie, die Benko am 6. November 2023 – drei Wochen vor der Insolvenz seiner Signa Holding – dem Milliardär und Bauunternehmer Hans-Peter Haselsteiner gegeben hatte. Dessen Familienstiftung hatte 2022 Aktien der Signa Development für knapp fünf Millionen Euro gezeichnet. Bezahlt werden sollten sie nicht in bar, sondern mit der Hälfte einer Dividende von rund zehn Millionen, die der Stiftung zustand. Die Dividende wurde gestundet – und kam nie.
Als im Herbst 2023 die Signa-Tochter Sportscheck dringend fünf Millionen brauchte, überwies die Stiftung das Geld – gegen Benkos persönliches Versprechen, es fliesse bis Ende Juni 2024 zurück. Doch im März 2024 war Benko auch privat insolvent. Für die Anklage war die Garantie «nichts anderes als eine schriftliche Lüge», mit der Benko «frisches Kapital» herausgelockt habe, obwohl er wusste, dass er nicht zahlen konnte. «Ein klassischer Betrug».
Die Verteidigung hielt dagegen, Haselsteiner habe bloss eine längst überfällige Schuld beglichen: Der Kaufpreis für die Aktien sei Ende 2022 fällig geworden, es gebe weder Täuschung noch Schaden. «Überspitzt formuliert ist das ein Mord ohne Leiche», so Benkos Anwalt Norbert Wess.
Diese Verknüpfung der Garantie mit einem alten Aktienkauf nannte das Gericht in seinem Schuldspruch «völligen Holler»: Haselsteiner habe Sportscheck retten wollen und keinen Zusammenhang mit dem Aktienkauf gesehen, und Benko habe wissen müssen, dass er das Geld nicht würde zurückzahlen können. Die Lage sei «relativ klar».
Der zweite Anklagepunkt, betrügerische Krida, also die vorsätzliche Schädigung von Gläubigern, drehte sich um eine Flinte im Wert von 80 000 Euro mit goldverzierten Initialen «RB»: Sie gehörte der Signa Holding, blieb nach deren Insolvenz aber bei Benko und wurde den Gläubigern nicht gemeldet. Benko hält dagegen: Beim Verkauf der Firmenwaffen sei just dieses Stück «vergessen» worden, es sei «reiner Zufall». Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sieht aber darin ein Muster. Benko habe wie schon in einem früheren Prozess Luxusgüter an den Gläubigern vorbeizuschleusen versucht. Hier folgt ihr das Gericht nicht, in diesem Anklagepunkt wurde Benko freigesprochen.
Streitereien vor Gericht
Begonnen hatte der Prozess am Mittwoch mit einem Schlagabtausch der einstigen Geschäftsfreunde. Haselsteiner, 82, Gründer des Baukonzerns Strabag und einer der reichsten Männer Österreichs, war seit 2013 an der Signa beteiligt und bis zum Kollaps einer von Benkos treuesten Fürsprechern. Als Zeuge sagte er, Benko habe ihm «Stein und Bein geschworen», das Geld zurückzuzahlen; dass der nicht einmal fünf Millionen hatte, «auf die Idee wäre ich nie gekommen».
Benko konterte: Wenn Haselsteiner behaupte, getäuscht worden zu sein, «dann lügt er»; der Industrielle habe ihm die Garantie «in der Hitze des Gefechts aufs Auge gedrückt». Am Donnerstag verlas der Richter ein abgehörtes Telefonat vom Sommer 2024, in dem Haselsteiner seinem Schuldner «noch eine Woche» gab: Es sei lächerlich, dass Benko keine fünf Millionen habe, das glaube ihm kein Mensch.
Benko, der einst als einer der reichsten Männer Österreichs galt, ist seit Januar 2025 in Untersuchungshaft. Seit Oktober darf er diesen mit Fussfessel in einer Innsbrucker Mietwohnung verbringen. Rechtskräftig verurteilt ist er bisher nur wegen betrügerischer Krida: 300 000 Euro für seine Mutter, eine vorausbezahlte Miete einer Villa, vor den Gläubigern versteckte Luxusuhren. Rund um die Signa-Pleite laufen allerdings noch 17 weitere Ermittlungskomplexe.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Georg Renner, Wien
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