Wie der Trump-Clan aus Macht, Geopolitik und Insiderwissen ein Milliardengeschäft erschuf

Kein Ziel hat der amerikanische Präsident konsequenter verfolgt, als sich zu bereichern. Lange Zeit konnte das seiner Popularität nicht schaden. Doch bei den Midterms dürfte sein Machtmissbrauch die Republikaner teuer zu stehen kommen.

Gordana Mijuk01.11.2026, 05.30 Uhr

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Illustration Simon Tanner / NZZ

Die Szene wirkt wie aus einer anderen Zeit. Donald Trump und seine Frau Melania gleiten unter dem Blitzgewitter der Fotografen und den Jubelrufen die goldene Rolltreppe im Trump Tower herunter. Melania im weissen, schulterfreien Cocktailkleid, Trump im blauen Anzug und mit knallroter Krawatte. «Ich kandidiere offiziell für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten», rief der illustre Immobilienmagnat danach ins Atrium des Wolkenkratzers, «und wir werden unser Land wieder grossartig machen!» Das war der Anfang von Trumps ausserordentlicher Karriere als US-Präsident und der Anfang vom Ende Amerikas, wie wir es kennen. Er werde das Land reich machen, rief er in die Menge. Als Beweis, dass er dazu in der Lage war, reichte ihm ein einziger Satz: «Ich bin wirklich reich.»

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Damals im glitzernden Trump Tower glaubten die Amerikaner seinem Versprechen, vor allem die Mittel- und die Unterschicht. Sie hatten die Politikerkaste satt, die nur das Wirtschaftswachstum anschaute und nicht ihre existenziellen Ängste sah. Sie wollten einen Aussenseiter, der ihr Leben verbessert. Einen unabhängigen, erfolgreichen Unternehmer, einen «wirklich reichen» Mann.

Nun, über zehn Jahre später, könnte sein Reichtum aber zu seinem politischen Ende beitragen. Trumps Zollpolitik und der Iran-Krieg haben die Kosten für Benzin, Lebensmittel und Wohnungen in die Höhe schnellen lassen. Millionen von Amerikanern leiden jeden einzelnen Tag darunter. Sie glauben nicht mehr an Trumps Versprechen, das Land grossartig zu machen. Seine Umfragewerte sind so tief wie nie zuvor. Ähnlich verheerend sieht es für seine Republikaner aus, die bei den Zwischenwahlen am Dienstag eine Niederlage erwartet.

Donald Trump kündigt 2015 im Trump Tower in New York seine Präsidentschaft an.

Donald Trump kündigt 2015 im Trump Tower in New York seine Präsidentschaft an.

Christopher Gregory / Getty

Die Amerikaner sehen nun etwas, wofür sie vorher blind waren: Donald Trump hat sich selbst mit der Präsidentschaft bereichert wie niemand vor ihm. Er nutzt ungeniert seine politische Macht, um persönliche Geschäftsinteressen durchzusetzen. Donald Trump missbraucht die Präsidentschaft als Geschäftsmodell zur Selbstbereicherung. Mag er als Staatschef erratisch wirken, als Geschäftsmann ist er gradlinig und konsequent. Mag er als Staatschef mit disruptiven Entscheiden die Welt verunsichern, als Geschäftsmann profitiert er kaltblütig von der Volatilität.

Symbolisch dafür steht eine Szene im Oval Office, die sich am 9. April 2025 abgespielt hat. Donald Trump sprach mit Geschäftsleuten und prahlte damit, wie viel seine Milliardärsfreunde an der Börse gerade verdienten, nachdem er plötzlich angekündigt hatte, die Strafzölle für neunzig Tage zu suspendieren. «Er machte 2,5 Milliarden, und er machte 900 Millionen!», sagte der US-Präsident und zeigte auf die Männer.

2,2 Milliarden Dollar im Plus

«Donald Trump hat die lukrativste Präsidentschaft in der Geschichte der USA geführt.» Das schreibt das Wirtschaftsmagazin «Forbes» und hat dazu genaue Zahlen. In seinen ersten zwei Jahren verdiente Trump mit seiner Präsidentschaft 2,2 Milliarden Dollar. Sein Vermögen stieg von 4,3 auf 6,5 Milliarden Dollar. Wie genau hat er das gemacht?

