Zurück zu den Anfängen der Beatles: ein monumentales Museum für die Fab Four in Liverpool
Ab 2028 soll mitten im Zentrum eine multimediale Erlebniswelt an die berühmte Band erinnern – und nebenbei das Image der Stadt aufpolieren. Für die Ausstellung werden sogar Originalschauplätze nachgebaut.
22.10.2026, 05.30 Uhr
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Allgegenwärtig in Liverpool: Porträts der Beatles an einer Hauswand.
Christopher Furlong / Getty
Im globalen Wettbewerb unter den grossen Städten werden sogenannte «weiche» Standortfaktoren immer bedeutsamer. So möchte Zürich nicht nur als Handels- und Finanzmetropole wahrgenommen werden, sondern auch als kulturell attraktives Pflaster. Berlin findet sich als Stadt der Klubs mindestens ebenso «sexy» (wenn auch notorisch unterfinanziert) wie als deutsche Hauptstadt. Und in Hamburg hat man vorgemacht, wie durch den Bau eines spektakulären Gebäudes, der Elbphilharmonie, aus einer Hafen- und Kaufmannsstadt eine erste Adresse im internationalen Musikleben werden kann.
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Nicht zufällig erinnert man ebendort nun verstärkt daran, dass Hamburg auch eine Beatles-Stadt ist. Hier, in den Etablissements rund um die damals noch schwer verruchte Reeperbahn, legten die späteren Fab Four Anfang der 1960er Jahre das Fundament für ihre Weltkarriere. Wie entscheidend diese ersten Auftritte im «Indra», im «Kaiserkeller» und im «Star Club» waren, zeigt der Umstand, dass deren Räumlichkeiten nun eins zu eins nachgebaut werden – in Liverpool. Denn auch dort, am Gründungsort, will man sich mithilfe der Band noch attraktiver machen und in ganz grossem Stil an die Pilzköpfe erinnern. Bis 2028 soll dafür ein monumentales Museum errichtet werden.
Immersive Zeitreise
Das Projekt wurde von der bandeigenen Gesellschaft Apple Corps initiiert und soll die 1990 eröffnete Ausstellung «The Beatles Story» im Royal Albert Dock ablösen. Mit einer Fläche von knapp zehntausend Quadratmetern wird die Beatles-Erlebniswelt gut viermal so gross. Zudem rückt sie mitten in die Innenstadt und belebt einen Lost Place: den seit 2024 geschlossenen St John’s Market nahe dem Hauptbahnhof. Britische Medien bewerten diesen Schritt schon jetzt als historische Weichenstellung für die Stadtentwicklung.
Das St John’s Shopping Centre in Liverpool wurde 2024 geschlossen. Jetzt soll es der Standort des neuen Beatles-Museums werden.
Mike Kemp / Getty
Skulpturengruppe mit George Harrison, John Lennon, Paul McCartney und Ringo Starr, geschaffen vom Bildhauer Andy Edwards, im Stadtzentrum von Liverpool.
Imago
Das Museumskonzept setzt auf eine mehrstündige immersive Zeitreise, die Besucher chronologisch durch die Karriere der Band führt. Geplant sind auch detailgetreue Rekonstruktionen bedeutsamer Orte: darunter neben den besagten Reeperbahn-Klubs etwa die Liverpooler Elternhäuser der Musiker, der «Cavern Club», wo die Band bis 1963 fast 300 Konzerte gab und zu ihrem Stil fand, sowie die Abbey Road Studios, wo die wichtigsten Alben aufgenommen wurden. Das Vorhaben wird eng verzahnt mit einem vierteiligen Biopic des Regisseurs Sam Mendes. Die Kulissen und Requisiten der für 2028 angekündigten Produktion sollen Teil der Ausstellung werden.
Als Clou des Projekts ist ausserdem die Einbindung des benachbarten Turms St John’s Beacon vorgesehen. Der 130 Meter hohe Sendeturm – lange Zeit als Radio City Tower ein Wahrzeichen der Stadt – wird zu einer Erlebniswelt rund um den Zeichentrickfilm «Yellow Submarine» umgestaltet. Auf der Turmspitze entsteht eine 360-Grad-Aussichtsplattform, die psychedelische Kunst mit Panoramablicken auf reale Schauplätze der Bandgeschichte verbinden wird.
Ein Sänger im «Cavern Club» in Liverpool, wo die Karriere der Beatles begann.
Christopher Furlong / Getty
Beliebtes Touristenziel: Eingang zum «Cavern Club» in Liverpool.
Mike Kemp / Getty
Breites Echo – und praktischer Nutzen
In der britischen Musikwelt und in der Region stösst das Vorhaben auf breite Resonanz. Paul McCartney bezeichnete die Pläne als Ausdruck der unzertrennlichen Bindung der Band an ihre Heimat. Tom Greene, der Geschäftsführer von Apple Corps, verglich das künftige Areal mit Graceland, dem früheren Anwesen von Elvis Presley in Tennessee. Der Beatles-Experte Mike Jones von der Universität Liverpool warnte dagegen vor einer «Disneyfizierung» der Stadt und der Band. Indes feiert Steve Rotheram, der Metro Mayor der Liverpool City Region, das Vorhaben bereits jetzt als Meilenstein für die internationale Anziehungskraft der Stadt.
Einen praktischen Nutzen hat es auf jeden Fall: Ein Anteil jeder verkauften Eintrittskarte soll lokalen Nachwuchsmusikern zugutekommen – vielleicht setzt unter ihnen ja gerade wieder jemand an zum grossen Sprung.
Der Turm St John’s Beacon, lange Zeit als Radio City Tower ein Wahrzeichen der Stadt, wird zu einer Erlebniswelt rund um den Zeichentrickfilm «Yellow Submarine» umgestaltet.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Christian Wildhagen
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