VW ID. Polo: Mit dem E-Kleinwagen findet Volkswagen zu alter Stärke zurück

Der neue Stromer überzeugt bei ersten Testfahrten. Er punktet mit viel Platz und gutem Fahrwerk. Doch auf einem Gebiet hat er noch Nachholbedarf.

26.10.2026, 05.30 Uhr

4 Leseminuten


Der ID. Polo erinnert optisch an den Benziner-Polo. Das zeigt einen neuen Trend bei VW.

Der ID. Polo erinnert optisch an den Benziner-Polo. Das zeigt einen neuen Trend bei VW.

PD

Volkswagen hat sich bei den Elektroautos freigeschwommen. Der neue Kleinwagen ID. Polo hat alles, was ein Stadtauto braucht. Dazu erfüllt er die meisten Erwartungen an einen modernen Stromer, orientiert sich aber dabei am Stil des populären VW Polo.

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Schon der Mittelklassewagen ID.7 zeigte 2023 den Wandel: Volkswagen korrigiert die Schwächen der ersten ID-Generation gründlich. Mit dem überarbeiteten Konzernbaukasten für kleine Stromer sind nun die meisten Probleme rund um Bedienbarkeit, Leistungsfähigkeit und Batteriemanagement ausgemerzt. Das zeigt sich nun bei der ersten Generation der Stadtstromer, angefangen mit dem Cupra Raval und dem Skoda Epiq.

Der gerade lancierte VW ID. Polo bestätigt den guten Eindruck der Schwestermodelle aus dem Wolfsburger Konzern. Erste Testfahrten rund um Wien belegen: Der ID. Polo erfüllt die hohen Ansprüche im Segment der Elektrokleinwagen mit Leichtigkeit. Die Latte liegt hoch, denn nicht nur ostasiatische Konkurrenten haben bereits populäre Angebote lanciert. Auch die europäischen Mitbewerber bieten charmante Alternativen, teilweise mit Retro-Charme wie etwa beim Renault 5.

Mit 441 Litern Gepäckvolumen verstaut der ID. Polo mehr als viele Konkurrenten.

Mit 441 Litern Gepäckvolumen verstaut der ID. Polo mehr als viele Konkurrenten.

PD

Der ID. Polo wirkt von aussen wie ein typischer Polo-Kleinwagen. Den E-Antrieb verrät einzig das Fehlen eines grossen Frontgrills und der Auspuffanlage.

Der Innenraum bietet viel Platz und echte Tasten

Die einzige Spur nostalgischen Retro-Designs, das bei der europäischen Konkurrenz gerade en vogue ist, findet sich innen beim Cockpit. Per Wahl am Touchscreen wird aus der Anzeige vor dem Lenkrad eine Tacho-Welt wie im VW Golf II von 1983. Erfreulich ist zudem die Rückkehr von physischen Tasten: Die Klimafunktionen lassen sich mit einer Tastenleiste steuern, ohne hinsehen zu müssen.

Im Innenraum überzeugt Volkswagen mit ansprechenden, präzise verarbeiteten Materialien. Dies gilt auch für die Sitze, die bequem und nicht zu weich gepolstert sind. Man sitzt auf allen Plätzen, vorne wie hinten, sehr komfortabel – es gibt auch auf den Rücksitzen genügend Platz für Erwachsene, was bei einem Auto mit einer Gesamtlänge von 4,05 Metern erstaunt. Selbst der Stauraum bietet mindestens 441 Liter Ladevolumen, also rund ein Viertel mehr als der VW Polo mit Verbrennungsmotor.

Das ausgereifte Fahrwerk ist gleichermassen komfortabel wie sportlich abgestimmt.

Das ausgereifte Fahrwerk ist gleichermassen komfortabel wie sportlich abgestimmt.