Schon in den ersten vier Amtsjahren hatte Trump mit seiner Präsidentschaft Geld gemacht. Damals mieteten Firmenchefs oder ausländische Regierungen ganze Etagen in Trumps Hotel in Washington, um dem mächtigsten Mann der Welt nah zu sein. Industrieverbände und Lobbyisten hielten ihre Konferenzen in Trumps Golfresorts ab. Und Trump nutzte die Gelegenheit, um die Aufnahmegebühr für seinen Privatklub Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida, zu verdoppeln.

Der chinesische Staatschef Xi Jinping und seine Frau zu Besuch bei Donald und Melania Trump im Privatklub in Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida.

Der chinesische Staatschef Xi Jinping und seine Frau zu Besuch bei Donald und Melania Trump im Privatklub in Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida.

Lan Hongguang / Xinhua / Imago

Aber das waren vergleichsweise kleine Beträge. In der «New York Times» klagte er deshalb, er habe in der ersten Amtszeit seiner Familie angeordnet, keine Geschäfte im Ausland zu machen. Doch niemand habe ihm das angerechnet. «Ich habe begriffen, dass sich niemand dafür interessiert. Und ich darf das.» Eigentlich darf er das nicht, aber er schert sich nicht um die ethischen Regeln im Weissen Haus. Vor ihm hatten die Präsidenten grössere Vermögenswerte in sogenannte Blind Trusts übergeführt, also unabhängigen Treuhändern übergeben. Seine Firmen führen seine Kinder, sie sind aber noch Trumps Eigentum.

In seiner zweiten Präsidentschaft macht Trump nach wie vor Geld damit, dass Leute die Nähe zu ihm suchen – nur einfach viel, viel mehr. Er wartet auch nicht darauf, dass die Interessenten zu ihm kommen. Vielmehr reisen seine Söhne, Donald junior und Eric, nun als Chefs der Trump Organization ins Ausland, um dort lukrative Immobilienprojekte abzuschliessen, mit Ländern, die sich durch eben diese Nähe zu den Trumps Vorteile erhoffen, etwa beim nächsten Zollhammer oder bei Investitionen. Gemäss den Recherchen der «Financial Times» hatten die Trump-Brüder achtzehn Treffen mit Vertretern und Politikern anderer Länder seit dem Amtsantritt von Trump im Januar 2025. Dabei haben sie kein Amt in der amerikanischen Administration.

Die Trumps realisieren die Immobilienprojekte jeweils nicht selbst, vielmehr verkaufen sie den Namen Trump, der dann an Hotels, Wolkenkratzern oder Golfresorts prangt. Er symbolisiert Luxus und Exklusivität. Und – im Moment – die Supermacht Amerika. Allein in den Emiraten, Saudiarabien und Katar wird gerade ein halbes Dutzend Projekte realisiert: Wolkenkratzer, Golfresorts, Luxuswohnungen. Aber auch in Indien, den Malediven, Vietnam oder Rumänien entstehen gerade neue Projekte. Die Beziehung zu den Golfstaaten ist mittlerweile so eng, dass sich Katar sogar getraut, Trump eine luxuriös ausgestattete Boeing 747 zu schenken. Im Wert von 400 Millionen Dollar. Die Golfaraber wissen genau, wie Trump tickt.

Der Krypto-Hype

Auch Trumps alter Freund aus New York, Steve Witkoff, und sein Schwiegersohn Jared Kushner reisen um die Welt, allerdings vordergründig, um Frieden in Gaza und der Ukraine zu stiften. In Moskau nutzen sie die diplomatischen Treffen laut Witkoff aber auch dazu, um über Energie- und Rohstoffabkommen zu verhandeln. Das ist natürlich im Sinne des Präsidenten. Trump wollte schon immer mit Russland geschäften. Und der Ukraine-Krieg ist ihm langsam lästig. Wie eng die Bande da offenbar schon sind, zeigt, dass ein russischer Oligarch mit Beziehungen zu Wladimir Putin die dreitägige Hochzeit von Donald Trump junior auf den Bahamas im vergangenen Mai finanziert hat. Auch Putin weiss, wie Trump tickt.

