Weniger Strafzahlungen, mehr Zeit für die Klimaziele: Bundesrat Rösti kommt der Autobranche entgegen

Um ihre kriselnde Autoindustrie zu entlasten, will die EU die CO2-Vorgaben für Neufahrzeuge lockern. Nun zieht der Bundesrat nach – allerdings zu spät, findet die Autobranche.

04.11.2026, 16.50 Uhr

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Die Autoimporteure klagen über schwache Verkäufe und strenge CO2-Vorschriften. Nun will der Bundesrat ihnen mehr Spielraum geben.

Die Autoimporteure klagen über schwache Verkäufe und strenge CO2-Vorschriften. Nun will der Bundesrat ihnen mehr Spielraum geben.

Christian Beutler / Keystone

Schweizerinnen und Schweizer tun sich schwer mit dem Kauf neuer Autos. In den ersten zehn Monaten wurden in der Schweiz rund 192 500 neue Personenwagen zugelassen. Das ist nur unwesentlich mehr als im Vorjahr, als die Verkäufe auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren sanken. Einen Lichtblick bieten einzig die Elektroautos: Ihre Neuzulassungen legten um gut 30 Prozent zu. Mittlerweile fährt mehr als jeder vierte Neuwagen rein elektrisch.

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Für die schleppenden Verkäufe machen die Autoimporteure auch die strengen Umweltvorschriften verantwortlich. Während die EU ihrer Autoindustrie mehr Spielraum gewähre, halte die Schweiz an starren jährlichen CO2-Zielwerten und hohen Sanktionen fest, kritisierte der Branchenverband Auto Schweiz wiederholt. Das belaste den ohnehin schwachen Markt und bremse die Erneuerung des Fahrzeugbestands.

Nun reagiert das Departement von Umweltminister Albert Rösti auf die Klagen der Fahrzeughändler. Der Bundesrat hat am Mittwoch eine Vorlage in die Vernehmlassung geschickt, mit der er die Schweizer CO2-Vorschriften an jene der EU angleichen will – allerdings erst für die Zeit ab 2030.

Für Personenwagen und Lieferwagen sollen die Importeure künftig die CO2-Zielvorgaben von 2030 bis 2032 im Durchschnitt dieser drei Jahre erfüllen können. Überschreitungen in einem Jahr lassen sich damit durch Unterschreitungen in einem anderen ausgleichen. Allfällige Sanktionen werden erst nach 2032 fällig. Der Zielwert für Personenwagen bleibt unverändert. Bei Lieferwagen darf dagegen auch der erlaubte CO2-Ausstoss ab 2030 höher ausfallen als bisher vorgesehen: 108,7 statt 90,6 Gramm pro Kilometer.

Verschärfung bei Lastwagen

Strenger werden die Vorgaben für schwere Nutzfahrzeuge: Deren CO2-Ausstoss soll ab 2030 gegenüber dem Referenzwert um 45 statt um 30 Prozent sinken. Gleichzeitig verzichtet der Bundesrat jedoch auf die bisher vorgesehene Erhöhung der Sanktionsansätze. Die Entlastungen für die Autobranche führen unter dem Strich dazu, dass die CO2-Emissionen der Fahrzeuge insgesamt etwas weniger rasch sinken.

Die vorgeschlagenen Anpassungen beruhen auf Vorschlägen der EU-Kommission im Rahmen des sogenannten Automobilpakets, das als Reaktion auf die Krise der europäischen Autoindustrie lanciert wurde. Das Regelwerk wird in Brüssel immer noch beraten und könnte sich ändern. Der Bundesrat startet die Gesetzgebungsarbeiten dennoch bereits jetzt, damit die Schweiz die neuen Regeln rechtzeitig übernehmen kann.

EU-Label ersetzt Energieetikette

Gleichzeitig soll ein einheitliches EU-Label die bisherige Schweizer Energieetikette ablösen. Massgebend für die Einteilung ist künftig der CO2-Ausstoss. Damit erhalten alle reinen Elektroautos die beste Kategorie A – unabhängig davon, wie viel Strom sie verbrauchen. Heute erreichen nur besonders sparsame Elektromodelle diese Kategorie, während die meisten in B eingestuft sind.

Der Auto-Schweiz-Direktor Thomas Rücker begrüsst auf Anfrage die Vorlage. Die Angleichung an die EU gebe Importeuren und Kunden mehr Planungssicherheit. Allerdings kämen die Erleichterungen zu spät: «Wir müssen auch schauen, wie wir gut bis zum Jahr 2030 kommen.» Für die nächsten Jahre erkenne der Bundesrat den Handlungsbedarf weiterhin nicht an. Trotz den geplanten Lockerungen müsse die Branche bei der Elektrifizierung vorwärtsmachen, betont Rücker. Der Absenkpfad bleibe steil.

Von einem geringeren Sanktionsrisiko würden laut Rücker auch die Autokäufer profitieren. Drohende Strafzahlungen flössen in die Preiskalkulation ein. Fielen sie geringer aus, könnten Fahrzeuge günstiger angeboten werden oder die Preise weniger stark steigen.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · David Vonplon

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