Zugunglück südlich von Madrid Minister: «Falsche Entscheidung» führte zu Zug-Kollision
In der spanischen Provinz Toledo sind zwei Hochgeschwindigkeitszüge ineinandergeprallt. Die wichtigsten Antworten.
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Was ist passiert? Beim Zusammenstoss zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Urda in der spanischen Provinz Toledo sind laut neusten Behördenangaben mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen, 50 wurden schwer verletzt. Eine Sprecherin der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha bestätigte zudem dutzende Verletzte. Ein Grossaufgebot an Einsatzkräften war vor Ort. Es handelt sich um eines der schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre in Spanien.
Wie kam es zum Unglück? Der Unfall ereignete sich Medienberichten zufolge kurz vor 9 Uhr morgens. Beide Züge waren auf der viel befahrenen Strecke von Madrid in Richtung Süden nach Andalusien unterwegs. Nach Angaben aus Kreisen des Bahnnetzbetreibers Adif prallte ein Zug von hinten auf den anderen. Der spanische Verkehrsminister hat erklärt, es kam zum Zusammenstoss, nachdem dem Renfe-Zug trotz eines aktiven Rotsignals autorisiert wurde, weiterzufahren. Das Rotsignal sei aufgrund eines Computerkommunikationsfehlers ausgelöst worden, der den Verkehr automatisch stoppte. Daraufhin sei der fehlerhafte Entscheid getroffen worden, den Renfe-Zug wieder anfahren zu lassen.
Opferzahl könnte weiter steigen: Der Präsident der Region Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, sagte vor Ort vor Medienschaffenden, dass es noch weitere Tote geben könne, «weil es bislang noch nicht möglich war, bis ins Innere aller Waggons vorzudringen». Die Zahl der Schwerverletzten wurde mit rund 50 angegeben. Zu Ausländern unter den Opfern wurde vorerst nichts bekannt. Am Unglücksort waren Feuerwehrleute sowie Zivilschutzkräfte aus umliegenden Gemeinden im Einsatz. Zudem wurden drei Rettungshelikopter und mobile Intensivstationen zur Versorgung der Verletzten eingesetzt.
Überlebende schilderten Medien die dramatischen Momente des Unglücks. Jesús Jerónimo sass in einem Waggon des Renfe-Zugs und arbeitete an seinem Laptop. «Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft», sagte der 54-Jährige der Zeitung «El País».
«Es war brutal», erzählte Dirk, ein junger Tourist aus dem US-Staat Florida, im RTVE-Interview. «Überall Blut, Schreie. Menschen heulten. Schnell raus hier, habe ich zu meiner Frau gesagt.» Der Pfarrer von Urda kämpfte im Gespräch mit RTVE mit den Tränen: «Es war erschütternd, sehr, sehr hart. Ich konnte einigen Verletzten helfen, andere Betroffene in den Arm nehmen und ihnen Trost spenden.» Ein Psychologe, der in Madrid Angehörige möglicher Opfer betreute, sagte im Fernsehen: «Es ist wie in einem Horrorfilm.»
Welche Züge waren beteiligt? Bei dem Unglück entgleisten zwei Waggons eines Zuges des privaten Bahnunternehmens Iryo. Die Waggons stürzten nach Informationen des Fernsehsenders RTVE einen Bahndamm hinunter. Der zweite Zug stammt von der staatlichen Bahngesellschaft Renfe. Nach Angaben einer Sprecherin der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha waren im Iryo-Zug 146 Passagiere und ein Baby an Bord. Im Zug von Renfe hätten sich 397 Menschen befunden.
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Bild 1 von 5. In Spanien ist es zu einem verheerenden Zugunglück gekommen. Bildquelle: AP Photo / Manu Fernandez.
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Bild 2 von 5. Bei dem Unglück nahe Urda in der Provinz Toledo waren ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo und ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe kollidiert. Bildquelle: EPA / GUARDA CIVIL.
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Bild 3 von 5. Es gibt Dutzende Tote und Verletzte, wie die Behörden mitteilten. Bildquelle: Juanma Jimenez / Europa Press via AP.
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Bild 4 von 5. Zahlreiche Rettungskräfte sind vor Ort im Einsatz. Bildquelle: EPA / ISMAEL HERRERO.
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Bild 5 von 5. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez drückte unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks sein Mitgefühl gegenüber den Opferfamilien und den Verletzten aus. Bildquelle: EPA / ISMAEL HERRERO.
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Ist menschliches Versagen die Ursache? Warum es zu dem Unglück kam, war zunächst unklar. Der Iryo-Zug war offenbar aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen gekommen. Der nachfolgende Renfe-Zug sei kurz vor neun Uhr auf ihn aufgefahren, hiess es aus Kreisen des spanischen Bahnnetzbetreibers Adif. Nach ersten Ermittlungen könnte menschliches Versagen die Ursache sein, berichtete die Zeitung «El País».
Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen, wie der spanische Bahnnetzbetreiber Adif mitteilte.
Wie reagiert die Regierung? Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez äusserte sich auf X zu Wort. Er sei bestürzt über den Vorfall, schreibt er. «Meine Anteilnahme, meine Solidarität und meine Unterstützung gelten allen Opfern und ihren Familien.» Er bleibe in ständigem Kontakt mit dem Verkehrsminister und dem Präsidenten von Kastilien-La Mancha. Das Innenministerium in Madrid ordnete den Einsatz der Militärischen Nothilfeeinheit UME an.
Erinnerungen an Unglück im Januar: Das Unglück weckt Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe vom Januar bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stiess mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.
SRF 4 News, 28.10.2026, 10:30 Uhr ; dpa/rtr/schn;lehl;mcep
Source: SRF · 28.10.2026, 10:35
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