Donald Trump junior und seine Frau Bettina Anderson treffen mit ihren Kindern in Dublin zu einer Begrüssungszeremonie im Aras an Uachtarain ein. Sie begleiten den US-Präsidenten Donald Trump, der Irland besucht.

Donald Trump junior und seine Frau Bettina Anderson treffen mit ihren Kindern in Dublin zu einer Begrüssungszeremonie im Aras an Uachtarain ein. Sie begleiten den US-Präsidenten Donald Trump, der Irland besucht.

Anna Moneymaker / Getty

Jared Kushner, der in der ersten Amtszeit für Trump als Senior Advisor mit dem Dossier Nahostkonflikt betraut wurde, steht den Golfstaaten besonders nah. 2017 gründete er deshalb Affinity Partners. Ein Investmentfonds, in den vor allem die Emirate, Saudiarabien und Katar investieren. 5 Milliarden Dollar sind bereits in der Kasse, so dass Trumps Schwiegersohn jedes Jahr Dutzende Millionen Dollar allein durch Managementgebühren einnimmt. Auch beim Schwiegersohn funktioniert das Geschäft mit der Nähe zu Trump. Erfolg hat Kushner den Golfstaaten aber bisher nicht gebracht. Im Gegenteil: Trumps Iran-Krieg hat ihnen enorm geschadet, ihr Image als stabile Expat-Oasen mit wenig Bürokratie und viel Luxus löst sich gerade in Luft auf.

Die grössten Einnahmen von Donald Trump stammen aber aus dem Kryptogeschäft, in das er kurz vor seiner zweiten Präsidentschaftswahl mit seinen Söhnen gestiegen ist (mit von der Partie ist übrigens auch Steve Witkoffs Sohn Zach). Dabei war er bis vor kurzem skeptisch gegenüber Kryptowährungen, verunglimpfte sie sogar als sicheren Hafen für Drogendealer und Betrüger. 1,4 Milliarden Dollar Einnahmen hat dieses Geschäft allein 2025 generiert. Trump bestimmt nun als oberster Regulator, wie die neue schöne Kryptowelt aussieht. Er dereguliert, wo er kann, und gibt den digitalen Währungen neue Wichtigkeit. Gleich zu Beginn der Präsidentschaft unterzeichnete er zudem ein Dekret, das Bitcoin als staatliche Reserve-Vermögensanlage zulässt, ähnlich wie etwa Gold. Trump machte es möglich, dass gewisse Pensionskassen sogar Gelder in Kryptowährungen anlegen können.

Zwar erscheint es so, als gehe es hier um neue digitale Finanzprodukte wie Meme- und Stablecoins. Aber letztlich verkaufen die Söhne von Trump auch hier Nähe zum Weissen Haus. Wer in World Liberty Financial (WLF) investiert, die Kryptofirma der Trumps, erkauft sich ihr Wohlwollen und letztlich Zugang zur Trump-Administration. So konnten einige Kryptoschwergewichte sogar ihre juristischen Probleme loswerden. Ein Beispiel: Der Kryptomilliardär Justin Sun, ein chinesischer Milliardär, kaufte Token im Wert von 75 Millionen Dollar und wurde zum grössten Investor der Plattform. Gegen Sun liefen Betrugsermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Kurz nach seinem Einstieg bei WLF und Trumps Regierungsantritt stellte die SEC das Verfahren gegen eine Strafzahlung von 10 Millionen Dollar ein. Auch in diesem Geschäft mischen die Golfstaaten mit. Kurz vor Trumps Inauguration kaufte ein Mitglied der Herrscherfamilie der Emirate 49 Prozent des Unternehmens.

Es ist wohl kein Zufall, dass Trumps Söhne nicht nur in die Kryptolandschaft investieren, die ihr Vater zum Eldorado macht, sondern auch bei den Prognosemärkten mitmischen. Das sind Online-Plattformen, auf denen nicht nur darüber gewettet wird, ob die Demokraten den Senat gewinnen oder die Strasse von Hormuz am 31. Dezember wieder normal befahrbar ist. Donald Trump formt und beflügelt diesen Markt mit seiner Unberechenbarkeit. Auch hier sind deshalb seine Söhne zur Stelle. Don junior ist beim Prognosemarkt Kalshi investiert und fungiert als Berater beim Konkurrenten Polymarket. Profitiert der Sohn vom Insiderwissen des Vaters? Don junior weist das von sich. Das sei Propaganda der Demokraten.

