«Wir machen euch fertig»: El Salvadors starker Mann legt sich mit haitianischen Banden an

Nayib Bukele ist das grosse Vorbild der neuen Rechten in Lateinamerika. Jetzt sendet er Soldaten nach Haiti, um entführte Landsleute zu befreien.

23.10.2026, 16.01 Uhr

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«Mit uns ist nicht zu spassen: Das ist die Botschaft des salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele an die kriminellen Gangs in Haiti.»

«Mit uns ist nicht zu spassen: Das ist die Botschaft des salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele an die kriminellen Gangs in Haiti.»

EPA

Er ist die Personifizierung der Politik der «mano dura», der harten Hand: Nayib Bukele, seit 2019 Präsident von El Salvador. Indem er Zehntausende von Gangmitgliedern ins Gefängnis steckte, hat er die Sicherheitslage in dem kleinen Land in Mittelamerika mit 6,5 Millionen Einwohnern deutlich verbessert (wenn auch auf Kosten der Menschenrechte, wie Kritiker bemängeln).

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Im Kampf gegen die Drogenkriminalität eifern zahlreiche rechte Spitzenpolitiker in der Region Bukele nach: von Javier Milei in Argentinien über den kolumbianischen Präsidenten Abelardo de la Espriella bis zum aussichtsreichen brasilianischen Kandidaten Flávio Bolsonaro. Nun legt sich der selbsternannte «coolste Diktator der Welt» mit den haitianischen Banden an.

Im praktisch gescheiterten Staat auf der Insel Hispaniola terrorisieren Kriminelle die Bevölkerung und verüben immer wieder Massaker an Zivilisten – so wurden im August bei einer Attacke auf einen Ort nahe der Hauptstadt Port-au-Prince Dutzende Personen ermordet. Um die schwache Zentralregierung in ihrem Kampf gegen die Gangs zu unterstützen, haben verschiedene Staaten Truppen geschickt. Diese bilden die vom Uno-Sicherheitsrat autorisierte «Gang Suppression Force» (GSF).

In einen Hinterhalt geraten

Das Kontingent von El Salvador umfasste bis anhin rund 125 Soldaten und Polizisten. Am letzten Sonntag gerieten vier von ihnen in einen Hinterhalt. Laut lokalen Medien waren die vier Flugtechniker in einem gepanzerten Fahrzeug auf dem Weg zurück zu ihrer Basis. Doch dann seien sie unachtsam geworden und hätten in der Nähe des Flughafens von Port-au-Prince angehalten, um in einem Supermarkt Lebensmittel einzukaufen.

Da nahmen Gangmitglieder die Gruppe unter Beschuss. Laut der salvadorianischen Armee fing das Auto Feuer, die Insassen mussten sich ins Freie retten und wurden daraufhin gefangen genommen. Die GSF-Helikopter, die die Armeeangehörigen zur Unterstützung angefordert hatten, kamen zu spät.

Welche Bande für den Überfall verantwortlich war, ist unklar. Bisher hat sich niemand dazu bekannt oder eine Lösegeldforderung gestellt. Auch fehlt von den Verschleppten jede Spur. Die Regierung von El Salvador geht jedoch davon aus, dass die vier Soldaten noch leben. Bukele hat deshalb ein Kontingent von 100 Spezialkräften nach Haiti geschickt, um die Kameraden zu befreien.

Die Truppe traf am Donnerstag ein, weitere 100 Soldaten sollen bald folgen. Die GSF bestätigte dies auf der Plattform X und betonte, die Aktion erfolge in enger Koordination mit der haitianischen Polizei. Dennoch ist eine solche militärische Intervention auf dem Territorium eines fremden Staates bemerkenswert.

Bukele droht den Bandenführern

In einem auf haitianischem Kreol verfassten Schreiben wandte sich Bukele an «die Anführer und Mitglieder der Banden, die vier unserer Landsleute in Haiti als Geiseln festhalten». Er betonte, die vier entführten Männer seien keine Kämpfer. «Unsere Mission besteht ausschliesslich aus Piloten und technischem Personal, deren Hauptaufgabe es ist, medizinische Evakuierungen durchzuführen und Menschenleben zu retten, nicht Krieg zu führen.»

Das einzige Ziel der nun gestarteten Militäroperation sei es, die Landsleute heil nach Hause zu bringen, schreibt Bukele. «Aber ich will, dass ihr Bandenführer eines ganz klar versteht: Der heutige Angriff ist nichts im Vergleich zu dem, was euch bevorsteht, wenn ihr nicht alle vier Geiseln lebend freilasst.»

Sie sollten nicht den Fehler machen, seine Worte für leere Drohungen zu halten, mahnt Bukele. «Wir haben bereits mit den Banden in El Salvador aufgeräumt, und wir können auch euch fertigmachen.» Noch hätten die Bandenbosse Zeit, dies zu verhindern: «Gebt uns unsere vier Landsleute lebend und unversehrt zurück, und alles wird wieder so sein wie vor der Entführung. Die Entscheidung liegt bei euch.»

Bis heute haben sich die Gangmitglieder keiner staatlichen Autorität gebeugt. Es ist deshalb fraglich, ob sie sich ausgerechnet von den Worten des Hardliners aus El Salvador einschüchtern lassen.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Simon Hehli

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