Zittern sollen sie, die «Verbrecher» in den Redaktionen – wie Linksradikale Journalisten zum Schweigen bringen wollen

Die Partei La France insoumise und ihre Sympathisanten schüren schon lange Hass gegen Journalisten und Medien. Jetzt zeigen sich die Folgen.

Nora Bussigny22.10.2026, 05.30 Uhr

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«Einen kleinen Krawattenknoten um den Hals schlingen»: Der Sender CNews, hier während einer Sendung mit Pascal Praud, steht besonders im Fokus von Linksradikalen.

«Einen kleinen Krawattenknoten um den Hals schlingen»: Der Sender CNews, hier während einer Sendung mit Pascal Praud, steht besonders im Fokus von Linksradikalen.

Sarah Meyssonnier / Reuters

«Und wenn am 17. Oktober die Kanäle der feindlichen Propaganda abgeschaltet würden?» Die Frage war am 16. Oktober auf der ultralinken französischen Website «Contre Attaque» zu lesen, einen Tag vor den schweren Ausschreitungen in Frankreich, bei denen Hunderte Polizisten verletzt, zahlreiche Geschäfte geplündert und öffentliche Gebäude gestürmt wurden.

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Der lange Text auf «Contre Attaque» erschien gekürzt auf einem Instagram-Konto, das 421 000 Abonnenten zählt – mit den genauen Adressen von mehreren französischen Medienredaktionen. CNews und Europe 1, der öffentlichrechtliche Sender France Télévisions, die Gruppe RMC und BFMTV, die Zeitungen «Le Parisien» und «Les Échos» sowie der Sender TF 1 / LCI.

Nicht nur rechte Sender sind Ziele für Gewalt

Die Anweisung von «Contre Attaque» war klar: Diese Medien solle man zum Schweigen bringen, da ihre Kommentatoren «für sehr reale Verbrechen verantwortlich» seien (namentlich indem sie Falschinformationen verbreiteten und die radikale Linke gefährdeten, indem sie diese kritisierten). Besonders in der Hauptstadt sei es «extrem einfach», Medien anzugreifen, denn: Ihre Hauptsitze fänden sich fast alle im gleichen Viertel, «sie sind zugänglich und verletzlich».

Am 17. Oktober um 7 Uhr griffen etwa einhundert Personen, laut der Polizei vermummt, die Zentrale von CNews an, in der auch Europe 1 und das «Journal du Dimanche» («JDD») untergebracht sind, allesamt Medien, die dem rechtskonservativen Unternehmer Vincent Bolloré gehören. Die Redaktion des «JDD» gab an, die Vermummten hätten Journalisten mit Glasflaschen beworfen, einige mussten in ein Restaurant fliehen.

Mehr als zwanzig Personen wurden nach der Attacke in Gewahrsam genommen, es war der Auftakt für Hunderte Polizeifestnahmen im Laufe des Tages. In den sozialen Netzwerken wurden die Angreifer gefeiert und angefeuert, «zittern» sollten die Journalisten. Einige wagten jedoch Vorbehalte zu äussern, insbesondere wegen des Senders France Télévisions, der weit davon entfernt ist, rechts zu sein.

Aber, so wurden diese Zweifler von «Contre Attaque» belehrt, «fast alle Kommentatoren» von France Info agitierten für einen Sieg des rechtsnationalen Rassemblement national von Marine Le Pen. Eine vorsätzliche Desinformation, die zeigt, worum es den Linksradikalen wirklich geht: die Destabilisierung der Demokratie und ihrer Institutionen.

Flucht mit Stirnverletzung und zerbrochener Kamera

Es war auch nicht die erste derartige Attacke im Zuge der derzeitigen Demonstrationen und Ausschreitungen. Kulturministerin Catherine Pégard erklärte bereits am 16. Oktober, die Gewalt gegen Journalisten sei «inakzeptabel». So hatte es am 30. September einen Korrespondenten des Senders M6 getroffen, der nach Marseille gekommen war, um die Blockade des Gymnasiums Saint-Exupéry zu filmen. Protestierende umringten ihn und traktierten ihn mit Schlägen, so dass er mit einer Stirnverletzung und einer zerbrochenen Kamera abreisen musste. M6 kündigte an, Anzeige zu erstatten.

Am Tag zuvor wurde in Saint-Denis ein Team des Senders BFMTV, das seit 6 Uhr morgens über die Blockade eines Gymnasiums berichtete, beschimpft und tätlich angegriffen. Der Sender kündigte eine Strafanzeige an.

Statt sich hinter die angegriffenen Journalisten zu stellen, lobte der Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, auf X eine Gymnasiastin, die erklärte, das Team sei vertrieben worden, weil BFMTV ein «rassistisches» Medium sei. Stichhaltige Belege für diesen Vorwurf lieferte die junge Frau nicht.

Die Journalistenvereinigung von BFMTV kritisierte in einer Mitteilung, die «Reaktion von Herrn Bagayoko» sei empörend. Ein Mandatsträger der Republik sollte «keine Gewalt gegen Medien unterstützen».

Bally Bagayoko gehört der Partei La France insoumise (LFI) von Jean-Luc Mélenchon an, die immer wieder Gewalt und Antisemitismus legitimiert. Gewalt gegen Unterdrückung, so drückte es Bagayoko zu Beginn der Schülerproteste aus, sei gerechtfertigt.