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Auf der Fahrt erweist sich der ID. Polo als ausgereifter Fronttriebler mit hoher Stabilität in Kurven und präzise abgestimmter Lenkung. Selbst bei sportlicher Fahrweise bricht der Wagen an den Vorderrädern nicht aus und lenkt stets präzise ein. Das Fahrwerk entspricht dem heutigen Stand der Technik und zeigt kaum seitliche Wankbewegungen. Auch beim Beschleunigen und Abbremsen neigt sich der Elektrokleinwagen kaum spürbar nach vorne oder hinten. Er schluckt Strassenunebenheiten souverän und bietet eine gelungene Balance aus Komfort und Sportlichkeit.

Zur Wahl stehen zwei Batteriegrössen: Der kleinere Akku mit 37 kWh Kapazität basiert zellchemisch auf Lithiumeisenphosphat (LFP), der grössere Speicher bietet 52 kWh mit konventionellen Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen. Je nach Wahl ergeben sich Normreichweiten von 323 oder 454 Kilometern.

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Der VW ID. Polo lässt sich entspannt durch die Stadt bewegen. Dank dem optionalen Assistenzsystem «Connected Travel Assist» ist auch die Fahrt auf der mehrspurigen Autobahn ein Leichtes. Es bietet neben einem zuverlässigen Abstandstempomaten auch automatisiertes Überholen: Setzt der Fahrer den Blinker, wechselt der Wagen automatisch die Spur – sofern sie frei ist. Doch das System benötigt noch etwas Feintuning, denn der Überholvorgang beginnt erst nach dem dritten Blinken. Für viele Fahrer ist diese Wartezeit zu lang, sie überholen dann lieber manuell.

Beim Infotainment bleibt VW hinter der Konkurrenz zurück

Etwas Feinabstimmung täte auch dem Infotainment gut. Der 13-Zoll-Mittelbildschirm lässt sich stellenweise noch nicht flüssig genug bedienen. Gerade hier ist die Konkurrenz aus China deutlich weiter. Zudem kommt es vor, dass sich der Sprachassistent unvermittelt zu Wort meldet. Das erinnert an die Kinderkrankheiten erster Sprachsteuerungen vor zehn Jahren. Zudem kann das System viele einfache Alltagsfragen nicht beantworten. Ein entsprechendes Software-Update tut not.

Der Innenraum bietet viel Platz. Die Anzeige lässt sich optisch auch wie ein VW Golf II gestalten.

Der Innenraum bietet viel Platz. Die Anzeige lässt sich optisch auch wie ein VW Golf II gestalten.

PD

Das Manko deutet auf ein Grundproblem bei Volkswagens überarbeitetem Baukasten für elektrische Kleinwagen hin: Der Wagen ist nicht softwaredefiniert, sondern arbeitet mit einer konventionellen Struktur, die ihre Rechenleistung mehreren im Fahrzeug verteilten Prozessoren verdankt. Da ist die Konkurrenz aus China, aber auch aus Frankreich deutlich weiter.

Doch das ändert nichts daran, dass der neue VW ID. Polo das bisher ausgereifteste Elektroauto des Konzerns ist. Er ist ein mechanisch und dynamisch gut gemachter E-Kleinwagen, der unangenehme Erinnerungen an den ersten ID.3 von 2019 vergessen macht. Seine Schwestermodelle Cupra Raval und Skoda Epiq stehen dem in nichts nach.

Viele Kunden werden in Erinnerung an das solide Benzinermodell VW Polo eher auf die Elektrovariante von VW umsteigen. Dabei dient der attraktive Einstiegspreis von 24 900 Franken als wichtige Entscheidungshilfe. Der ausgereifte Kompaktstromer mit guten Alltagsfähigkeiten dürfte bald das städtische Strassenbild massgeblich mitprägen – so wie es einst der VW Golf tat. Und das könnte Volkswagen wieder in die Spur helfen.

Der ID. Polo könnte Volkswagen in Europa wieder auf die Erfolgsspur bringen.

Der ID. Polo könnte Volkswagen in Europa wieder auf die Erfolgsspur bringen.

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Die Testfahrt wurde durch Volkswagen unterstützt.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Herbie Schmidt

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