In der ukrainischen Frontstadt Oleschky im russisch kontrollierten Teil der Region Cherson schweigen laut dem Weissen Haus derzeit die Waffen. Damit soll eine Hilfsaktion für die Bevölkerung ermöglicht werden. Vermittelt haben soll die Waffenruhe Melania Trump. USA-Expertin Claudia Brühwiler hält ein solches Engagement für durchaus denkbar.
Claudia Brühwiler
Politologin
Die Politologin Claudia Brühwiler ist Dozentin für Amerikanistik an der Universität St. Gallen.
SRF News: Hat es Sie erstaunt, dass Melania Trump diese Waffenruhe vermittelt haben soll?
Claudia Brühwiler: Jein. Einerseits ist schon länger bekannt, dass ihr das Schicksal der Zivilbevölkerung in der Ukraine sehr nahegeht. Sie hat sich dazu auch schon in einem Brief an Wladimir Putin geäussert und dafür auch den Dank des Ehepaars Selenski erhalten, vor allem der ukrainischen First Lady. Andererseits erstaunt es doch, dass sie direkt in diplomatische Gespräche involviert gewesen sein soll.
Wie aussergewöhnlich ist ein solches politisches Engagement für die Ehefrau eines US-Präsidenten?
Die Rolle der First Lady wird sehr unterschiedlich ausgestaltet. Wie sie diese ausfüllt, liegt weitgehend in ihren eigenen Händen. In der Regel gilt ihr Wirken als Ausdruck von «Soft Power», also vor allem als eine kultur- und sozialpolitische Macht, die ausgeübt wird – beispielsweise für sozialpolitische und gesellschaftliche Anliegen.
So engagierten sich drei First Ladies der USA
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Bild 1 von 3. Laura Bush: Lesen fördern. Laura Bush setzte sich als First Lady für die Leseförderung bei Kindern ein. Die ehemalige Lehrerin und Bibliothekarin machte Bildung zu einem Schwerpunkt ihres Engagements. (15.01.2007). Bildquelle: REUTERS/Benoit Tessier.
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Bild 2 von 3. Michelle Obama: Gesünder aufwachsen. Michelle Obama engagierte sich für gesunde Ernährung und mehr Bewegung bei Kindern. Mit ihrer Initiative «Let’s Move!» wollte sie Übergewicht im Kindesalter entgegenwirken. (03.05.2011). Bildquelle: REUTERS/Molly Riley.
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Bild 3 von 3. Eleanor Roosevelt: Menschenrechte stärken. Eleanor Roosevelt war eine aussenpolitisch geschätzte und aktive First Lady. Nach der Präsidentschaft ihres Mannes Franklin D. Roosevelt wirkte sie massgeblich an der Ausarbeitung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit. (10.12.1948). Bildquelle: KEYSTONE/Str.
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Hat Melania Trump möglicherweise tatsächlich selbst verhandelt?
Ich möchte es nicht ausschliessen. Gerade in der zweiten Regierung Trump setzt man auf Akteure, die nicht wirklich typisch aussenpolitisch diplomatisch bewanderte Figuren sind.
Viele betrachten Melania Trump als Opfer oder als Dekorationsobjekt.
Schon in seiner ersten Amtszeit handelte sein Schwiegersohn Jared Kushner, ein Immobilienentwickler, die Abraham-Abkommen aus – einer der grössten Triumphe in der Aussenpolitik Trumps. Zudem wird Melania Trump sehr wenig zugetraut. Viele betrachten sie als Opfer oder als Dekorationsobjekt. Dabei hat diese Frau Köpfchen und ist auf ihre Art und Weise eine clevere Geschäftsfrau.
«Verpflichtungen im Rahmen der humanitären Mission erfüllt»
Hilft dieser Erfolg der Waffenruhe Donald Trump bei den bevorstehenden Zwischenwahlen nächste Woche?
Kaum. Demokraten kritisieren, dies sei womöglich eher ein Triumph für Wladimir Putin als für Donald Trump: Er könne hier seinen Goodwill demonstrieren und seinem «Kumpel» einen Gefallen tun, der Trump weniger als Marionette des Kremls erscheinen lasse. Die Amerikanerinnen und Amerikaner beschäftigen zudem andere Fragen stärker: vor allem die Wirtschaft und ihr eigenes Wohlergehen. Wenn sie ein aussenpolitisches Thema umtreibt, dann der Iran-Krieg, den sie als unnötig und wirtschaftlich schädlich sehen. Zudem gibt es zahlreiche Skandale, gesellschaftspolitische Fragen und Sorgen, die die Leute wesentlich mehr kümmern als der Ukrainekrieg.
Das Gespräch führte Susanne Stöckl.
Source: SRF · 28.10.2026, 08:02
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