Widerstand in den USA Elon Musks Datenzentren bringen Anwohnende gegen Trump auf

Die USA setzen im KI-Wettlauf auf immer grössere Datenzentren. Doch der Widerstand wächst – auch bei Trump-Wählern: Anwohner wehren sich gegen die Folgen, Umweltorganisationen verklagen Elon Musk. Werden die Datenzentren für Trump zum Problem bei den Midterms? Der «Club» hat sich vor Ort umgehört.

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Ursula Logan verlässt ihr Haus nur noch, wenn es unbedingt sein muss: «Der Geruch schmerzt in meinen Nasenhöhlen. Ich gehe nicht oft raus, wenn ich hier bin.» Sie lebt in Boxtown, einem afroamerikanischen Arbeiterviertel in Memphis im Bundesstaat Tennessee, nur wenige Kilometer entfernt von zwei Datenzentren, gebaut von Elon Musks Firma X AI. Für den nötigen Strom betreibt X AI Gasturbinen. Sie sind verantwortlich für den Geruch und sie stossen unter anderem Formaldehyd aus, einen krebserregenden Stoff.

Drei Personen in Sicherheitskleidung stehen vor einer Industrieanlage mit Metallstrukturen.
Legende: Blick auf Elon Musks Datenzentrum Colossus. REUTERS / Karen Pulfer Focht

In nur 122 Tagen baute X AI 2024 in Memphis das Datenzentrum Colossus 1. Der Supercomputer trainiert KI-Modelle, insbesondere den Chatbot Grok. Um den gewaltigen Strombedarf zu decken, stellte das Unternehmen zunächst 35 mobile Gasturbinen ohne Genehmigung auf. Erst im Nachhinein beantragte X AI eine Bewilligung für lediglich 15 Turbinen. Mit Colossus 2 ist inzwischen ein zweites Datenzentrum in Betrieb, weitere sind geplant. 41 Gasturbinen wurden bereits bewilligt. Sie erzeugen eine Leistung von 1.2 Gigawatt, ungefähr so viel wie ein herkömmliches AKW.

Umweltschutz­organisationen werfen dem Unternehmen Verstösse gegen den «Clean Air Act» vor, ein Bundesgesetz zur Luftreinhaltung. Gemeinsam mit der Bürgerrechtsorganisation NAACP haben sie X AI verklagt. Das US-Justizministerium wollte die Klage mit Verweis auf die Bedeutung der KI für die nationale Sicherheit abweisen lassen, da das US-Militär sie unter anderem im Iran einsetze. Ein Bundesgericht lehnte den Antrag kürzlich ab – die Klage wird fortgesetzt.

Hinzu kommt, dass die Luft in der Region seit Jahrzehnten durch Schwerindustrie und Ölraffinerien belastet wird. Vorteile sehen Einheimische kaum: «Sie haben uns keine Jobs gebracht», sagt etwa William King. Seine Frau Fatima zeigt auf eine Strasse, unweit von ihrem Garten: Mitarbeitende von ausserhalb würden mit Bussen zur Arbeit bei X AI gebracht. Ursula Logan sagt, Boxtowns arme Bevölkerung habe kaum eine Stimme: «Ihre einzige Chance, gehört zu werden, ist die Wahlurne.»

Datenzentren werden zum Wahlkampfthema

Die Kontroverse ist längst an der Wahlurne angekommen: In einer Umfrage sagen zwei Drittel, dass die Haltung von Kandidierenden zu Datenzentren ihren Wahlentscheid bei den Midterms beeinflusse. Über die Hälfte steht solchen Anlagen kritisch gegenüber, unabhängig von der Partei. «Der Widerstand wächst bei Demokraten und Republikanern», sagt Jacob Kupin, parteiunabhängiger Stadtrat von Nashville. Und die demokratische Parlamentsabgeordnete Aftyn Behn beobachtet: «Die Amerikaner sind zutiefst verärgert darüber, dass ihnen KI aufgezwungen wird.»

Legende: Elon Musk braucht enorme Strommengen für seine KI-Datenzentren – und das sorgt in der Bevölkerung für immer grösseren Unmut. REUTERS/Evan Vucci

Präsident Donald Trump treibt den Ausbau dennoch voran. Er will das KI-Wettrennen gegen China gewinnen. Den Gemeinden verspricht er Investitionen, Steuereinnahmen und Jobs und er versichert: «Datenzentren werden sehr beliebt sein. Sie werden Gemeinden sehr glücklich machen.»

Harry Sudock unterstützt Trumps Haltung. Er ist CBO bei der US-Firma Cleanspark, einem Datenzentren-Entwickler: «Das stärkt unsere Industrie und sichert Amerikas Rolle als führende Wirtschaftsmacht.» Zudem würden Datenzentren eine Menge Steuereinnahmen generieren, von denen die lokale Bevölkerung profitiere: «Mit diesen Einnahmen werden Schulen, Polizei, Spitäler und Strassen mitfinanziert.»

Widerstand wächst

Zurück in Memphis: Dort organisiert Umweltschützer Richard Massey Proteste, um Druck auszuüben auf X AI. «Es geht hier um den reichsten Mann der Welt, der die Regeln untergräbt. Elon Musk hat enorme Summen ausgegeben, damit Trump gewählt wird. Davon will er jetzt profitieren.» Massey kritisiert, Musk habe mit seiner Sparinitiative «Doge» Mitarbeitende bei der Umweltbehörde entlassen, die den Bau von Datenzentren überwachen sollten.

Auch andernorts wächst der Widerstand gegen den KI-Boom. In New York gilt seit Juli eine Genehmigungspause für grosse Datenzentren; weitere Bundesstaaten prüfen ähnliche Schritte. Auch Massey will den Ausbau bremsen und klare Regeln schaffen: X AI plant drei weitere Rechenzentren in der Region. Ein Moratorium scheiterte im Stadtrat von Memphis allerdings knapp. Für die Menschen in Boxtown bleibt vorerst also die Hoffnung, bei den Wahlen Gehör zu finden.

Club, 20.10.2026, 22.25 Uhr; wilh

Source: SRF · Angela Gross

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