Trumps emsige Unternehmersöhne: Eric Trump und Donald Trump junior.

Trumps emsige Unternehmersöhne: Eric Trump und Donald Trump junior.

David Becker / Zuma / Imago

Wohl keine Propaganda ist ein Bericht der «Financial Times» darüber, dass die Investmentfirma von Don junior, 1789 Capital, vor einem Jahr in ein Startup für seltene Erden, Vulcan Elements, investierte, kurz bevor es ein Darlehen des Pentagons erhielt. Dieses Jahr investierte der findige Don junior in ein KI-Startup, Reflection AI, das ebenfalls einen Auftrag des Pentagons ergatterte. Alles nur ein Zufall? Kaum. Er profitierte von Insiderwissen.

Die Präsidentschaft ist käuflich

Der grösste Insider ist natürlich Donald Trump selbst. Und das nutzt er skrupellos aus. Zumindest deutet sehr vieles darauf hin. Laut einer Bloomberg-Analyse seiner offiziellen Offenlegungsberichte hat Trump zwischen seiner Amtseinführung im Januar 2025 und Juni 2026 28 700 Käufe und Verkäufe tätigen lassen. Das geschätzte Handelsvolumen beläuft sich auf rund 3,4 Milliarden Dollar. Das Weisse Haus beteuert allerdings, das Portfolio des Präsidenten werde von externen Finanzinstituten verwaltet. Weder Präsident Trump noch ein Mitglied seiner Familie hätten die Möglichkeit, Anweisungen zu erteilen. Allein, es gibt zahlreiche Aktienkäufe, die genau das vermuten lassen.

Im Februar hat Trump Aktien des Flugzeugherstellers Boeing gekauft, kurz bevor der US-Präsident mitteilte, China wolle zweihundert Boeing-Maschinen bestellen. Am 7. April wurden über Trumps Anlagekonto Exxon-Mobil-Aktien im Wert von einer halben bis zu einer Million Dollar veräussert. Nach Börsenschluss wurde eine Waffenruhe im Iran-Krieg angekündigt. Das senkte nicht nur den Ölpreis, sondern auch den Wert der Aktie des Mineralölunternehmens. Im Mai kaufte Trump Aktien des Chipherstellers Nvidia im Wert von 1 bis 5 Millionen und bewilligte danach den Export von hochentwickelten Prozessoren der Firma nach China, was den Aktienpreis in die Höhe trieb. Sind all diese Transaktionen mit möglichen Millionengewinnen nur ein Zufall? Kaum.

Darauf deutet auch ein neues Angebot bei Truth Social. Abonnenten erhalten früheren Zugang zu offiziellen Regierungsankündigungen, die auf der Social-Media-Plattform veröffentlicht werden. 100 000 Dollar im Monat kostet der Dienst. Das ist Insiderhandel in Reinform. Offen zum Verkauf gestellt.

Den Amerikanern war lange egal, dass Trump korrupt ist, dass er sich bereichert, wo er kann. Nun aber, da sie selbst unter den hohen Preisen leiden und mit ansehen müssen, wie systematisch er seine Präsidentschaft missbraucht, nun ist es nicht mehr egal. Es ist auch nicht mehr egal, dass er einen Ballsaal bauen will, der grösser sein soll als das eigentliche Weisse Haus. In einer kürzlich durchgeführten CNN-Umfrage gaben zwei Drittel an, sie glaubten, Trump stelle seine Interessen über die des Landes. Die Korruption in der Regierung ist zur grössten Sorge der Amerikaner geworden, noch vor der Inflation, wie eine andere Umfrage von Fox News vor wenigen Wochen zeigte.

Am Dienstag wird sich zeigen, ob seine grösste Stärke, das Geldmachen, zu seiner grössten Schwäche wird. Dann wird sich zeigen, ob die Zeit eines «wirklich reichen» Präsidenten in den USA zu Ende geht.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Gordana Mijuk

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