Mélenchons «gerechter» Kampf gegen die Medien

Bei LFI, die ihr ungenehme Journalisten gerne als «Faschos» beschimpft, hat die Medienfeindlichkeit eine lange Tradition. «Hass auf die Medien», so schrieb Jean-Luc Mélenchon 2018, könne durchaus «gerecht und gesund» sein, das Verhältnis zu ihnen müsse als «Kampf» betrachtet werden. «Viele Freunde» hätten «noch nicht verstanden, dass wir keinen anderen konkreten Gegner als die ‹Medienpartei› haben».

Mélenchon schrieb das, nachdem mehrere Zeitungen seine Wahlkampfkonten durchleuchtet hatten. Ein Kampf gegen eine Verschwörung also, der bis heute nichts von seiner Schärfe verloren hat. Im August 2025 verweigerte Mélenchons Partei einem Journalisten der Zeitung «Le Monde» den Zugang zu ihrer Sommeruniversität, weil dieser ein kritisches Buch geschrieben hatte.

Im Februar 2026 forderte die LFI-Kandidatin für das Pariser Bürgermeisteramt, Sophia Chikirou, Journalisten auf, ihren Presseausweis «zurückzugeben». Gleichzeitig hielt die Partei eine Pressekonferenz ab, zu der ausschliesslich «alternative digitale Medien» zugelassen waren, die der Partei wohlgesinnt sind.

Unter ihnen befanden sich junge Aktivisten und das Medium «Paroles d’honneur», das im Namen des Postkolonialismus das iranische Regime und den palästinensischen Terrorismus unterstützt. Gegründet wurde «Paroles d’honneur» von Houria Bouteldja und anderen Vertretern des Parti des indigènes de la République, einer Partei, die rassistische und antisemitische Theorien verbreitet.

«Krawattenknoten um den Hals schlingen»

LFI ruft gerne dazu auf, die Medien aus dem Griff der Milliardäre zu «befreien». Ihr grösster Hass gilt den Titeln des Milliardärs Bolloré, allen voran CNews, Europe 1 und «JDD» – jenen Medien also, die am Morgen des 17. Oktober angegriffen wurden. Die Angreifer konnten auf die stillschweigende oder offene Unterstützung von linksradikalen Politikern und Influencern zählen, die Gewalt gegen politische Gegner nicht erst seit der gegenwärtigen Randale legitimieren.

Zu diesem Umfeld geistiger Mittäter gehört der Sender Radio Nova, der dem linken Millionär Matthieu Pigasse gehört und Stimmungsmache für LFI betreibt. Am 10. Mai sorgte der Komiker Pierre-Emmanuel Barré für viel Aufsehen, als er auf Radio Nova seine Gewaltphantasien gegen Sophia Aram ausbreitete, eine Komikerin und Kolumnistin bei France Inter. Er stelle sich vor, so Barré, wie Aram bei Rot über die Strasse gehe, und «bam!». Nach dem Unfall würde er nachschauen, wie es dem Auto gehe, und den Rückwärtsgang einlegen. Barré ahmte sogar das Geräusch des Fahrzeugs nach, das erneut über Aram fährt.

Drei Tage vor den Ausschreitungen des 17. Oktober gab Pierre Metzger, ein anderer Moderator von Radio Nova, den Studenten Anweisungen, wen sie zu attackieren hätten. Den Sitz der Regierung sollten sie für einmal links liegenlassen und stattdessen die Medienunternehmer Vincent Bolloré und Bernard Arnault aufsuchen. Metzger zählte nicht nur die vermuteten Adressen der beiden auf. Er schlug auch vor, Bolloré «einen kleinen Krawattenknoten um den Hals zu schlingen» und auf Arnault «einzuschlagen».

Radio Nova hat sich von diesen Äusserungen distanziert, hat sich aber kaum gemässigt. Der Eigentümer Matthieu Pigasse will seine Medienmacht ausbauen, gerade hat er sich für eine von sechs neu vergebenen DVB-T-Frequenzen beworben. Seine Medienaktivitäten bezeichnet Pigasse als Teil eines «kulturellen Kampfes», den er selbst auch als «politischen Kampf» bezeichnet.

Das Verständnis der Linksradikalen von «guten» Medien und ihr Umgang mit ihnen nicht genehmen Journalisten erinnern nicht zufällig an Donald Trump. In ihrer Abneigung gegen kritische Medien sind sich auch französische Links- und Rechtsaussenpolitiker einig. Vertreter des Rassemblement national von Marine Le Pen fallen immer wieder durch Einschüchterungsversuche auf, etwa der Bürgermeister von Carcassonne, der Reporter von Pressekonferenzen ausschliesst.

Der linken Plattform «Médiapart», die vor einigen Wochen mutmasslich vom RN-Spitzenpolitiker Jordan Bardella stammende antisemitische Äusserungen enthüllte, beschied Marine Le Pen, sie solle besser einen «Anzug aus Kevlar» anziehen. Klar ist: Hätten die Links- oder die Rechtsradikalen die Macht, wären die Tage der freien Medien wohl gezählt.

Nora Bussigny ist Journalistin und Buchautorin in Frankreich. Zuletzt von ihr erschienen: Les nouveaux antisémites. Enquête d’une infiltrée dans les rangs de l’ultragauche. Verlag Albin Michel. – Aus dem Französischen übersetzt.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Auswärtige Autoren NZZ

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